Guiseppe Verdi

Im Jahr 2013, zum 200 Geburtstag des großen Komponisten Verdi, hatte ich einen Vortrag vorbereitet. Das Manuskript ist die Grundlage meines heutigen Beitrages

Verdi 1813-1901

Giuseppe Verdi, der vielleicht bekannteste Komponist sehr populärer Opern wurde vor 200 Jahren in Italien geboren. Den 9.Oktober weist das Geburtsregister aus, Geburtsort ist Le Roncole im Herzogtum Parma, sein Vater war Gastwirt und Kleinbauer. Da in dieser Zeit die Heimat der Verdis von französischen Truppen besetzt war, wurde der Name des Knaben als Joseph Fortunin Francois Verdi eingetragen. ( Giuseppe Fortunato Francesco).

Sein musikalisches Talent fiel früh auf. Sein Vater hatte ihm zum 8.Geburtstag ein gebrauchtes Spinett gekauft, die waren preiswert damals zu haben, da inzwischen das Klavier die Salons der betuchten Bürger erobert hatte und Spinette ausrangiert wurden. Vom Organisten der Kirche in Busseto ( nahe Le Roncole) erhielt er Unterricht und bereits mit 9 Jahren so wird berichtet wurde der kleine Giuseppe Dorforganist in Le Roncole. Die Dorfbewohner sollen sehr stolz auf ihren Maestrino (deutsch kleiner Meister. Ein Mäzen, der Kaufmann Antonio Barezzi verschaffte dem Kind die Möglichkeit des Besuchs einer Schule, an der Musik besonders gefördert wurde.. Barezzi kannte den Jungen, denn er belieferte auch als Großhändler die Eltern des Jungen.

Das Mailänder Konservatorium lehnte ihn dennoch ab und Barezzi, der wohl mit Fug und Recht das außergewöhnliche Talent des Jungen erkannt hatte verschaffte ihm einen Privatlehrer.
Mit 16 Jahren hatte er bereits einen guten Ruf als Musiker in Busseto und den umliegenden Dörfern. Er lebte im Hause Barezzis und verliebte sich in die Tochter Margeritha.
Mit 18 Jahren ging er nach Mailand. Sein Gönner Barezzi war zum Schluß gekommen, Verdi sei aufgrund seines Talentes zu Höherem berufen und wollte die Entwicklung des Jungen befördern.
Weil Mailand zu Österreich gehörte benötigte Verdi einen Pass, dieser wies ihn aus als "Großen jungen Mann mit grauen Augen, kastanienbraunem Haar, gebogener Nase, hoher Stirn und blasser Gesichtsfarbe" aus,
Also das typische Bild eines romantischen Künstlers.
Da ihn das Mailänder Konservatorium abgelehnt hatte, erhielt er Privatunterricht von Vincenco Lavigna, dem Chefdirigenten der Scala.
3 Jahre später kehrt Verdi nach Busseto zurück und bewarb sich als Domorganist.
Der Klerus war gegen die Einstellung, Verdi war unter Verdacht in kirchlichen wie in politischen Fragen eine radikale Einstellung zu haben.
Er wurde dann Lehrer an der Musikschule. Hatte somit ein festes Einkommen und konnte 1836 seine Jugendliebe heiraten.

Während der nächsten Jahre komponierte er eine Reihe von Märschen, Overtüren und Messen.
1838 bot er dem Mailänder Opernhaus ein Bühnenstück an, die Oper „Oberto“ Die Aufführung 1839 war ein Erfolg. Daraufhin erhielt er einen Vertrag für 3 weitere Opern. Damals schon soll das zustande gekommen sein, mit der wohlwollenden Unterstützung der Sängerin Giuseppina Strepponi.
Manche Kritiker meinten dieses Stück zeige etwas „Bellini, etwas Donizetti, etwas Rossini aber viel Verdi“
Ich interpretiere das so, Verdi hatte schon früh einen eigenen Stil entwickelt, die seine späteren Werke auszeichnen

1837 wurde ihm eine Tochter geboren Virginia und 1 Jahr später der Sohn Icilio.
Beide Kinder starben bald und 1840 auch seine Gattin Margeritha.
Dazu kam noch, die Oper „ König für einen Tag“ die erste aus dem Vertrag mit der Scala fiel unter Pfiffen und Buhrufen durch. Sie wurde gleich nach der Uraufführung abgesetzt.
40 Jahre später schrieb Verdi in einem Brief, diese Oper sei nie wieder aufgeführt worden. Für die Scala mag das stimmen, aber andere Bühnen spielten die Oper und heute findet sie Anerkennung.
Verdi war so deprimiert, heute würden wir sagen „am Boden zerstört“ das er das Komponieren aufgeben wollte,

