Sachsen-Anhalt: Stirbt die Schule, stirbt...

 
6 von 120 gefährdeten Schulen

...das Dorf, die Dorfkultur, das Dorfleben. Beinahe täglich können wir diese Sätze lesen. Auf Grund der neuen Verordnung zur Schulentwicklungsplanung 2014 (SEPl-VO 2014)
vom 15. Mai 2013 des Landes Sachsen-Anhalt kann man einen weiteren Begriff hinzufügen ...“stirbt der ländliche Raum“. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man die relevanten Bestimmungen für Grundschulen betrachtet.

Einheitsschule statt Schulvielfalt

Während die Bevölkerungszahlen in den Dörfern schrumpfen, die Überalterung diesen Trend noch mindestens 15 Jahre verstärkt, müsste man annehmen, dass insbesondere im Bereiche Grundschulen flexibel, elastisch auf diese Entwicklung reagiert wird. Dies im Bestreben, junge Familien im Orte zu halten, Neuzuzüglern attraktive Standortbedingungen zu bieten und damit diesem unheilvollen Trend entgegen zu wirken. Leider ist das Gegenteil der Fall. Nicht kleinere, sondern grössere Schuleinheiten werden verordnet. Die Mindestgrösse für Grundschulen beträgt ab 2014 15 Schüler/Klasse und steigt auf 20 bis 2017. So stehen nach derzeitigem Informationsstand über 120 Grundschulen auf der Kippe, nicht weil sie keine Kinder hätten, sondern weil sie den veränderten Eckwerten bezüglich Mindestschülerzahlen nicht mehr zu genügen vermögen. Die Ausnahmeregelungen für „dünn besiedelte“ Gebiete mit 40/60 Schülern als Mindestgröße erwähne ich nicht weiter, der Trend ist derselbe.

„Gute Schule = Grosse Schule“ Stimmt nicht!

So einfach ist die Losung, welche an den Informationsveranstaltungen den betroffenen Eltern an den Kopf geworfen wird. Wirkliche Schulqualität wird nicht durch ein Organigramm sicher gestellt, sondern durch Inhalte und pädagogisch saubere Konzepte. Jetzt, da die Verordnung in Kraft getreten ist, wird das ergänzt mit dem Argument:“ Das Gesetz sieht das vor, da müssen wir jetzt alle durch“, denn:“ wir haben keine Alternative“. Ja, so lässt sich faktisch Gesprächsverweigerung über Inhalte betreiben. Die Methode:
Bevölkerungsprognostik-Sparmassnahmen-Effizienzplanung auf der Ausgabenseite-Prüfung des Kosten günstigsten Modells-Erarbeitung einer Verordnung und voilà, da ist der alternativlose Weg, den wir jetzt gemeinsam gehen müssen.
Kein Zweifel, dass dieses Konzept, welches auf Grund von Sparvorgaben des Landes, einer ganz delikaten Personalsituation im Lehrkörper und dem hohen Sanierungsbedarf verschiedenster Schulanlagen entstanden ist, buchhalterisch auf den ersten Blick sinnvoll sein kann. Mit guter Schule hat dies jedoch noch sehr wenig und mit Bedürfnissen von Kindern der Altersgruppe 7-11 absolut nichts zu tun hat, im Gegenteil: Es steht im krassen Widerspruch zu dem, was man pädagogisch altersgerecht nennen würde. Und eigentlich müssten ja die Kinder – unsere Zukunft! - im Zentrum stehen, nicht wahr?

Schulschließungen und Verhindern von Wieder-Eröffnungen per Verordnung.

Geplant ist also die Ausdünnung des regionalen Grundschulangebotes, Konzentration auf Standorte in Grundzentren, um da auch die Sekundarschulen halten zu können. Wohl wird an Versammlungen angetönt, es sei ja auch möglich, dass sich Jahre später die Situation anders präsentiere und Schulstandorte wieder aktiviert werden könnten. Dem ist zu widersprechen, denn auch dagegen hat man in der Verordnung vorgesorgt:
(15) Neue Schulen können in die Schulentwicklungsplanung aufgenommen werden, wenn der Schulträger für sie mindestens fünf Jahre im Voraus folgende Zügigkeitsrichtwerte nachweist:
1. für Grundschulen Zügigkeitsrichtwert größer als 2,0,

Das heisst: Um eine Grundschule wieder zu eröffnen, müssen mindestens 160 Schüler ausgewiesen werden....
Damit ist auch gesagt, wohin der Trend für die nächste Schulentwicklungsplanung 2019-24 gehen wird. „Gute Grundschule“ sollte dann wohl zweizügig geführt sein, sprich mindestens 160 Schüler haben. Der Abbau geht also weiter. So schaut es aus!

„Abwicklung“ des ländlichen Raums

Das ist der einzige Schluss, den man aus dieser Verordnung ziehen kann. Gemeinden und Ortsteile werden es doppelt schwer haben, ihre Bevölkerung zu halten, Neuzuzügler zu kriegen. Somit geraten unweigerlich auch die KITAS in den Sog dieser Verordnung, denn sie werden dank Ausdünnung des Grundschulangebotes und mangels Zuzugs junger Familien unterbelegt sein. Diese Sparrunde steht uns also spätestens in 10 Jahren, wohl eher in 5 Jahren bevor.
So stellt sich die Frage, weshalb eigentlich weiterhin mit „familienfreundlichem“ Sachsen-Anhalt und anderen Image-Kampagnen für Neuzuzug geworben wird. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, Familien, welche im ländlichen Raume leben möchten, ließen sich in Mittel- oder Oberzentren zwingen. Nein: Sie werden ihren Wunsch- Lebensraum anderswo suchen, respektive gar nicht hierher ziehen. All diese Bemühungen verkommen nämlich zur Lachnummer, wenn man sich bewusst wird, was diese Verordnung bildungspolitisch für den ländlichen Bereich bedeutet.

„Ortsnahe Grundschulversorgung im ländlichen Bereich?“
„In Liquidation!.“

Willkommen im Land....

Stoppt Grundschulschließungen- Fördert Landschulen
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