Graf Stauffenberg und der Widerstand im 3.Reich

Am 7.November 1907 wurde Klaus Graf Stauffenberg geboren. Aus diesem Anlass möchte ich an die historische Tat dieses Mannes erinnern. Im Juni dieses Jahres hatte ich in unserer Bibliothek Literatur zu diesem Thema vorgestellt.
Meine Aufzeichnungen zu dem Themenkomplex stelle ich in diesem Beitrag vor.

Der 20.Juli 1944


Vor 70 Jahren versuchte Stauffenberg ein Attentat gegen Hitler, diesen Datum jährte sich im Juli diesen Jahres.

Vielleicht kann man dieses Geschehen als Höhepunkt des Widerstandes gegen das Hitlerregime bezeichnen. Wir wissen, es gelang nicht den Diktator zu beseitigen und die Aktion kam sehr spät.
Haben wir in der DDR viel über den kommunistischen Widerstand erfahren, stand in der BRD der sogenannte Kreisauer Kreis, der militärische Widerstand und insbesondere das Attentat Stauffenbergs im Fokus des Interesses.

Aber auch in DDR wurden Leute wie die Geschwister Scholl, Pfarrer Bonhöfer und andere gewürdigt. In Aschersleben gibt es seit den 50er Jahren die Geschwister-Scholl-Straße.
Ich selbst habe ganz früh ( wahrscheinlich um 1960 ) durch ein Buch vom 20.Juli 1944 gehört.
Wer das schrieb, kann ich leider Ihnen nicht sagen.

In der alten Bundesrepublik ehrte man die Männer des 20.Juli bis weit in die 50er Jahre nicht ihren Leistungen entsprechend
Hitler lies ja nach dem gescheiterten Attentat verbreiten,
"eine kleine gewissenlose Clique usw. habe den Anschlag verübt".
Die Hauptakteure wurden noch am Tag des Attentates standrechtlich erschossen, Später gab es noch weitere, mehr als 50 Todesurteile, die wurden aber nicht an die große Glocke gehängt, denn das Volk hätte erkannt, es war nicht nur eine kleine "Clique."

Und bis weit in die fünfziger Jahre wurde das Bild von den „Landesverrätern“ hochgehalten. Zum Beispiel können wir uns heute wohl nicht mehr vorstellen ,die Angehörigen der Widerstandskämpfer, die nach 1945 aus der Sippenhaft entlassen wurden, standen ohne Hilfe da, wurden vielfach gemieden und viele lebten an der Armutsgrenze.
Eine private Initiative half, aber keine offizielle Stelle.

In der Wochenzeitschrift "Die Zeit" fand ich folgendes:
Der Beitrag berichtet über einen Artikel in der neuen "Coburger Presse", hier wurde mitgeteilt, das die Oberfinanzdirektion München Folgendes verfügt hatte,
"die Rente von 160 Mark an die Witwe eines Hingerichteten zu streichen mit der Begründung, Landesverräter haben keinen Anspruch auf eine Pension oder Rente.
Es ging um die Hinterbliebene des Oberst Graf Rudolf von Marogna-Redwitz.

Gräfin Marion Dönhoff hat bereits 1945 eine Schrift verfasst ( als Privatdruck) mit dem Titel
"In Memoriam 20.Juli 1944, den Freunden zur Erinnerung“

In späteren Beiträgen ( sie war ja Mitbegründerin und Mitherausgeberin der Zeit ) hat sie immer beklagt, das sehr spät überhaupt die Ehrung begann, im Gegenteil
sie schrieb
„ das ein solch einzigartiger Aufstand des Gewissens nicht tiefer in das Bewusstsein der Deutschen eingegangen, ist bleibt immer noch unbegreiflich"

Ich möchte in diesem Beitrag weniger auf das Geschehen direkt an jenem 20.Juli eingehen, das ist in vielen Dokumentationen und Filmen, als auch Spielfilmen gewürdigt worden, sondern das Umfeld beleuchten.

Vielfach wird gefragt, warum denn so eine Tat so spät kam und des Öfteren wird der Widerstand auch auf dieses eine Attentat anscheinend reduziert. Aber es gab mehr an Opposition gegen dieses Regime.

Die Bundeszentrale für Politische Bildung gibt regelmäßig Hefte heraus und so auch zu diesem Themenkreis:

Wir können lesen
„An der späten Tat lässt sich nicht das Fehlen des Widerstandes schließen, Deutsche haben sich durchaus gewehrt, aber es waren in erster Linie Individuen und kleine Gruppen die sich primär auf der Basis persönlicher und verwandtschaftlicher Beziehungen gründeten. Es reichte vom Kritzeln von Parolen an Mauern und Wände bis zum Verteilen von Flugblättern, über Sabotageakte bis eben zum Attentat“

Aber auch die Kommunisten, 1933 mit 360.000 Mitglieder und 6 Millionen Wähler die drittstärkste Kraft,formierten sich zum Widerstand.

