Der 13.August vor 55 Jahren - meine Erinnerung

Berlin: Mauer | Heute vor 55 Jahren wurde der Mauerbau begonnen. Das Bollwerk stand 28 Jahre und schien unverrückbar. Nun können wir uns freuen, dass es den 9.November 89 gab und der sogenannte "antifaschistische Schutzwall" Geschichte wurde.

Im August 1961 verbrachte ich meine Sommerferien in Mecklenburg. Da kam die Nachricht, Berlin wird abgeriegelt, Steine werden aufgeschichtet und Stacheldraht gezogen. So als Teenager macht man sich nicht so viel Gedanken, was das wohl für die Zukunft bedeutet.

Für meine Verwandten, Tante und Onkel kam es schlimm. Das Dorf lag im Osten im Grenzgebiet, unweit von Ratzeburg im Westen unseres Heimatlandes.
Im Oktober des 1961, die Familie kam von der Weide so gegen 9 Uhr, die Kühe waren gemolken und versorgt. Vor dem Haus stand ein Traktor mit 2 Hängern. Man bedeutete der Familie, bis 17 Uhr müssen sie den Ort verlassen haben. Ohne Diskussion.

Man stelle sich vor, ein Mecklenburger Bauernhaus seit Generationen in Familienbesitz muss binnen weniger Stunden verlassen werden. Was haben die Generationen nicht alles angeschafft, in der Wohnung, im Haushalt, landwirtschaftliche Geräte. Ich mag gar nicht alles aufzählen, nur so viel, es war eines der größten und schönsten Häuser im Ort. Seit 1960 war der Onkel schon LPG-Mitglied und nicht mehr selbständig. Aber man hatte doch noch einige Tiere, den großen Garten und betrieb eine Meierei, d.h. viele Lebensmittel wurden selbst produziert.

Und warum sollte die Familie das Dorf verlassen? Das ist nie richtig geklärt worden.
Vielleicht weil meine Tante aus der Nähe von Ratzeburg (Holstein) stammte und es da noch viele Verwandte gab oder well mein Onkel einer Reiterstaffel vor 1945 angehörte und die Beiden somit nicht als zuverlässige DDR-Bürger galten.

Die beiden verfrachtete man in ein Dorf weiter östlich. Dort lebten sie einige Jahre in einem Haus, es gehörte der LPG. Das Haus mehr eine Kate. Die hiesige LPG wirtschaftete auf kargen, steinigen Boden und konnte kaum zahlen, so lebte man als ehemals stolze Bauern wie die Bettler. Meine Tante war froh, das sie damals schon einen Trabant besaßen und die Tochter und ihre Familie treffen konnten. Diese Treffen fanden dann meist in einem Ort statt, der näher an alten Gemeinde lag, denn man musste arbeiten, freie Zeit war knapp und so traf man sich eben auf halber Strecke in einer Gaststätte oder ähnlich.
Einige Jahre später konnten sie näher an ihre alte Heimat ziehen, so war der Weg für die Kinder ihre Eltern zu besuchen nicht so weit. Meine Kusine war 1961 schon verheiratet und durfte mit ihrem Mann im alten Dorf bleiben.

Meine Tante hat diese Sache nie überwunden und starb schon im Alter von 59 Jahren.

Und der Onkel durfte in sein Heimatdorf zurück, aber nicht in sein Haus. Er war krank und pflegebedürftig geworden und so betreute seine Tochter den alten Herrn. Hätte in der fremden Gemeinde sich jemand kümmern können, wäre die Rückkehr wahrscheinlich nicht genehmigt worden.
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Facebook | Erschienen am 13.08.2016
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Ralf Springer aus Aschersleben | 13.08.2016 | 14:38   Melden
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 13.08.2016 | 16:08   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 14.08.2016 | 20:56   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 15.08.2016 | 20:16   Melden
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