Die Geschichte "Julian und der Fisch"

Julian und der Fisch



Es war einmal in einem kleinen Dorf, da lebte ein Junge, mit dem schönen Namen Julian. Er war immer sehr fröhlich und aufgeweckt. Mit seinen Eltern und drei weiteren Geschwistern, wohnte er an einem kleinen, aber sehr schönen, Wäldchen. Mitten in diesem sprudelte eine eisenhaltige aber sehr gesunde Quelle, die sich als ruhiges Bächlein ihren Weg durch das Wäldchen suchte. In diesem Haus gab es aber kein fließendes Wasser, so musste der Junge jeden Tag frisches Quellwasser holen und das war richtig beschwerlich für ihn, auch wenn er der älteste von den Geschwistern war. Denn eine sechs köpfige Familie braucht sehr viel Wasser. So ging er jeden Tag mit zwei großen Eimern zur Quelle.
Der kleine Junge spielte sehr gerne an diesem kleinen Bach, denn darin war richtig viel los. Dort gab es vielen Frösche, mit ihrem lustigen Quarkkonzert, dann waren da die kleinen Fische, die man Stichlinge nennt. Diese versuchten Regenwürmer ganz zu schlucken. Es reichte aus, einen Wurm ins Wasser zu halten und fast immer war nach kurzer Zeit ein Fischlein dran, dass man ihn mit den Wurm aus dem Wasser ziehen konnte. Nicht zuletzt waren da noch die Kaulquappen (Froschjunge) die zu hunderten oder noch mehr im Bach schwammen. An diesen so lebendigen Bach, geschah es eines Tages, dass der Junge ganz verträumt ins Wasser schaute. Plötzlich entdeckte er ein kleines, schwarzes Fischlein, dass an der Wasseroberfläche schwamm und zu ihm sprach: „Ich kenne dich, du bist doch der kleine Julian, ich hab dich schon so oft hier spielen sehen. Einmal, erinnerst du dich noch, war ich so gierig auf Regenwurm und du hast mich aus dem Wasser gezogen. Ich weiß nicht, warum du mich wieder in den Bach zurück gesetzt hast? Dafür bin ich dir sehr dankbar. Julian aber fragte, warum bist du denn so schwarz und nicht so schön glänzend wie alle anderen Fische? Ach, sprach das Fischlein, auch unter uns Fischen gibt es so etwas wie Eifersucht oder auch Neid. So geschah es das es eine falsche Freundin gab, die es nicht ertragen konnte das auch ich schön und ansehnlich war. In ihrer Falschheit hat sie versucht, mich bei jedem in ein schlechtes Licht zu stellen. Es gelang ihr aber nicht. Bis sie eines Tages mit dem bösen Wassergeist eine Abmachung traf: „Wenn du diesen Fisch schwarz machst, werde ich alles tun was du möchtest.“ Und so geschah es, dass ich schwarz und hässlich wurde. Kannst du mir nicht helfen Julian? Der kleine Junge überlegte lange, doch dann lächelte er und sagte: „Ich kenne da eine Märchenfee, die hat schon so viel Gutes getan, vielleicht kann sie dir helfen!“
Gleich am nächsten Morgen, es war noch sehr früh, ging Julian in den Wald, um die Märchenfee zu suchen. Er wollte unbedingt dem kleinen, traurigen Fisch helfen.
Er war schon sehr lange unterwegs, als er endlich die Türme eines Schlosses entdeckte. Das musste es sein, dachte er und lief noch schneller, den staubigen Waldweg entlang. Endlich, er stand vor eine Tür, die mit vielen bunten Blumen geschmückt war. Er zog an eine Glocke und eine Melodie erklang. Kling Klong, Klink Klong. Die Tür öffnete sich und eine liebliche, freundliche Fee stand Julian gegenüber.
Sie bat ihn herein und hörte sich die Geschichte an. Voller Entsetzen und fast zornig werdend sagte sie: Ich werde dir und den kleinen Fisch helfen.“ Die Fee schaute nach oben zum Himmel und sprach drei geheime Zauberworte. Julian war sehr aufgeregt. Die Fee hielt ihre Hände nach vorn und plötzlich wurde es ganz hell. Ein goldener Ring fiel vom Himmel, direkt in die geöffneten Hände der Fee.
