BRESLAU - Kulturhauptstadt 2016

Kutschfahrten durch die Innenstadt....
 
Geschichtsträchtige Denkmal-Gruppe
Wrocław (Polen): Marktplatz | Ab dem 1.Januar ist Breslau (Wroclaw) neben San Sebastian in Spanien , eine der beiden Kulturhauptstädte Europas 2016. Diese Stadt steht nun für:
" Toleranz und Frieden, für die Werte von Respekt, Solidarität und Freiheit".

Der Bürgermeister der Stadt betonte im Vorfeld dieses bedeutenden Ereignisses:

"Breslau ist die Quintessenz von Multikulturalität",

denn die Geschichte dieser im Krieg völlig zerstörten Stadt wurde in den vergangenen Jahrhunderten sowohl von Polen, als auch Deutschen, Tschechen, Katholiken, Protestanten und Juden stark geprägt.
Da die nationalkonservative polnische Regierung wegen mehrerer umstrittener Gesetzesreformen derzeitig international stark in der Kritik steht, hat die EU-Kommission jedoch ein Prüfverfahren hinsichtlich der Wahrung der Demokratie und dieser zitierten Werte eingeleitet.

Nach der EU-Erweiterung in den Jahren 2004 u. 2007 wurde eine Neureglung bei der Benennung der "Kulturhauptstadt Europas" eingeführt. Ab 2009 werden nun 2 Städte dafür ausgewählt , eine aus den alten Mitgliedsstaaten und eine aus den neuen, um diese EU-Mitglieder möglichst schnell in diese Aktion einbinden zu können.
Da meine familiären Wurzeln in Schlesien liegen, freut es mich natürlich ganz besonders, daß in diesem Jahr nun der wunderschönen Stadt Breslau diese Ehre zu Teil wurde...
Nach Angaben des polnischen Festivalleiters Krzysztof Maj sind über das Jahr verteilt 1000 Veranstaltungen geplant.
Mit Musik, Tanz, Theater und Kunst konnten die Breslauer und ihre Gäste schon am vergangenen Freitag den Start in das Kulturjahr feiern...Viele Plätze in der Stadt wurden zu Festivalbühnen umfunktioniert, an denen die Zuschauern an einem vielseitigen Kulturangebot teilhaben konnten.

Da wir, meine Frau und ich, das Vergnügen hatten, 2014 eine Reise nach Krakau, mit einem 2-tägigen Zwischenstopp in Breslau unternehmen zu können, hatten wir auch die Möglichkeit, diese Stadt mit einer Fremdenführerin etwas kennenzulernen. Was wir dabei sahen hat uns sehr beeindruckt, weil wir es einfach so nie erwartet hätten....
Noch heute schwärme ich von dieser Stadt und frage mich, wie haben die Polen das nur geschafft, nachdem diese Stadt im Krieg vollkommen in Schutt und Asche gelegt wurde...und gleichzeitig, wie würde es wohl bei uns in der ehemaligen DDR jetzt aussehen, wäre die Wiedervereinigung Deutschlands ausgeblieben...??? Ich kann da nur sagen " Hut ab" vor allem, was da wieder an der Historie ausgerichtet entstanden ist.
Besonders beeindruckt hat uns z.B. der Markt mit seinem alten Rathaus und den vielen Bürgerhäusern ringsherum, der in voller Pracht voriger Jahrhunderte wieder neu entstanden ist...

Der Dom, "ein unbedingtes Muß" für jeden interessierten Gast dieser Stadt. Ich habe bewußt das Foto von 1945 im Vergleich zum jetzigen Zustand dieses Kirchengebäudes ausgewählt, damit auch jüngeren Lesern nochmal deutlich wird, was aus Ruinen in Polen, aber auch in unserem Lande, wieder neu entstanden ist...Über die mit Tausenden von Schlössern als Liebesbeweise behängte Dombrücke ( Most Tumski) gelangt man auf die Dom-Insel.
Dabei kommt man nicht ohne zu Verweilen an dem Denkmal für Boleslaw Kominek, den voller Respekt genannten:

" vergessenen Vater der europäischen Integration "

vorbei....Man will mit dieser Statue an den aus Schlesien stammenden Kardinal und Verfasser des Hirtenbriefes der polnischen Bischöfe (1965) an ihre deutschen Amtsbrüder erinnern.

" WIR VERGEBEN UND BITTEN UM VERGEBUNG "

lautete eine Zeile darin, von der gesagt wird, damit fing die deutsch-polnische Versöhnung an...!!!

Noch ein paar Sehenswürdigkeiten, die jedem Besucher sofort ins Auge fallen, sind die vielen Zwerge aus Bronze mit ihren Zipfelmützen in der ganzen Innenstadt verteilt...
Es sind aber keine "beflissenen Hausgeister" wie in Köln und auch kein PR-Gag, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern sie haben einen politisch-historischen Hintergrund.
Während der kommunistischen Diktatur in den 80-er Jahren waren sie ein Symbol einer kreativen Bürgerrechtsbewegung, der "Orangen Alternative", welche die Staatsmacht immer wieder mit Sprüchen wie:

"Für Freiheit und Zwerge !"

oder "Zwergen-Graffitis" provozierte. Heute wissen und gedenken deshalb auch schon Kinder , also nicht nur ehemalige Oppositionelle dieser Zeit in der schlesischen Metropole.

Am Rande des historischen Marktplatzes, von dem ich nicht genug schwärmen kann, hat ein bekannter, 2011 verstorbener Künstler der Stadt an der Fassade seines sog. "Hexenhäuschens" ein Kunstwerk,

>JESUS neben dem KRUZIFIX angebracht,
dazu ein paar Nägel und einen Hammer. <

Darunter seht von ihm geschrieben:

" Do it yourself" !!!

Für das katholische Breslau natürlich eine echte Provokation , die man aber erfreulicherweise toleriert und somit ein Zeichen für das heutige Breslau gesetzt hat....

Mit diesem, meinem Beitrag hoffe ich sehr, Interesse für diese Stadt geweckt zu haben..., was mein eigentliches Anliegen als gebürtiger Schlesier war.

Allen Hobbyfotografen sei gesagt, Fotomotive findet ihr mehr als genug...Tausende !!!
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9 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 18.01.2016 | 05:51   Melden
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 18.01.2016 | 07:03   Melden
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Waltraud Eilers aus Naumburg (Saale) | 18.01.2016 | 08:58   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 18.01.2016 | 10:43   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 18.01.2016 | 15:15   Melden
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Siegfried Behrens aus Halberstadt | 18.01.2016 | 16:04   Melden
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Dieter Gantz aus Querfurt | 23.01.2016 | 15:03   Melden
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Willgard Krause aus Wittenberg | 01.02.2016 | 08:15   Melden
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