Schulschließungen Sachsen-Anhalt: Wie kritisch darf/soll Journalismus sein?

Die vergangenen Wochen wurden wir medial zugeschüttet mit Meldungen bezüglich Schließungen von Grundschulen oder bevorstehenden Entscheiden zur Aufgabe von Schulstandorten. Einzeln werden sie veröffentlicht und das Klagelied der Betroffenen kennen wir inzwischen. Trotzdem, dieser Kahlschlag geht weiter.Daneben erschien dann letzte Woche in der MZ der Beitrag 59 Schulen werden saniert.
Nun stellt sich schon die Frage, ob es nicht auch zur Informationspflicht von Journalisten gehört, die Zusammenhänge zwischen dem Einen und dem Andern herzustellen, ähnlich wie man dies seinerzeit im Zusammenhang mit der Bauhausstudie im großen Stile gemacht hat. Davon ist beim viel brisanteren Thema Grundschulschließungen nichts zu sehen...

Mehr als 120 Schulen schließen- um 59 zu renovieren?

Worum geht es bei dieser tollen Meldung denn eigentlich genau? „Sachsen-Anhalt bringt seine Schulen mit Hilfe von EU-Geldern auf einen modernen Stand. In den Sommerferien beginnen die ersten Bauarbeiten. Insgesamt 59 Schulen und 46 Kindertagesstätten werden im Rahmen des Investitionsprogramms „Stark III“ saniert.“
Klartext: Das Land beschafft sich mit bis zu 70% EU-Unterstützung eine neue Grundschulinfrastruktur. Etwas was bisher sträflich vernachlässigt wurde und damit das alles nicht ausufert, wird kurzerhand eine Verordnung auf den Weg gebracht, welche die Mindestschülerzahlen von Grundschulen von 40 Kindern im Jahre 2012 auf 80 Kinder 2017 verdoppelt. Man beachte dabei die offizielle Publikation Ende Mai 2013 und die kurzfristig angesetzten Umsetzungsfristen für die Landkreise und Schulstandorte.....
Nicht die Dörfer haben zu wenige Schüler, sondern die Schulen wurden derart aufgeblasen, dass sie nun nicht mehr in die Dörfer passen! DAS ist das Problem!

Der grosse Trugschluss

Es ist erschütternd, dem Kultusminister bei seiner Rede vom 12.07.2013 vor dem Landtag zuzuhören , mit welcher er Verordnung und grössere Grundschuleinheiten begründet. In der europäischen Bildungslandschaft steht er mit dieser Meinung ziemlich alleine da und wer nur schon über die Landesgrenze hinausschaut, sieht, dass benachbarte Bundesländer völlig andere Wege gehen: „Unter Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber wurden in Bayern ländliche Grundschulen reihenweise geschlossen. Mittlerweile hat sich der Trend umgekehrt: Kleinstschulen mit bis zu 26 Schülern in Klasse eins bis vier bleiben erhalten. Eine Herausforderung für die Lehrer, Gemeinden und Schulämter. „ Quelle
Wie kommt es, dass darüber in Sachsen-Anhalt überhaupt nicht diskutiert wird, auch nicht von den Medien?

Alternativen für die Grundschulen im ländlichen Bereich

Angesichts des bescheidenen und ausschliesslich von finanziellen Überlegungen geprägten Argumentariums (denn das was pädagogisch vorgebracht wird, ist widerlegt) muss in dem Falle dieser verlinkte Film eine fundamentale Bedrohung für die Pläne und das „alternativlose“ Szenario unserer Landesregierung sein. Alternativlos heisst in diesem Falle: Man hat sich gar nicht um Alternativen bemüht, ansonsten man schon längst auf diese Lösungen hätte kommen müssen.
Was in anderen ländlichen Gebieten schulische Normalität ist, wird bei uns in der gesamten Duskussion ausgespart, auch in den Medien...

Keine einzige Grundschule Sachsen-Anhalts muss geschlossen werden-und trotzdem Geld sparen.

Voraussetzung?
Abkehr von der Doktrin des Jahrgangsklassenunterrichts, also Zulassung von jahrgangsgemischtem Lernen. (1./2 Klasse, 3./4 Klasse oder 1.-4 Klasse)
Aufhebung der Mindestschülerzahlen

Die Tatsache, dass bisher weder in den Medien noch im Landtag massiv und sachlich über diese Schulverordnung und die Folgen debattiert wird, DAS ist der eigentliche Skandal! Denn: Es handelt sich bei dieser Maßnahme nicht einfach um eine schulorganisatorische Angelegenheit. Hier geht es um nicht mehr und nicht weniger, als um die kulturelle und soziale Zukunft des ländlichen Bereiches von Sachsen-Anhalt.

Engagiert zum Thema. Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort!
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