Ich erinnere mich übrigens, vor mehr als 50 Jahren einen Spielfilm damals im Aschersleber Filmpalast gesehen zu haben über den Komponisten und sein Leben, Titel „ Ein Leben in Melodien“ ein italienischer Film aus dem Jahr 1954
Meine Oma und ihre Damenrunde sahen sich auch den Film an und waren ganz gerührt vom Schicksal,
Mir ist vor allem eine Szene im Gedächtnis geblieben, Verdi geht über einen Markt, es ist Winter, an einem Stand röstet eine alte Frau Maronen, er schaut begehrend auf das Essen, er kann sich den Kauf nicht leisten und die Marktfrau schenkt ihm eine Tüte mit diesen Früchten. Als es ihm finanziell wieder besser geht, kauft er für die Marktfrau ein warmes Tuch und legt es ihr über die Schulter,
Ich glaube, es rollten einige Tränen bei den älteren Herrschaften im Kino.

Merelli, der Leiter der Scala entlies ihn aus dem Vertrag, bot aber dennoch nach einiger Zeit ein neues Libretto an, diesem Stück lag das Schicksal des jüdischen Volkes unter babylonischer Herrschaft zugrunde.
Es entstand die sehr erfolgreiche Oper „Nabucco“ diese wurde 1842 aufgeführt und 57 mal in der Saison gezeigt

Nabucco ist die Abkürzung für Nabucodonosor, der italienischen Form von Nebukadnezar dem biblischen König

Das wohl bekannteste Stück daraus ist der sogenannte „Gefangenen Chor“ wo die zu harter Arbeit verdammten Sklaven ihr Schicksal beklagen

Die Zeit, die auf diese Oper folgte nannte Verdi später einmal seine Galeerenjahre,
er komponierte in schneller Folge weitere Bühnenwerke.
Während dieser Zeit wurde er auch zum musikalischem Wortführer des Risorgimento (zu deutsch Wiedererstehung).
Viele Italiener sahen in Nabucco ihr eigenes Schicksal bezeichnet. Teile Italien waren damals unter Habsburger Herrschaft, französischer Herrschaft oder in kleine Teile zersplittert. Wie in Deutschland die Vormärzbewegung ab etwa 1830 begann, also das Streben nach einem einheitlichen Nationalstaat, so strebten auch die Italiener nach nationaler Einheit.
Und besonders die Mailänder von den Österreichern besetzt erkannten in dieser Oper ihr eigenes Schicksal und Streben nach Befreiung, wie die Juden im alten Babylon. In den Jahren bis 1847 schrieb er mindestens eine Oper im Jahr.
Obwohl die Handlungen in die Vergangenheit verlegt sind, um der Zensur zu umgehen, glaubt das Publikum den Ruf Verdis nach Unabhängigkeit Italiens zu hören.
So handelt die Oper „Die Schlacht um Legnano“ im 12. Jahrhundert, das Credo aber ist eindeutig auf die Nationale Befreiungsbewegung Italiens gerichtet.

1849 entsteht „Macbeth“ nach William Shakespeare
das Werk wird vom Publikum der Uraufführung in Florenz begeistert aufgenommen, die Kritiker bemängeln das Fehlen einer Liebesgeschichte man muss dazu wissen, damals waren sozusagen Belcanto Opern modern die eine 3er Beziehung in den Mittelpunkt stellten 2 gute und ein Gegenspieler also eine Liebesgeschichte und einer der das verhindern wollte um es einmal auf einen einfachen Nenner zu bringen, diese Liebesgeschichte also ist nicht im Macbeth zu finden,

Es ist Verdis 10.Oper und eine von den 7 die auf Grundlage der Werke von Schiller 4 Schauspiele bzw. 3 von Shakespeare zurückgehen.

1847 traf Verdi Guiseppina Strepponi wieder und die beiden verliebten sich, die Strepponi hatte bei der Uraufführung der Oper Nabucco die Abigail gesungen.
Die Verbindung wurde in der Heimat des Künstlers nicht gern gesehen, stieß insbesondere bei seinem Vater auf großen Widerstand.
Die Sängerin hatte aus früheren Verbindungen 3 uneheliche Kinder, dennoch hielt Verdi zu ihr und die beiden heirateten im Jahre 1859. Uneheliche Kinder einer Frau, das war in damaliger Zeit nicht nur für die Mutter ein ganz großer Makel, auch für die Kinder. Da ist das Verhalten des Umfeldes der Familie Verdi erklärlich, aber beide Verdi und die Strepponi führten dennoch eine lange Ehe.

