Das "grüne Ungeheuer" auf dem Petersberg bei Halle /S

  Petersberg: Petersberg | Unweit von Halle/ S, nördlich der Stadt, liegt der Petersberg. Auf seiner Höhe befinden sich drei Türme, der schlanke TV- Turm der Telekom, der Bismarck- Turm und der im Volksmund als „grünes Ungeheuer“ bezeichnete Turm. Seine Form, viereckig, ca. 25m hoch, grün der Anstrich, zu Zeiten der DDR auf dem Dach ein Antennenträger mit ca. 30 Parabolantennen. Der Standort des Turmes war eingezäunt und streng bewacht von Polizisten der Deutschen Volkspolizei. Die Mitarbeiter im Turm kamen und verließen den Turm in Zivil. Was lag näher als die Annahme, hier unterhält die Staatssicherheit eine Aufklärung- und Abhöreinrichtung. So auch die Antwort eines Zeitzeugen im Jahre 2012, der den Turm rd. 30 Jahre bewacht hat. Das war doch das „grüne Ungeheuer“, keine bezeichnet ihn hier anders.
Was war der Turm wirklich ?. Als eine der Schlussfolgerungen aus dem Volksaufstand vom 17.Juni 1953 beschloss die Partei (SED), ein eigenes unabhängiges Kommunikationsnetz zu errichten. Ihre Kommunikationswege waren während des Volksaufstandes unterbrochen, unzuverlässig, nicht standhaft. Mitarbeiter in Einrichtungen der Deutschen Post streikten, hatten ihre Arbeit nieder gelegt.. Meldungen, Zustandsberichte und Weisungen verloren sich im Chaos, kamen bei den Empfängern nicht an. Die Führung war gefährdet. Ein eigenständiges, unabhängiges Kommunikationssystem musste geschaffen werden. Wirtschaftlich hatte ein Richtfunknetz Priorität. Beschlossen und verwirklicht wurde die Netzebene 1 bis ca. 1960, die Netzebene 2 bis ca. 1973. Die Netzebene 1 umfasste die Richtfunkverbindungen zwischen dem ZK der SED in Berlin und den Bezirksleitungen der Partei, die der Netzebene 2 alle Richtfunkverbindungen von den Bezirksleitungen zu den Kreisleitungen der Partei. So entstand bis ca. 1960 der grüne Turm auf dem Petersberg als Bezirksrichtfunkzentrale der SED Halle/ S. Seine Kennung im System war die 08A1. Auch in den anderen Bezirken der DDR wurden die Türme als A1- Türme bezeichnet. Ihre Zuordnung zum Bezirk wurde von der Bezirkskennziffer bestimmt.
Von diesen Türmen wurden die Richtfunkverbindungen zur Bezirks- und den Kreisleitungen der Partei, zu Sonderobjekten der NVA und zu den Bezirkseinsatzleitungen organisiert und betrieben.
1984 wurde das Netz an die Deutsche Post übergeben und bis 1990 weiter genutzt. Danach erfolgte die Neuorientierung. Niemals während ihrer Existenz hatten die Türme etwas mit der Aufklärung oder dem Abhören durch die Stasi zu tun. Als reine Parteiobjekte wurden die Türme von einer parteieigenen Firma errichtet und von Angestellten der Partei betrieben. Die Bezeichnung des Turmes auf dem Petersberg als „grünes Ungeheuer“ der Stasi hatte niemals eine berechtigte Bedeutung.

Vom Turm auf dem Petersberg wurden die Richtfunkverbindungen zur Bezirks- und den Kreisleitungen der Partei des Bezirkes Halle/ S, zum Stab der 11. Motorisierten Schützen Division und der Ausweichführungsstelle der Bezirkseinsatzleitung als Sonderobjekte sowie zu den Richtfunkzentralen in den Nachbarbezirken organisiert und betrieben.
Nicht in jedem Falle war die für eine Richtfunkverbindung erforderliche quasioptische Sicht zwischen Sender und Empfänger gegeben. Die Folge war der Einsatz von Relaisstellen, die in ähnlichen Türmen installiert und manuell oder technisch überwacht wurden. Ihre Kennzeichnung als Relaisstellen erfolgte mit der Kennziffer des Bezirkes Halle 08 und der Folge als A2 bis A...nn- Objekte (bewacht). Analog dazu die B-Objekte (unbewacht). Neben diesen gab es noch die C- Objekte. Das waren so genannte passive Umlenkspiegel, die überwiegend in bergigen Regionen zum Einsatz gelangten.
Die Kapazität der bereit gestellten Richtfunkkanäle zur Nutzung war begrenzt durch die Eigenschaften der eingesetzten Richtfunkverbindungsgeräte aus Radeberg. Bis maximal 24 Kanäle wären mit einem Gerät möglich. Je Richtung wurde ein aktives und ein passives Gerät als Reserve eingesetzt. Man bewegte sich im Schmalbandbereich. Von daher auch der Name Schmalbandrichtfunknetz der Partei. Neben dem Fernsprech- und Fernschreibwählverkehr im Netz wurden auch Richtfunkkanäle für vorbereitete Führungsstellen der NVA bereit gestellt.
Erwähnenswert ist, dass über separate Richtfunkverbindungen von den gleichen Türmen, die Zeitungsdrucksätze für das Zentralorgan des „Neuen Deutschland“ von Berlin zu den Druckereien in den Bezirken übertragen wurden.
Ähnlich der Bezirksrichtfunkzentrale in Halle, waren die Zentralen in allen anderen Bezirken der DDR organisiert und miteinander verbunden. Im Netz wurde keine Spezialnachrichtentechnik zur Verschlüsselung der Informationen eingesetzt. Das führte zur Aufklärung durch die Bundeswehr und den Bundesnachrichtendienst. In Folge kam es zu einer starken Einschränkung der Nutzung bis zur Übergabe an die Deutsche Post im Jahre 1984.
Während die Partei die Netzebene 2 bis ca. 1973 errichtete, begann die NVA in der Mitte der 1960er Jahre mit der Errichtung eines eigenen Netzes, ließ eigene Türme bauen und nutzte Einrichtungen der Partei. Das aber ist ein anderes Thema. Mehr Informationen dazu stehen im Internet bereit.
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3 Kommentare
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 20.11.2013 | 21:42   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 22.11.2013 | 19:23   Melden
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Roland Horn aus Dessau-Roßlau | 22.11.2013 | 21:48   Melden
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