Dann gab sie Julian den Ring mit den Worten: „Geh um Mitternacht mit diesem Ring zum Bach. Warte bis es 12 Uhr schlägt. Dann rufe dein Fischlein und lass es drei Mal durch den Ring schwimmen. Dann wird der Zauber in Erfüllung gehen und dein Fischlein wieder glücklich werde. Es wird Alles so kommen wie es sein soll und die Gerechtigkeit soll wieder Einzug halten in euer Land, sprach sie.
Julian bedankte sich höflich bei der Märchenfee, nahm den goldenen Ring und lief schnell nach Hause. Er konnte es gar nicht abwarten bis es Mitternacht wurde. Aber dann war es, soweit kurz vor Mitternacht ging Julian durch das dunkle Wäldchen zum Bach. Es war so finster das er stolperte und fast den Ring verloren hätte, aber er kannte ja auch die Glühwürmchen die er rief und um Hilfe bat. Sie kamen gleich zu Hunderten und leuchteten so hell das selbst die Sterne am Himmel dagegen blass erschienen. Dann erreichte Julian den Bach und rief nach dem kleinen, schwarzen Fisch. Er erzählte ihm schnell was ihm die Märchenfee sagte, dass er pünktlich um Mitternacht dreimal durch den goldenen Ring schwimmen soll.
Nun war es soweit, die Uhr vom nahem Kirchturm fing an zwölf Mal zuschlagen. Beim zweiten Schlag war das kleine Fischlein schon das erste Mal durch den Ring geschwommen. Julian glaubte seinen Augen kaum, wie schnell der Kleine jetzt schwamm. Als dann die Uhr zum zwölften Mal vom Kirchturm schlug fing das Wasser an auf zu brausen, zu schäumen und zu brodeln. Dann beruhigt sich das Wasser wieder und was sah Julian an der Wasseroberfläche schwimmen. Ein goldener, und anmutiger Fisch, der schöner nicht sein konnte, schwamm glücklich und stolz im Bach herum. Julian traute seinen Augen kaum, lächelte und winkte dem Fisch zu.
Doch was war das, die falsche Freundin hatte Alles mit angesehen und kam aus ihrem Versteck hervor. Sie war neidisch wie immer und schwamm direkt durch den Ring der nun gar nicht mehr golden war. Ich will noch schöner werden als du sagte sie noch und war schon das zweite Mal durchgeschwommen. Der Ring wurde schwarz als sie nun zum dritten Mal durch ihn hindurch war. Ihr Ansehen veränderte sich. Sie wurde dunkel und immer dunkler bis sie so schwarz wurde wie die Nacht und hässlich wie sonst niemand auf der Welt war. Sie schrie nun jämmerlich aber alles Schreien half nicht. Sie blieb hässlich, schwamm in Richtung Fluss und war von da an nie wieder gesehen.
Der kleine, goldene Fisch bedankte sich bei Julian für seine Hilfe.
Julian sitzt heute noch sehr oft an dem kleinen Bach und unterhält sich mit ihm. Die beiden sind unzertrennliche Freunde fürs Leben geworden.

Reinhard Lehmann
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8 Kommentare
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 18.11.2014 | 08:26   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 18.11.2014 | 08:32   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 18.11.2014 | 14:08   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 18.11.2014 | 14:48   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 18.11.2014 | 15:20   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 18.11.2014 | 19:45   Melden
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Gottlob Philipps aus Halle (Saale) | 19.11.2014 | 12:23   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 19.11.2014 | 12:27   Melden
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