Kommentar zum MZ-Artikel „Pflege oder Naturfrevel?“ vom Freitag (14.03.2014)

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrter Herr Ronald Dähnert,
Sehr geehrter Herr Hannjo Fritsche,

mich hat der MZ-Artikel „Pflege oder Naturfrevel?“ vom Freitag (14.03.2014) sehr bewegt und ich stimme Ihnen in allen von Ihnen genannten Punkten zu. Und ich finde es sehr gut, dass über dieses Thema kritisch berichtet wird.

Ich bin als ambitionierter Fahrradfahrer (ich bin einer der sogenannten „Zwewwellewwerworschbiker Mansfelder Land“) sehr viel mit dem Mountainbike in der Natur unterwegs und auch mir ist der Kahlschlag im Hasenwinkel aufgefallen. Es sieht dort wirklich so aus, als würden die Maßnahmen zur Bekämpfung des Feuerbrandes fortgeführt. Das Erscheinungsbild ähnelt jedenfalls sehr den Bereichen, in denen im vergangenen Jahr die Scheiterhaufen gegen den Feuerbrand standen (z.B. im Hüttengrund und am Nordufer des Süßen Sees). Und wenn man sich heute diese Brandstellen aus dem vergangenen Jahr mal genau anschaut, dann wird man feststellen, dass diese im Nachgang nicht ordentlich beräumt wurden. Man findet dort neben der Asche auch allen möglichen unverbrannten Unrat (Plastik, Glas, Reste von Autoreifen, …). Ich persönlich wage es daher sehr zu bezweifeln, dass die Brandflächen im Hasenwinkel noch ordnungsgemäß beräumt werden!

Wir werden wohl den Anblick dieser Brandflecken und der zerfahrenen Bereiche leider noch eine Weile ertragen müssen, bis sich die Natur diesen Lebensraum wieder zurückholt. Nach meinen Beobachtungen geht das zum Glück relativ schnell.

Einen Vorteil hatten die Kahlschläge aber, die man wegen des Feuerbrandes gemacht hat: Man konnte mal erkennen, was für Müllberge wir Menschen so in der Natur hinterlassen. Es ist eine Schande, was manche Leute dort abgelagert haben! Aber „Zum Glück“ wurde dieser Müll zum größten Teil gleich mit abgefackelt. Das Problem hat sich erst Mal „in Luft aufgelöst“. Schwarze Qualmwolken überall. – Musste das sein? Blasen wir nicht schon genug klimaschädliche Gase in die Atmosphäre? Alles ging in den Flammen auf – selbst Dutzende von Autoreifen, die man auch hätte fachgerecht entsorgen können. Anfangs hatte ich mich gefragt: Was sind das für komische rostige Drahtgeflechte, die in den Verbrennungsflächen liegen? Erst dachte ich, es seien Kabel verbrannt worden. Aber nein – es waren die Karkassen der verbrannten Reifen. Wenn man am Nordufer des Süßen Sees genau hinschaut, dann findet man immer noch solche Überreste. Den Großteil haben aber wahrscheinlich schon andere Leute mitgenommen und beim nächsten Schrotthändler zu Geld gemacht.

Dass bei diesen Kahlschlägen der Lebensraum unzähliger Tiere zerstört wurde und damit die Tiere aus diesem Bereich vertrieben wurden, sehe ich ganz genau so.
Im Hüttengrund z.B. wurde eine riesige Fläche, welche ehemals eine Streuobstwiese war, die aber immer stärker mit wilden Sträuchern und Büschen bewachsen war, komplett nieder gemacht – wahrscheinlich mit allen tierischen Lebewesen, die nicht rechtzeitig flüchten konnten. Schlimm!
Wie wäre es, wenn wir auf dieser Fläche eine neue Einfamilienhaussiedlung im Grünen anlegen würden. Der Hüttengrundweg ist auf dieser Talseite (östlich) durch die schweren Fahrzeuge eh schon so weit verbreitert worden, dass man ganz schnell dort noch ein paar Versorgungsleitungen legen könnte und anschließend den Weg als Zufahrt asphaltieren könnte. Fehlt nur noch der Investor und die Behörde, die dem zustimmt. - Aber das ist in Zeiten der vom Lobbyismus durchflochtenen Demokratie sicher schnell erledigt!
Um die Häuser wird dann „schöner“, akkurater, englischer Rasen angelegt bei dem jeder Halm auf die ideale Länge abrasiert wird, die Beete in den Gärten sind von jeglichem Unkraut befreit und die angrenzenden Hecken sind „perfekt und formschön“ geschnitten.
Was hinter den Hecken passiert ist uns dann egal. Ob noch ein paar Singvogelarten sterben müssen oder nicht – ist uns doch egal. Was geht uns Artenvielfalt an?

