Bekannte Unbekannte Aschersleber Bürger - Fritz Falke

Aschersleben: Cafe Falke | Das Cafe Falke am Burgplatz in Aschersleben ist vielen älteren Bürgern gewiss noch in Erinnerung.
Später befand sich in diesem Haus die Gaststätte „Klub Adam Olearius“ des Kulturbundes.

Das Cafe war bekannt in unserer Stadt für die kleinen bunten Törtchen und den Kaffee, der nach Zichorie geschmeckt haben soll. Auch gab es da ein Billardraum in einem Anbau an der linken Hausseite.
Als Kind schickte man mich manchmal sonntags diese Törtchen für den nachmittäglichen Kaffeeklatsch zu holen.
Frau Falke verkaufte auch über die Straße, wie man damals sagte.

Als ich 1953 in die Schule kam (Burgschule gegenüber dem Cafe) war einer meiner Mitschüler der Enkel der Cafehaus-Besitzer.
Einige Jahre später, aber noch vor 1961 kamen plötzlich einige Schüler nicht mehr zum Unterricht. Sie waren mit ihren Eltern in den Westen gegangen, wie man damals sagte.
Mein Mitschüler Peter war auch plötzlich weg. Auch abgehauen, so dachte ich bis zum Jahr 1990 und dann erfuhr ich über den Onkel wo er geblieben war.
"Mein Neffe der ist doch nur bis Hettstedt gezogen, hat dann dort das Abitur abgelegt und Chemie studiert, arbeitet immer noch in einem großen Chemiebetrieb als promovierter Chemiker" erfuhr ich.

Das alles ist die Vorgeschichte.

Der Onkel, der mich sozusagen aufklärte ist aber nun tatsächlich bereits 1955 in die Bundesrepublik gegangen.
Geboren 1922 in Aschersleben muss er 1941 in Hitlers Krieg ziehen, wird verwundet und gerät bis 1945 in amerikanische Gefangenschaft.
Nach seiner Entlassung will er in seine Heimat, aber die liegt im Osten. Im Mai 1946 geht er über die grüne Grenze im Harz, landet in einem Internierungslager und für einige Monate im KZ Sachsenhausen und schließlich in Moskau. !949 wird er in die Heimat entlassen und beendet sein Studium als Bauingenieur. Bis 1955 arbeitet er in der DDR als Architekt, immer in der Hoffnung auf Wiedervereinigung Deutschlands.
Im Westen arbeitet er zuerst in der Bauindustrie und gründet 1962 sein eigenes Ingenieurbüro.
Die Schriftstellerei ist sein Hobby.

1990 lernte ich Herrn Falke bei einem Treffen kennen. Er schenkte mir sein eben erschienenes Buch mit dem Titel „Cleramon – eine fast wahre Geschichte“
Es geht in diesem Stück um die Synthese eines neuen Waschmittels mit Namen Clearil, Dieses Mittel gibt auch den Grundstoff für ein Narkosemittel, das auch aufgrund seiner rasanten Wirkung als Waffe eingesetzt werden kann.
Diese Geschichte ist spannend geschrieben und regt auch zum Nachdenken an.

Fritz Falke hatte seine Heimat nicht vergessen und freute sich, das sein großer Wunsch nach Wiedervereinigung so greifbar nah war, im Frühsommer 1990.

Ein Gedicht, das er bereits 1987 schrieb, überreichte er mir ebenfalls. Damals sehr aktuell und vielleicht heute wieder.

Fritz Falke ist inzwischen verstorben.
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 22.05.2016 | 22:37   Melden
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