Wipperliese: Diese Fragen bleiben!

 
Foto Jana Ko auf facebook

Heute fährt die Wipperliese zum letzten Male fahrplanmäßig als öffentliches Verkehrsmittel. Kein schöner Tag für die Menschen im Wippertal. Noch ist nicht klar, wer die Gleisstrecke Klostermansfeld-Wippra von der Deutschen Bahn abkaufen oder pachten wird. Lokal laufen die Bemühungen, die Wipperliese künftig im touristischen Gelegenheitsverkehr an Wochenenden fahren zu lassen. Unabhängig vom Resultat dieser Anstrengungen bleiben Fragen.

1. Was war der wirkliche Anlass für vertragswidrige Kündigung?

Im Februar 2014 wurde zwischen NASA und DBregio ein neuer Vertrag unterzeichnet, Laufzeit bis 2018, erstmals kündbar auf Ende 2015.
Die vertragswidrige Aufkündigung nur ein halbes Jahr nach Vertragsabschluss lässt sich weder mit "sinkenden Passagierzahlen" (diese waren nämlich 2009-2014 mit Ausnahme des Jahres 2013 wegen zweimonatigem Betriebsunterbruch konstant -trotz Weggfalls der Sekundarschüler aus Wippra ab Sommer 2014!!), noch mit dem Sanierungsbedarf der Brücken begründen. Die Brücken standen bereits im Sanierungsprogramm der DB-Gleis, welche aber ganz klar auf einen längerfristigen Vertrag pochte.
Der WIRKLICHE Grund für diese Abbestellung, nur 6 Monate nach Unterzeichnung des neuen Vertrages muss also anderswo liegen.

2. Weshalb schießt NASA befristet Geld in touristischen Gelegenheitsverkehr?

Nachdem zuerst von einer völligen Abbestellung gesprochen wurde und ein Busersatzkonzept erstellt wurde (welches noch für Gesprächsstoff in Hülle und Fülle sorgen wird), stehen plötzlich 300 000 € für ein touristisches Wochenend-Konzept zur Diskussion. Weder ist zum jetzigen Zeitpunkt der künftige Eigner der Gleisstrecke bekannt, noch ist klar, mit welchem Wagenmaterial gefahren werden wird. Im Weiteren ist dieser Wochenendbetrieb vom Parlament bis Ende 2016 bewilligt. Weder für den möglichen Gleisbesitzer noch für den Nutzer der Strecke, z.B KML kann dies eine wirtschaftliche Perspektive sein. Was ist, wenn der Anteil der NASA ab 2016 reduziert wird? Wer kommt für den Rest auf?

3. Was hat das alles mit dem Landkreis zu tun?

Die Zukunft der Wipperliese steht und fällt offenbar damit, ob der Landkreis ein so genanntes "touristisches Konzept" für den Weiterbetrieb ausarbeitet und präsentiert. Im Weiteren scheint es so, dass dieses Geld der NASA an den Landkreis fließt, ein erstaunliches Vorgehen und seltsam zugleich, denn:

In Tat und Wahrheit findet derzeit eine Ausschreibung für eine "Privatisierung" der Gleisstrecke an eine private Gesellschaft oder einen Verein statt. Weder Schienen- noch Fahrzeugbetreiber sind zum jetzigen Zeitpunkt bekannt. Diese Verknüpfung mit dem Landkreis zum jetzigen Zeitpunkt macht also kaum Sinn und wirft die Frage auf, welches denn die zukünftige Rolle des Landkreises sein soll/wird...oder aber: ob trotz laufendem Verkaufsverfahren seit Monaten klar ist, wer diese Strecke betreiben wird? Das wiederum wäre dann mehr als ungewöhnlich.

4. " ... bis Ende 2016..." Nach welchen Kriterien?

Das ist die Empfehlung, welche auch im Landtag so beschlossen wurde: Der Betrieb der Regionalbahn „Wipperliese“ soll vorerst bis 2016 im touristischen Gelegenheitsverkehr ermöglicht werden.

