Welbsleben: Geteilt in Ost und West. Eine Glosse?

  Arnstein: Welbsleben |

Es bleibt dem geneigten Leser überlassen, ob er die folgende Geschichte als Glosse oder Lokalnachricht einordnen möchte. Hauptdarstellerin ist eine „Brücke“, 5 Meter breit, knappe 6 Meter lang, irgendwann errichtet, um dem 2 Meter tiefer fließenden Langentalbach den Durchfluss zu gewähren. Diese Brücke ist Teil der Harkeröder-Straße, verbindet das Einetal mit Aschersleben und liegt auf der Höhe des ehemaligen Gasthauses Forelle im Ortsteil Welbsleben. Bis zum 23.März 2015 konnte hier der Verkehr mit einer Gewichtsbeschränkung von 16 Tonnen im Gegenverkehr passieren, also eigentlich 32 Tonnen Last auf der Brücke, ohne irgendwelche weiteren Einschränkungen.

Inspektion mit Folgen

Irgendwann im Februar fand eine routinemäßige Kontrolle des Landesstraßenbauamtes statt, welche übrigens jährlich erfolgt. Der Bericht hatte es in sich. Am 24. März erhielt die Verwaltung ein Schreiben des Straßenbauamtes, wonach die Langentalbach-Brücke per sofort für jeglichen motorisierten Verkehr zu sperren sei. Bereits am Nachmittag setzte eine beauftragte Firma die Fahrverbote. Wo also tags zuvor noch Schulbus, die Landtechnik und Laster von Welbsleben in Richtung Harkerode -Einetal fuhren, nun absolutes Fahrverbot, auch für Motorräder usw.

Bevölkerung und Stadtverwaltung machen Vorschläge

Wenn eine Brücke marode ist, muss man was unternehmen, niemand bestreitet das. So wurde vorgeschlagen: Fahrbahn einengen; Vorfahrttafeln; Stahlplatten; Gewichtsbeschränkung bis 7 Tonnen etc; Geschwindigkeitsbeschränkung; bis hin zu sofortigem Abbruch und Neubau oder Errichtung einer Notbrücke. Zwei weitere Vororttermine mit der Verwaltung brachten keine neuen Ergebnisse, im Gegenteil: Ermöglichte es die bisherige Signalisation den betroffenen Anwohnern noch, sich über die Brücke zu schlängeln, so erfolgte jetzt eine fest montierte Gittersperrung. Also genau so, wie es bei kunstvoll gebauten Viadukten gemacht wird, wenn Gefahr besteht, dass man hunderte von Metern in den Abgrund stürzt.

Welbsleben Ost und West, 15 km Umwegfahrt..

Ab sofort ist Welbsleben geteilt in Ost und West, Schulbusse, Pflegedienste, Mahlzeitendienst, Post, insbesondere jedoch die Landtechnikbetriebe Welbslebens haben Umwege von bis zu 15 km zu fahren, wofür zuvor 1 km Wegstrecke benötigt wurde. Hin und zurück macht 20 Kilometer. Das Einetal ist aus Richtung Aschersleben nur noch über eine Umwegfahrt via Quenstedt – Sylda zu erreichen. Die Dauer der Sperrung ist ungewiss. Derzeit wird versichert, man sei bemüht, noch vor dem Winter mit den Bauarbeiten zu beginnen.
Die Bevölkerung selbst ist da etwas verunsichert und misstrauisch, denn angesichts der Tatsache, dass in den letzten zwei Jahren in Welbsleben KEIN Winter stattgefunden hat, ist dieses Zeitfenster reichlich vage...

Auch der „kleine Grenzverkehr“ ist unterbunden!

War es bisher für Ortskundige noch möglich, sich über eine Quartierstraße halbillegal von Welbsleben-Ost nach Welbsleben-West zu bewegen, so ist nun auch diese Verbindung amtlich gesperrt. Trennung perfekt. Wer sich nicht dran hält, wird bestraft.

Das alles wegen einer offensichtlich baufälligen Brücke, 5 Meter breit, 6 Meter lang, zwei Meter hoch, welche offenbar ganze Planungsstäbe in Magdeburg beschäftigt, bei einem Kostenvolumen von großzügig geschätzten 150 000 €, also kein Millionenbau.

Ja, so war dann der Herrentag wohl der gebotene Anlass für einige Welbslebener, diese Situation ironisch zu kommentieren. Die fest eingebaute Gitterwand bot sich da geradezu an.

Nachtrag: Sperrung 2

Vom 18. - 23 Mai wird auch die Hauptstraße Welbslebens wegen Belagserneuerung vollständig gesperrt werden. Eine Woche Ausnahmezustand.

Na, vielleicht fühlen sich ja die benachbarten Ortsteile soweit solidarisch mit Welbsleben-Ost und Welbsleben-West, dass sie Hilfspakete zu schnüren beginnen, welche dann bei Bedarf ins Not leidende Gebiet eingeflogen werden können....

Ironie aus!

Dinge wollen geplant sei. Das braucht etwas Zeit. Geld sollte angesichts der anstehenden Kosten wohl kein Thema sein, ansonsten ist dieses Land wirklich arm dran. Es bleibt also die wirklich ernst gemeinte Frage an das Landesstraßenbauamt, wie es zu erklären ist, dass ein offensichtlich notwendiger Ersatzneubau auf eine mindestens halbjährige Planungsschiene gerät und während dieser Zeit kein Verkehr mehr ins Einetal fließt. Nicht zu sprechen von der Ortsdurchfahrt im Ortsteil Sylda, welcher das alles abkriegt und die Durchfahrt offenbar ohne Gewichtsbeschränkung erlaubt ist...

Es ist sehr leicht nachzurechnen, dass in der Zeit der Sperrung für die betroffene Bevölkerung und die Dienstleister ein materieller Schaden entsteht, der weit über den Investitionskosten dieses „Brückenneubaus“ liegt. Der Schaden für betroffene Unternehmer und das Risiko, dass in Notfällen benötigte Hilfe gar nicht ankommen wird, scheint im ländlichen Raum in der Gesamtbeurteilung solcher Situationen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Alleine die Mehrkosten für den Busbetrieb und die Schülerbeförderung dürften bei einer 6-monatigen Sperrung rund 80 000 € betragen, also die Hälfte der Gesamtkosten für den „Brückenneubau“.

Von wegen Brückenneubau!


Nennen wir das Kind doch beim Namen: Überdeckelung eines Bächleins. Technische Hilfswerke und Sondereinheiten der Armee lösen solche Probleme innerhalb von zwei Tagen....
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mittdeldeutsche Zeitung | Erschienen am 15.05.2015
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Walter Helbling aus Arnstein | 15.05.2015 | 13:23   Melden
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