Frühjahrswanderung des Heimatvereins am 24. April 2016

Wir gehen los
Die Temperaturen lagen knapp über dem Gefrierpunkt, als sich am Sonntagmorgen eine Gruppe Wanderfreunde auf den Weg machte, um durch enge Straßen, in verborgene Winkel und Orte in Alsleben zu gehen und, wie es der Vorsitzende des Heimatvereins bei seiner Begrüßung versprach, Besonderheiten zu hören und Interessantes zu sehen.

Kaffeebeutel
Mit einer guten Portion Neugier im Gepäck und dem Schirm in der Hand gingen wir los, um dem sogenannten „Kaffeebeutel“ einen Besuch abzustatten. Kaffee gab's zwar keinen, dafür erfuhren wir, woher die volkstümliche Bezeichnung der verschlungenen Sackgasse stammt. Der Legende nach lebten in den Anfang des 19. Jahrhunderts erbauten 5 Häusern Saaleschiffer, die von ihren Fahrten dies und das und auch Beutel mit Rohkaffee drin, mitbrachten. Zuhause angekommen wurden die Kaffeebohnen geröstet, so dass der aromatische Duft durch die engen Gassen der Stadt und in die Nasen der Leute zog. „De Schiffor ham widder Kaffeebeitel mitjebracht.“

Knaben und Mädchenschulen
Die kleine Gruppe Wanderer stieg nun den Schulberg hinauf und erfuhr auf dem Weg, wo sich die ersten Schulen befanden, in denen Mädchen und Knaben getrennt lernten. Die Schulen waren zu der Zeit so gut besucht, dass der Lehrer, der für seine Arbeit schlecht entlohnt wurde, kaum zur Tür reinkam.

Orte im Wandel der Zeit
Auf der Kuppe des Schulberges angekommen, konnten wir sehen, dass der neu angelegte Spielplatz für unsere Jüngsten fast fertig ist. Beim Blick über die Mauer erinnerten sich einige Wanderfreunde daran, wie sie sich im ehemaligen Turngarten der POS beim Weit- und Hochsprung mühten. Herr Müller informierte uns darüber, dass dieser Ort um 1682, als die Pest wütete, hinter der Stadtmauer lag und als Pestfriedhof diente.

Das Leben
Unser Weg führte weiter zum Stadtfriedhof, wo wir erfuhren, dass der Neubau der Friedhofskapelle im Jahr 1934 durch die großzügigen Spende der Eheleute Becker möglich wurde. Eine Gedenktafel erinnert daran. Unsere Aufmerksamkeit wurde auf die umlaufenden Reliefs gelenkt, die den Werdegang des Menschen, von der Geburt bis zum Tod, versinnbildlichen.
Es kann sein, dass manch Wanderer an diesem Ort darüber sinnierte, dass es sich empfiehlt, zwischen Geburt und dem Ende aktiv zu leben und durchaus solche Angebote, wie die Wanderungen des Heimatvereins, wahrzunehmen, denn: „Das Leben ist wie ein geschicktes Zahnausziehen. Man denkt, das eigentliche soll erst kommen, bis man mit Verwunderung merkt, dass es schon vorbei ist.“ (Bismarck)
Der Vorsitzende des Heimatvereins verwies darauf, dass der Heimatverein, anlässlich des Volkstrauertages, an der Stätte der Gefallenen beider Weltkriege eine Gedenkveranstaltung durchführt.

Umstrittene Namensgebung
Als wir das Friedhofstor leise hinter uns geschlossen hatten, standen wir unmittelbar vor Häusern, die 1929 vom Bauhaus - Architekten Trommler entworfen und von der Alslebener Fa. Straube erbaut wurden. Die Wohnungen waren für die damalige Zeit komfortabel mit Badewanne, WC und Wasseranschluss in der Küche ausgestattet. Der für unsere Gegend untypische Baustil war Anlass für die umstrittene Namensgebung.

Vom einfachen Wohn/ Stallgebäude zum schmucken Siedlungshaus
Wir gingen an der Gärtnerei der Fa. Langenberg vorbei, wo tags zuvor viele Alslebener und ihre Gäste das jährliche Blütenfest, mit buntem Programm, feierten und kamen in die „Thomas-Müntzer-Siedlung“, wo nach dem Krieg, im Rahmen der Bodenreform, eine Neubauernsiedlung mit einfachen Häuser und angebautem Stall entstand, die der Verbesserung der Wohnungsnotsituation diente. Nach dem 2. Weltkrieges kamen etwa 1500 Heimatvertriebene als Flüchtlinge nach Alsleben. In der nahe gelegenen „Ulrich-von-Hutten-Straße“ konnten wir sehen, dass eine schmucke Wohnanlage, aus Gebäuden des einstigen „Lindenhofes“, entstanden ist.

Lebenswege und Plätze
Im Verlauf der Wanderung wurde die Stimmung der Wanderfreunde beim Betrachten der hübschen Siedlungshäuser mit ihren frühlingsbunten Vorgärten genau so heiter wie das Wetter. Darum gingen wir zügig weiter, um auf dem Dorffriedhof, dem ältesten Friedhof des Ortes, Wissenswertes über die Veränderung der Bestattungskultur zu erfahren.
Im Kirchgarten der Dorfkirche wurde auf den neugestalteten, behindertengerechten Zugang hingewiesen. In der Dorfkirche hörten wir, dass die Zuordnung der Kirchensitze früher geregelt war. Von Krosigk musste für sich, sein Ehe - Gesponst und die beiden erwachsenen Töchter, gemäß des Standes, die doppelte Jahresgebühr, also 12 Groschen, für die in Altarnähe befindlichen Sitze zahlen. Die von Krosigks waren fleißige Kirchgänger.

Lohnendes Hobby
Zum Abschluss unserer Wanderung besuchten wir den „Mahlfeld Hof“, einen ehemaligen Bauernhof, der zugleich Tischlerei war. Heute nutzen die Nachkommen die Wirtschaftsgebäude, um mit alten, bewahrenswerten Baustoffen und Gegenständen Sinnvolles zu gestalten. Ein anspruchsvolles Hobby, das die Wanderfreunde sehr beeindruckte.

Wohliger Ausklang
Das anschließende, gemeinsame Mittagessen im „Goldenen Ring“ wärmte Körper und Geist.
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2 Kommentare
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Ralf Springer aus Aschersleben | 27.04.2016 | 22:30   Melden
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Anne Krüger aus Alsleben (Saale) | 28.04.2016 | 08:58   Melden
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