Touristisch etwas konzeptionell auf den Weg zu bringen, braucht seine Zeit. Es wird auch kaum jemand auf den Gedanken kommen, die Leute aus der Region müssten nun jedes Wochenende mindestens zweimal täglich mit der Wipperliese in der Gegend herumfahren.., damit sie ausgelastet sei, Events zum Nulltarif organisieren, damit die Bahnstrecke genutzt werde, usw. usw. Das wird auf Dauer nicht funktionieren.

Also ist zu fragen: Welches sind die Kriterien, Vorgaben, nach denen ein Erfolg spätestens im Sommer 2015 definiert wird? Dann muss ja das Parlament (oder wer?) über eine Weiterführung über 2016 hinaus entscheiden.

- Sind das Passagierzahlen/Fahrt?
- Ist das ein Kostendeckungsgrad, den derzeit niemand kennt?
- Sind das Anträge des Landkreises, des Schienenbesitzers oder des
Verkehrsmittelbetreibers?
- WER entscheidet letztendlich? Die NASA, das Parlament, der Landkreis?

Erstaunlich ist, dass bisher NIEMAND nach diesen "Erfolgskriterien" fragt, sich aber auch niemand dafür zu interessieren scheint. Das finde ich äußerst seltsam.

5. Wirtschaftlichkeit für den Streckenbesitzer im Wochenendbetrieb?

Laut Ausschreibung DB hat ein zukünftiger Besitzer dieser Bahnstrecke mit jährlichen Unterhaltskosten von 90 000 € zu rechnen. Dazu kommt ein Sanierungsstau von über 4 Mio € für drei Brücken bei Biesenrode, eine davon akut sanierungsbedürftig.
NICHT gesprochen wird vom Mansfelder Viadukt, welcher mit Sicherheit ebenfalls zumindest eine Schutzfarbsanierung und möglicherweise Sanierung der Brückenlager benötigt.
Wenn nun in den Raum gestellt wird, diese Sanierungen seien im Wochenendbetrieb nicht mehr nötig, man könne nun nach anderen Standards planen, dann besagt das lediglich, dass man den bestehenden Sanierungsstau hinausschiebt. Sterben auf Raten.

Aus den 2015/16 fließenden je 300 000 €/Jahr benötigt der Fahrzeugbetreiber geschätzte 180 000€ für Fahrzeugunterhalt- und Personalkosten, verbleiben also 120 000€ beim Streckenbetreiber. Damit sollen Streckenunterhalt und Investitionsstau bewältigt werden?
Bleibt noch die Frage: Einnahmen durch Ticketverkauf. Wohin wird dieses Geld fließen? Betreiber der Fahrzeuge (Wipperliese..) oder den Besitzer der Strecke, was ungewöhnlich wäre ? Oder die NASA, oder den Landkreis?

Behauptung: Jede Firma, welche sich für den mittelfristigen Erhalt und Kosten deckenden Betrieb der Gleisanlage Klostermansfeld-Wippra (und nicht deren Abbau zum Schrottpreis von ca. 400 000€) interessiert, muss also noch über eine weitere satte Einnahmequelle verfügen, zumal das Projekt "touristische Nutzung" parlamentarisch bis Ende 2016 befristet ist, das Risiko des Wegfalls der NASA-Gelder besteht.

WAS diese Zusatzquelle sein könnte, ist derzeit Spekulation, werden wir in den kommenden Monaten erfahren. Das wird dann sicherlich viele Leute in der Region interessieren.

Denn damit dürfte die eingangs gestellte Frage beantwortet werden : WAS war der wirkliche Grund für die Abbestellung der Wipperliese?

Danke und viel Glück, liebes Wipperliese-Team

Zum Abschluss gilt es, dem Personal der Wipperliese zu danken! Beinahe ein Jahr lang haben sie in diesem Spannungsfeld gearbeitet, aber Humor und Freundlichkeit bewahrt. Das ist nicht immer einfach. 11 (oder 15?) Personen waren hier angestellt, mussten gekündigt werden. Ihnen wünsche ich von Herzen, dass sie in neuen Jobs dieselbe Zufriedenheit und endlich wieder Ruhe und Perspektiven finden.
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1 Kommentar
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Stephan Rinck aus Eisleben | 12.04.2015 | 15:23   Melden
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