Wir nutzen die Natur so wie wir sie brauchen! Sie hat sich unseren Interessen gefälligst unterzuordnen. Und wir denken dabei nicht an die Zukunft.

Das Argument, man wolle mit den Maßnahmen im Hasenwinkel den Lebensraumtyp „subpannonischer Steppen-Trockenrasen“ erhalten, ist sicher einerseits verständlich. Andererseits ist es seit einiger Zeit wissenschaftlich erwiesen, dass sich die Klimazonen mit einer Geschwindigkeit von 5km pro Jahr nach Norden bewegen. Die im Hasenwinkel durchgeführten Maßnahmen werden also nur von kurzfristigem Erfolgt gekrönt sein.

Doch nochmal zurück zum Feuerbrand:
In wessen Interesse war es denn, dass diese unnötigen Kahlschläge gegen den Feuerbrand gemacht wurden? - Es war im Interesse der lokalen Obstbauern. Man hatte Angst, dass der Feuerbrand auf die benachbarten Obst-Monokulturen übergreifen könnte und so vielleicht die Ernten hätte schmälern und den Profit der Anbauer reduzieren können.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen eine Bekämpfung des Feuerbrandes und ich habe auch nichts dagegen, dass die Obstbauern Geld verdienen! Aber ich habe etwas dagegen, wenn man ohne sinnvolle Differenzierung Kahlschläge erzeugt, wenn „der Sachverstand mit auf dem Scheiterhaufen landet“ und wir all unser Tun nur auf den max. Profit ausrichten.

Was mich und viele andere Mountainbiker in diesem Zusammenhang noch ärgert ist, dass wir oft von Teilen der Bevölkerung für die Zerstörung der Natur verantwortlich gemacht werden, weil wir ja ein paar Reifenspuren im Waldboden hinterlassen. Aber hat schon mal jemand darüber nachgedacht, welche Landschaftszerstörung durch den Einsatz schwerer Technik in Wald und Flur entsteht, wenn diese Maschinen z.B. in der Forstwirtschaft oder aber bei der Bekämpfung des Feuerbrandes eingesetzt werden? – Da werden Schneisen hinterlassen, wo man meinen könnte, dass man eine neue Autobahn anlegen will, da wird lockerer Waldboden unwiederbringlich zerfahren und verdichtet und für Wanderer und Radfahrer nahezu unpassierbar hinterlassen, da werden neue breite Schotterpisten angelegt, damit die großen Holztransporter gefahrlos und schnell an Ort und Stelle kommen und ein schneller Gewinn erwirtschaftet werden kann.
Wenn also jemand das nächste Mal einem oder mehreren Mountainbikern begegnet und ansetzen will, sie zu beschimpfen, dann würde ich darum bitten, erst einmal darüber nachzudenken, wer tatsächlich den Wald zerstört!
Leider gibt es auch bei den Mountainbikern schwarze Schafe, die z.B. durch unangemessene und rücksichtslose Fahrweise vielleicht noch Wanderer in Gefahr bringen. Dagegen habe ich auch was!

Ich habe leider den Eindruck, dass es heute nur wenige Menschen gibt, die sich kritisch mit diesen Umweltthemen auseinandersetzen. Ich denke, neben Herrn Hannjo Fritsche und meiner Person wird es nur wenige Interessenten dafür geben.
Viele von uns haben es sich in ihrem nahen Umfeld bequem gemacht und sind desinteressiert geworden. Es ist ihnen egal, was sich außerhalb ihrer formschön geschnittenen Hecke abspielt.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Leischer


Siehe dazu auch:
Artikel 'Pflege oder Naturfrevel?' auf www.mz-web.de
Beitrag 'Naturschutz 2014 in Unterrißdorf im Hasenwinkel' auf MZ-BürgerReporter
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