200 Jahre Grimms Märchen

Grimms Märchen ist der volkstümliche Name eines wichtigen literarischen Erbes unseres Landes. Wissenschaftlich registriert als Kinder- und Hausmärchen, abgekürzt KHM. Gesammelt wurden die Märchen von Wilhelm und Jacob Grimm. Gemeinsam gaben sie die Bücher in den Jahren 1812 bis 1815 heraus.
Die Handexemplare der Gebrüder Grimm sind 2005 in das Weltdokumentenerbe aufgenommen worden.
Die Märchen sind neben der Lutherbibel das am meisten verbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte. Sie sind damit auch die erste systematische Zusammenfassung von europäischen Märchen.
Das Weltregister Memory of the World wurde 1997 eingerichtet und umfaßt heute 299 Dokumente.
Die in die Welterbe aufgenommenen Stücke befinden sich in Kassel.

Das solch ein immaterielles Erbe durch Niederschrift erhalten werden sollte war eigentlich die Idee von Clemens Brentano und Achim von Arnim Sie hatten um 1803 begonnen historische Texte zu sammeln. Bis dato wurden sie nur mündlich weitergegeben. Diese Texte sind unter dem Titel „des Knaben Wunderhorn“ herausgegeben worden.
Auch die Grimms hatten einige Texte beigesteuert. So soll der Gedanke entstanden sein, Märchen zu sammeln. Und da gab es einen reichen Schatz an Berichten, die in den Familien, in Dörfern und Gegenden wohl von Generation zu Generation weiter erzählt wurden.

In Hessen fanden sich viele Menschen, die gern Beiträge leisteten, besonders bekannt wurde so Dorothea Viehmann. Eine gebildete Frau mit hugenottischen Wurzel und eine wunderbare Erzählerin. Sie kannte sich gut aus mit hessischen Erzählungen, aber durch die Herkunft ihrer Familie aus Frankreich, war ihr auch die französische Märchenwelt nicht unbekannt.

In die Reihe der Erzählerinnen und Erzähler finden sich auch
die sechs Töchter des Apothekers Wild. Sie brachten z. B italienische, räteromanische und süddeutsche Elemente ein. Auch ein Dragonerwachtmeister Krause ist Berichterstatter. Bei ihm sollen allerdings Frauen immer nur als alte Weiber oder Hexen auftreten. Schöne Jungfrauen und bezaubernde Prinzessinen waren das Metier der Schwestern Hasenpflug.

Fünfzig Märchen weist die Erstausgabe aus. Diese erschien kurz vor Weihnachten 1812, war aber kein Renner, würden wir heute sagen, für den weihnachtlichen Gabentisch und schon gar nicht für Kinder.
Die Grimms sagten dazu:
"Was die Weise betrifft, in der wir hier gesammelt haben, so ist es uns zuerst auf Treue und Wahrheit angekommen. Wir haben nämlich aus eigenen Mitteln nichts hinzugesetzt, keinen Umstand und Zug der Sage selbst verschönert, sondern ihren Inhalt so wiedergegeben, wie wir ihn empfangen haben; das der Ausdruck und die Ausführung des einzelnen großenteils von uns herrührt, versteht sich von selbst, doch haben wir jede Eigentümlichkeit, die wir bemerkten, zu erhalten gesucht."

Jacob Grimm soll keineswegs gestört haben, dass die Erstausgabe kein Bestseller wurde, er sah sein Ziel näher, nämlich wissenschaftlich diese Erzählungen aufzuarbeiten und eben zwischen Buchdeckel zu bringen.
Die Bürger aber störten sich an den manchmal grausigen Details. Noch schlechter verkaufte sich die 2. Ausgabe im Jahre 1815. Wilhelm überarbeitete die Märchen und machte sie „kindgerechter“ und romantischer. Er wollte sich damit den bürgerlichen Wertvorstellungen anpassen.
Mit der Ausgabe 1819 wurde das Buch zum Bestseller.
1825 erschien eine kleine Ausgabe mit Illustrationen von Ludwig Emil Grimm der jüngere Bruder der beiden Herausgeber.

Etwa 40 Prozent der Märchen beginnen mit „Es war einmal“, einige mit „In alten Zeiten wo das Wünschen noch geholfen hat“....
Viele der bekanntesten heißen einfach nach der Hauptfigur, man denke an Rotkäppchen, Dornröschen, Schneewitchen, Aschenputtel und Frau Holle.

Ein moralischer Aspekt ist fast immer zu finden.
So im Märchen „Der Fischer und sine Fru“ in Platt geschrieben. Die gierige Frau will immer mehr und am Ende hat sie nichts und ihr armer Mann steht auch bedeppert da. Also liebe Leute bleibt schön bescheiden, Ich habe denEindruck manche Politiker wollen das heute auch so, so nach dem Motto euch geht´´s gut,was wollt ihr noch.

Böse Mütter sollten es möglichst auch nicht geben, so hat sneewittchen
(so nannten die Gebrüder Grimm das Märchen) eine böse Stiefmutter, die ihr die Schönheit neidet.
Dorröschen muß 100 Jahre schlafen weil eine böse Fee ihr eigentlich den Tot wünscht aber eine gute Fee wandelt den Fluch in einen langen Schlaf um.
Rotkäppchen bringt der Großmutter Essen und Wein und der böse Wolf lockt sie in den Wald, will sie fressen ( ich frage mich , rührt daher die Urangst der Menschen vorm Wolf her und viele sind heute eben skeptisch, das wieder Wölfe bei uns sich ansiedeln).Der Gute Jäger befreit aus dem Bauch des Untiers, die alte Dame und die Enkelin. Gottseidank waren sie noch nicht verdaut. Ich habe mich schon als Kind gefragt, wie kann so ein relativ kleines Tier gleich zwei Menschen verschlucken und auch noch ohne zu zerbeißen.
Aber hier haben die Märchen von vor 200 Jahren schon die heutige Pflegesituation vorweg genommen, Altes Muttchen liegt im Bett, Essen kommt auf Rädern.

Wir haben erkannt, dass die Grimms also hauptsächlich Märchen aus dem Mitteleuropäischen Raum gesammelt haben. Aber natürlich gibt es sie in allen Kulturkreisen. Sie sind nicht nur Kindererzählungen, nein sie haben Bedeutung im kulturrellen Leben des Volkes. Es gibt sie solange es vernunfbegabte Menschen gibt. Man erzählte sich Geschichte von guten und bösen, und das Gute sollte siegen, es sollte eben auch Hoffnung geben, ohne die man ja verzweifeln würde.
So kann man auch erklären, das in vielen Regionen der Welt Parallelen zu den Geschnissen zu finden sind.
Ich habe in meiner Bibliothek eine Edition zu „Märchen aus aller Welt“ Da gibt es georgische, russische, tschechische, arabische japanische chinesische und sogar tuwinische Märchen. Die tuwinische Republik ist ein autonomer Teil Rußlands im Süden Sibirien ( russisch respublika Tüiwa)im Altai-Sajan Gebiet.
In allen diesen Märchen kann man die Seele des jeweiligen Volkes erkennen.
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2 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 09.10.2014 | 14:25   Melden
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 09.10.2014 | 18:01   Melden
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