MIFA: Das darf doch nicht wahr sein!

Sangerhausen. Wieder einmal geht es um die Zukunft der MIFA. Nach der Beinahe-Auflösung und einer Last-Minute-Rettung im Jahre 2014 nun also der neue Scherbenhaufen im Januar 2017. Noch nie war die Situation so zerfahren wie jetzt. WIE war das möglich? Eine Kurzbetrachtung.

2014 Landkreis "rettet" MIFA

Angesichts einer immer offensichtlicheren Überschuldung der MIFA hat der Landkreis Mansfeld-Südharz die alte Produktionsstätte für über 5 Mio € gekauft und mit der MIFA einen Nutzer-/Mietvertrag abgeschlossen.
Wenige Monate später meldete MIFA trotzdem Insolvenz an.

Dezember 2014 der neue Retter

Ein erfolgreicher, inzwischen im Ruhestand lebender Geschäftsmann wird vom damaligen Wirtschaftsminister Möllring, Ministerpräsident Haseloff und der Investitionsbank bekniet, in der MIFA einzusteigen. Welches die innert weniger Tage ausgehandelten Konditionen wirklich waren, ist nicht bekannt, allerdings war immer wieder von einer Landesbürgschaft in Höhe von ca. 12 Mio € die Rede.

Tatsache ist, dass sich die neu gegründete Gesellschaft einzig und alleine für den Betrieb, Restrukturierung und allenfalls neue, moderne Produktionsanlage verantwortlich fühlte. Ein so genannter Asset-Kauf.
Miete und Amortisation, welche für das bestehende und inzwischen dem Landkreis gehörende Fabrikationsgebäude zu bezahlen gewesen wäre, gehörte offensichtlich nicht dazu. War das von Anfang an so abgesprochen?
Stattdessen wurde sehr schnell entschieden, dass kostengünstige und effiziente Produktion nur in einer entsprechend neu zu errichtenden Fabrikhalle stattfinden könne.


Die neue Montagehalle

Ab Mai 2015 denkt der neue Besitzer laut über den Standort für eine neue Fabrikhalle. Groß ist die Aufregung im Landkreis, denn es wird auch spekuliert, aus Thüringen läge ein sehr gutes Angebot vor. Auch in Sachsen-Anhalt bieten verschiedene Städte Industrieland an.
Zu guter Letzt fällt der Entscheid für Sangerhausen und im Juni 2016 findet der Spatenstich statt, 6 Monate später steht die Halle da. Gefördert mit 2,8 Mio Fördergeld.

Neue Insolvenz, aber wie!!!

Parallel zum Umzug in die neue Produktionshalle, stolpert MIFA in die nächste Insolvenz. Kredite sollen gekündigt, Kreditlinien geändert worden sein, Materialbestellungen für die Saison 2017 können nicht getätigt werden, obwohl von Seiten der Besitzer "Millionen in den Betrieb" eingeschossen worden seien.
Folge: Insolvenz in Eigenverwaltung, zwei Wochen später klassische Insolvenz.

Eine Bemerkung zum Insolvenzantrag: Dieser erfolgte anfangs Januar und umfasste damit schon mal die Dezemberlöhne, welche am 9. Januar hätten ausbezahlt werden müssen. Somit verbleiben noch zwei Monate Lohnfortzahlung durch die Arbeitsagentur und in dieser Zeit MUSS eine Lösung gefunden werden, sonst ist endgültig Schluss

Und so präsentiert sich der Scherbenhaufen:

- Landkreis Mansfeld-Südharz : Sitzt auf den rund 5 Mio MIFA-Schulden, welche offenbar weiterhin den Kassenkredit belasten. Nun läuft dieses Guthaben in die Insolvenzmasse. Der Gegenwert des Gebäudes dürfte einen Bruchteil des damaligen "Kaufwertes" betragen.

- Der alte Fabrikationsstandort ist noch nicht geräumt und wird wohl auch nicht geräumt werden.

- Die neue Fabrikhalle ist bezugsbereit, aber die Produktion steht wegen Insolvenz still.

