Abiturausbildung in der DDR

das Stephaneum eine uralte Postkarte ca 1900
Aschersleben: Schule | Man kennt doch den Spruch von Gorbatschow 1989 "wer zu spät kommt, betraft das Leben". Ja und wie ist es, wenn man zu früh kommt?
So könnte man überlegen, wenn man die Möglichkeiten der heutigen Kinder und Jugendlichen betrachtet. Also neben dem Lernen gibt es heute Möglichkeiten, die uns des Jahrgangs 1946/47 verschlossen waren, wer konnte damals die weite Welt kennenlernen oder von einem Studium im Ausland träumen? Trotzdem haben wir auch eine schöne Schulzeit gehabt, wir kannten es ja nicht anders.
Unser Jahrgang war 1959 der erste, wir kamen damals in die 7.Klasse der POS (Polytechnische Oberschule), der den Unterrichtstag in der Produktion einmal in der Woche hatte. Unsere Klasse ging also mittwochs in die WEMA und lernte kleinere Metallgegenstände herzústellen. Die WEMA (Werkzeugmaschinenfabrik Aschersleben) hatte damals in der Heinrichstraße ( heute Einkaufsmarkt schwarzer Netto) eine Lehrwerkstatt. Wir erhielten theoretische als auch praktische Ausbildung. So wurde gefeilt, Blech gebogen, ein Rundeisen auf Länge gesägt,angeschliffen und dann gehärtet und angelassen. Ohne diese Zeit im UTP (Unterrichtstag in der Produktion) hätte ich niemals gewußt, wie man so etwas herstellt und was z.B. Anlassen ist. Es wurde in der Zeit ein Körner produziert, deshalb also das Härten. Und noch heute habe ich ein Blechkästchen (Stapelkästchen) von uns hergestellt vor mehr als 50 Jahren in der WEMA. quasi als Gesellenstück.
Unsere Tochter hatte später im VEB Baumaschinen produktive Arbeit, wie es dann zu ihrer Zeit genannt wurde.
1961 kam ich in die EOS (Erweiterte Oberschule) Thomas Müntzer in Aschersleben, mit dem Ziel das Abitur zu erwerben ( wurde damals Reifeprüfung genannt).
Und unser Jahrgang war ab 1962 wieder der erste, der Neues kennenlernen mußte oder durfte, wie man es sehen will.
Also in der 10.Klasse (1962) teilte man uns mit, jetzt bekommt ihr eine Berufsausbildung. Nun es gab ja schon länger die Berufsausbildung mit Abitur, aber Abitur mit BA. Also man steckte uns in 3 verschiedene Betriebe, wer also irgendwie z.B.Tierarzt als Berufsziel hatte oder Biologie studieren wollte, kam in die Landwirtschaft (VEG Aschersleben), Bauingenieure in den Baubetrieb (VEG Bau) und alle anderen in einen Metallbetrieb (VEB Förderausrüstungen).
Mit dem Abitur bekamen wir 1965 auch ein Facharbeiterzeugnis. Dafür hatten wir zunächst jeden Montag, später dann eine Woche im Monat den Unterricht im jeweiligen Betrieb. Es gab aber auch da den Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Man kann heute mit Recht sagen, es war gewiss eine vollständige Ausbildung für den jeweiligen Beruf. Die Schüler nach uns haben schließlich vierJahre lernen müssen. Dennoch gab es diese Ausbildung nur bis 1967.
Was hat uns das Ganze gegeben?
Im Normalfall geht man nach dem Abitur gleich zu einem Studium z.B an eine Universität oder Hochschule und lernt später die Praxis kennen. Wir aber haben eine Lehre absolviert. Auch wenn der Lehrberuf nicht in jedem Falle die Grundlage
für die spätere Tätigkeit war, konnten wir Erlerntes im späteren Berufsleben gut nutzen.
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10 Kommentare
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Walter Helbling aus Arnstein | 27.02.2013 | 10:14   Melden
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Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 27.02.2013 | 10:20   Melden
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Brunhilde Wielsch aus Seegebiet Mansfelder Land | 27.02.2013 | 11:50   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 27.02.2013 | 19:13   Melden
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Brunhilde Wielsch aus Seegebiet Mansfelder Land | 27.02.2013 | 21:29   Melden
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Kathleen Kröger aus Halle (Saale) | 01.03.2013 | 13:39   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 10.03.2013 | 18:47   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 20.09.2014 | 12:25   Melden
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 20.09.2014 | 13:01   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 20.09.2014 | 17:57   Melden
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