Die Hefte der Bundeszentrale führen hierzu aus
„als einzige große Organisation bereitete sich die KPD frühzeitig auf die Fortsetzung ihres Kampfes im Falle eines Sieges der NSDAP und für den Fall einer Machtübernahme Hitlers vor.“
Die KPD wollte dann den Widerstand in der Illegalität führen. Sie glaubten, geführt durch die Komintern allein gegen Hitler etwas ausrichten zu können und opponierten gegen die Sozialdemokratie ( sie nannten sie Sozialfaschisten).
Wir wissen, der Reichstagsbrand 1933 wurde genutzt um sofort die Kommunistische Partei zu verbieten und es begann eine gnadenlose Jagd auf Mitglieder.

Die Kirchen standen zunächst nicht grundsätzlich gegen das Regime ab 1933.

Aber besonders die „bekennende Kirche widersetzte sich dem Bestreben des NS-Regimes, die traditionelle Selbstverwaltung der Kirchen unter ein Dach zu bringen.
Es sollte ein Reichsbischof bestimmt werden nach dem Führerprinzip.

Die Synode von Wuppertal Barmen 1934 fand
„der totalitäre Staat hat da die Grenze, wo das Gebot Gottes gilt“

Widerstand im politischen Sinne hat die bekennende Kirche nicht geleistet, sie kämpfte zuerst für den Erhalt ihrer Strukturen und dann für die Unabhängigkeit Ihrer Lehre nach der die christlichen Gebote nicht der NS-Ideologie unterstellt werden durften

In den Schriften zur politischen Bildung habe ich weitere interessante Beispiele des Widerstandes gefunden.

Als man zu Beginn des Hitlerregimes aufforderte z.B. nicht bei Juden zu kaufen, gab es viele Bürger, die das missachteten und gerade nun da einkauften, oder weiter den jüdischen Arzt aufsuchten oder den Anwalt, aber je länger das NS Regime bestand, umso mehr wirkte der Terror und Angst bestimmte das tägliche Leben.

Beispiele zivilen Widerstands:

Julius von Jan,
ein evangelischer Pfarrer konnte die Progrom-Nacht am 9. November (verharmlosend „Kristallnacht“ genannt) nicht kommentarlos lassen, in seiner Bußtagpredigt im November 1938 rief er am Ende auf
„das Gott dem Führer und der Obrigkeit Buße schenken möge“
Während der Predigt hatte er an die, schon mundtot und im Konzentrationslager sich befindenden Kollegen erinnert.

er wurde aus dem Amt gejagt eingesperrt und später an die Ostfront geschickt,
er überlebte und wurde im September 1945 wieder Pfarrer in Oberlenningen (Württemberg)

das Attentat Georg Elsers

ist allgemein bekannt, er hatte versucht am 8.November 1938 Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer Bombe zu töten,
sein Motiv war nicht politisch sondern sozial veranlasst, er hatte recherchiert, das es den einfachen Menschen im Gegensatz zur offiziellen Politik wirtschaftlich immer schlechter ging. Die Steuern und Abgaben stiegen und bei gleichem Brutto war der Arbeitslohn netto auf beinahe die Hälfte gesunken.

Ein einmaliges Beispiel des kollektiven Widerstandes spielte sich in Berlin in der Rosenstraße ab, hier waren 1500 Juden eingesperrt, die sollten ebenfalls 1943 in die Vernichtungslager gebracht werden, wie man so zynisch sagte um die „Endlösung“ durchzusetzen. Sie lebten in einer sogenannten Mischehe, waren also mit nichtjüdischen Ehepartnern verheiratet. 200 Menschen, überwiegend Ehefrauen protestierten eine Woche lang gegen die Deportation . Dieser einmalige Vorgang machte die Machthaber nervös.
Die festgehaltenen wurden zunächst freigelassen, ob das langfristig so blieb ist nicht genau bekannt, aber in vielen Fällen kann man das annehmen.

Fortsetzung folgt
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4 Kommentare
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 18.09.2014 | 09:39   Melden
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Heiko Scharf aus Bernburg (Saale) | 18.09.2014 | 22:30   Melden
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Klaus Stegmann aus Quedlinburg | 22.09.2014 | 11:55   Melden
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 22.09.2014 | 16:01   Melden
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