Die MIFA besitzt KEINE eigene Produktionshalle - der Hammer!

Das neu errichtete Fabrikationsgebäude gehört nicht der MIFA, sondern der Vermögensverwaltungsfirma der Besitzerfamilie. Das bedeutet: Diese Halle kann jederzeit an einen Interessenten vermietet oder verkauft werden, da ja die Vermögensfirma der Eigner und nicht insolvent ist. Die MIFA ist also bestenfalls zur Miete dort angesiedelt.

Ein möglicher Investor übernimmt also eine insolvente Firma ohne eigene Produktionsstätte und muss demzufolge mit nicht kalkulierbarer Mietpreisentwicklung rechnen oder 17 Mio zusätzlich für den Kauf der Produktionshalle aufbringen.... Damit wäre die Vermögensverwaltungsfirma der Besitzerfamilie fein raus.Seit wann sind diese Vermögensverhältnisse der Landesregierung bekannt?

..und wie kann es weiter gehen?

Für die MIFA:
- Es kommt ein neuer Investor, der an der neuen Produktionsstätte weiterhin auf Massenproduktion mit engen Margen setzt und mit diesem Konzept gegen übermächtige Konkurrenz aus Fernost einen sehr schweren Stand haben wird.
- Es gibt ein Angestellten Buy-Out , Konzentration auf Bike-Manufaktur am alten Betriebsstandort mit bedeutend weniger Mitarbeitern, finanziell angeschoben durch eine große Kampagne aus der Bevölkerung. Eine solche Neuausrichtung hat möglicherweise bessere Chancen, als die offensichtlich ruinöse Massenmontage von Billigrädern mit Fernost-Bestandteilen.


Die neue Fabrikhalle

Da sieht es für die familieneigene Vermögensverwaltung sehr gut aus. Entweder findet sich ein Mieter oder Käufer, oder aber die große familieneigene IFA/Rotorion zieht mit einer weiteren Produktionslinie hier ein. Was passiert eigentlich mit den ausbezahlten Fördergeldern?

Zum Geld ab 2014:

- Landkreis 5 Mio €
- Fördermittel 2, 8 Mio €
- Landesbürgschaft: ca. 12 Mio €
- Besitzerfamilie: 10 - 12 Mio €
- Investitionsbank: Kredite oder Garantien über wieviele Mio € ?
- Arbeitnehmer: Überzeit- und Ferienansprüche nach 2014 auch jetzt wieder in der Insolvenzmasse total ca. 3-5 Mio €
- Lohnzahlung durch die Arbeitsagentur in den Jahren 2014 und 2017, ca. 6 Mio €.
- Lieferantenschulden, resp. Stundungen/Abschreibungen 2014 und 2017 wieviele Mio € ?

Der neue Wirtschaftsminister kündigte an: Ein neuer Investor könne ganz klar mit Unterstützung aus der Wirtschaftsförderung rechnen... Das Hamsterrad dreht sich also weiter...

Vielleicht wäre es sinnvoller, politisch ganz gründlich über die Bücher zu gehen. WAS ist 2014 hier eigentlich genau abgelaufen, dem kurzfristigen politischen Erfolg vor Wahlen verpflichtet? Dieser Vertrag, diese Absprachen zwischen Politik und neuem Eigentümer sind mit dem Verlust von Steuergeldern in Millionenhöhe verknüpft und demzufolge offen zu legen.

Fördermittel für eine private Vermögensverwaltungfirma: Diese errichtet die Halle und dieselben Personen lassen die Firma, deretwegen die Fördergelder geflossen sind, pleite gehen. Was bleibt ist die Fabrikationshalle, welche NICHT in der Insolvenzmasse ist und frei veräußert werden kann.

Fazit: MIFA, 500 Angestellte, ist inzwischen substantiell bis auf die Knochen ausgeschlachtet und besitzt nicht mal mehr eine eigene Produktionsstätte.....


Ein Polit- und Fördermittelskandal und erst in zweiter Linie muss über unternehmerische Verantwortung gesprochen werden.
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