MIFA : Heute Stunde der Wahrheit?

Sangerhausen/ Heute findet in Sangerhausen eine Betriebsversammlung für die Belegschaft der MIFA statt. Neben dem Konkursverwalter haben sich Ministerpräsident Haseloff, Finanzminister Schröder, Wirtschaftsminister Willingmann und der letzte Besitzer Heinrich von Nathusius angekündigt. Kann man diese versammelte Prominenz als Lichtblick, als Hoffnungsschimmer für die Zukunft der MIFA deuten? Werden positive Entscheide in Richtung Zukunft kommuniziert?

Gleichzeitig haben Belegschaft, Gewerkschaften und Bürgerinitiativen zu Demonstrationen für den Erhalt der Arbeitsplätze bei der MIFA aufgerufen. Das alles zeigt, dass dieser Produktionsstandort für unsere Region durchaus von Bedeutung war, viel Geschichte damit verbunden ist. So wünscht man sich für alle Beteiligten und die Region, dass ein "es geht weiter" sichtbar wird. Es kann aber kein "weiter wie bisher sein", das wäre Selbsttäuschung und erneut ein Spiel auf dem Buckel der Angestellten. Auch das ist eine Wahrheit. Zweifelt jemand daran?

Das ursprüngliche Konzept ist offensichtlich gescheitert

Bereits unter der Führung von Peter Wicht hat sich gezeigt, dass das Konzept Massenproduktion zu Tiefpreisen hochriskant war und in der Realität gescheitert ist. Davon zeugten die übervollen Lager zu Zeiten des Konkurses 2014. Man hatte auf Halde produziert.

Jetzt, 2016, hört man, dass die Bestellungen deutlich unter dem angestrebten Wert von 400 000 Fahrrädern lagen und die Firma damit erneut tief in den roten Zahlen steckt. Ob sich das alleine durch eine neue Produktionshalle ändern wird? Ist der Kampf gegen Fernost-Billigräder tatsächlich ein erstrebenswertes Ziel?

Die Belegschaft im Zentrum

Es geht um 500 Arbeitsplätze. Wer sagt, diese würden erhalten bleiben, streut erneut Nebelbomben und blendet 10 Jahre Mifa-Geschichte aus, welche genau das Gegenteil belegen. Es geht nicht. Also reinen Wein einschenken, was durch den Konkursverwalter bereits angetönt wird. Es wird nicht ohne Arbeitsplatzabbau gehen.

Besteht nicht der unschätzbare Wert einer treuen Belegschaft darin, dass diese über Praxiserfahrung verfügt? In der Produktion, im Verkauf, in der Margenberechnung, im Vertriebsnetz? Müssen nicht deren Erfahrung gerade in einer so heiklen Situation auf der Suche nach Lösungen voll miteinbezogen werden?

Die Forderung: Alle Arbeitsplätze erhalten, es muss weitergehen wie bisher, ist keine solche Lösung. Also neue Konzepte, in welchen die Belegschaft und die Öffentlichkeit von Anfang an mitgenommen und eingebunden werden?

Ist Schrumpfung tabu?

Dies wird nicht gerne gehört, arbeiteten doch zu Spitzenzeiten 1400 Menschen in der MIFA. Die Zeiten haben sich jedoch geändert, der Handel ebenso. Die Fragen von heute sind doch:
- Gibt es Produktionsbereiche in der MIFA, welche sich selbst tragen? Zum Beispiel die gehobenere Marke Steppenwolf, oder die Pedelecs.
- Reicht der Ertrag dieser mittel- und hochpreisigen Produkte, um auch deren Produktion (mit wieviel Personal?) sicher zu stellen?
- Lässt sich damit eine Zukunft planen?
- Und wenn schon Masse: Wie hoch ist der Anteil des deutschen Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) am bisherigen Umsatz der MIFA? Der ZIV lässt ja Eigenmarken in Fernost in riesiger Stückzahl produzieren, welche dann im Einzelhandel als Markenfahrräder verkauft werden. Kann dies ein Ertragspfeiler sein, oder steht man auf Grund enger Margen bereits wieder mit einem Bein im Grab?

Das sind alles Fragen, welche entscheidend für die Zukunft der MIFA sind. Ob diesbezüglich heute erste Weichen gestellt werden?

2014 haben Politik und Konkursverwalter unter großem Zeitdruck einen Eigner nach dem Motto "weiter wie bisher, aber besser", gefunden. 2 Jahre später steckt die MIFA wieder in denselben Schwierigkeiten.

Heute ist die Aufgabe also delikater. Ein offensichtlich problematisches Konzept sollte man nicht beliebig - und unter Einschuss von Millionen von Steuergeldern - wiederholen. Es ist auch nicht fair gegenüber den Angestellten. Sie bezahlen dabei den höchsten Preis.

Heute abend wissen wir mehr.
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