Verdis Frau hatte durch Geburt der Kinder und nun sagen wir unstetes Leben ihre schöne Stimme, die man ihr vordem durchaus zugestanden hatte, verloren.
Liest man bei Verdis Biografen, so kann man sagen, sie war für den Komponisten Buchhalterin und Managerin in einem und hielt ihm den Rücken für seine Arbeit frei.
Verdis Opern sind für keine große Musikbühne in Europa und vielleicht auch weltweit wegzudenken.
Schaut man sich einmal die Diskografie seiner Werke an, also wie oft wurden seine Stücke aufgeführt, kommen wir in den letzten hundert Jahren auf die Zahl größer als 2500.
Spitzenreiter ist Aida, gefolgt von La Traviata, Rigoletto, Macbeth, Troubadur und Nabucco.
Insgesamt sind 28 Opern und weitere Werke wie geistliche Musik, Kammermusik und Kantaten aus seiner Feder bekannt.
Zu meiner Schulzeit, so erinnere ich mich, spielte die Leipziger Oper Aida. Die Klasse besuchte die Aufführung und wie vor 50 Jahren noch üblich, war das Bühnenbild oppulent gestaltet, eine Tänzerin war ganz mit Gold bemalt, wir fanden das interessanter als die ganze Oper. Das aber nur am Rande.

Verdi war nicht nur Komponist sondern widmete sich auch der Politik.
Die Zeit um 1848 ist in Italien eine bewegte Zeit. Anders als in Deutschland
war das in Italien eine ganze Kulturbewegung und Verdi der unbestrittene Held der Musikbewegung.

Mit der Oper Nabucco begannen für Verdi „Galeerenjahre“ so bezeichnet er es selbst später in einem Brief, er lies sich in der Zeit ab 1842 bis 1858 zu immer neuen Aufgaben treiben, komponierte und nicht alles war er schuf war erfolgreich.
Allerdings war Nabucco sein erster großer Erfolg

Kommen wir zurück zu Verdi als Politiker und seine Rolle in der Zeit des Risorgimento.
Um Verdis Beziehung zum Chefideologen Guiseppe Mazzini, weiss man.
Das ist heute unbestritten der Forschung bekannt. Jeder Italiener begriff die Oper Nabucco als in alte Zeit versetzte Handlung, die auch seine Heimat betrifft, und so verwundert es nicht, die Arien und Chöre wurden wie heute Schlager auf der Straße gepfiffen,
Nicht von ungefähr greift Verdi auch Stücke von Schiller ( in Italien Federico Schiller)auf, wie die Räuber, oder Kabale und Liebe ( Oper Luisa Miller).
Schiller gilt in dieser Zeit als Galionsfigur der Bewegung, obwohl er ja schon 1805 verstorben war, aber seine Werke gelten als fortschrittlich wie die bereits vorhin erwähnten Räuber und die Kabale, aber auch die Jungfrau von Orleans, Don Giovanni und eben diese Stoffe verarbeitete auch Verdi.

Heinrich Heine bemerkte in seiner „Reise von Genua nach München „das die Musik insbesondere die Oper eine größere Rolle in der Freiheitsbewegung spielt als in Deutschland,
Das mag zeigen warum Verdi auch der „Maestro della Rivoluzione“ genannt wird.
Opern dieser Art hatten allerdings bis auf Nabucco eine kurze Lebensdauer, nach 1848 verlor das Opernpublikum in Italien und auch in Deutschland das Interesse an revolutionären Stoffe.
Verdi war nach der verlorenen Revolution von 1848/49 zutiefst deprimiert
Er schrieb an einen Freund „noch herrscht Gewalt in der Welt, die Gerechtigkeit , was will sie gegen Bajonette ausrichten, wir können nur unser Unglück beweinen und die Urheber allen Unglücks verfluchen“

Nach 1849 komponierte Verdi seine sogenannte „Triologia Popolare“
er stellt Opfer gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten in den Vordergrund
Personal sozusagen, was vorher nicht bühnentauglich war, eine Edelhure ( La Traviata) ein Krüppel (Rigoletto) und eine Zigeunerin in der Troubador. Die Melodien sind so eingänglich, das Verdis Musik sogar denen gefällt, die nie ein Opernhaus von innen sahen.

Eine sehr häufig gespielte auf den Bühnen der Welt ist „Aida“. Sie soll für die Eröffnung des Suezkanals komponiert worden sein. Das ist aber Legende, weder für die Eröffnung des Suezkanals noch für die Eröffnung des Kairoer Opernhauses wurde dies Oper geschaffen.
Das Musikhaus in Kairo wurde allerdings 1869 mit Verdis Rigoletto eingeweiht.
Nichtsdestotrotz sollte Verdi eine Oper schreiben, er zögerte und lehnte zunächst ab.
Verdi schrieb an seinen Freund Piroli 1870
„Eine Oper für Kairo zu komponieren – Puh—ich gehe nicht hin um zu inszenieren, weil ich fürchten müsste mumifiziert zu werden. Ich muss euch doch nicht sagen, dass der Vertrag noch nicht unterschrieben ist. Aber da meine Bedingungen – und die waren hart- akzeptiert worden sind, kann man ihn für abgeschlossen halten. Wenn mir jemand vor 2 Jahren gesagt hätte, du wirst für Kairo schreiben, hätte ich ihn für einen Verrückten gehalten und nun sehe ich ein, dass ich der Verrückte bin------
150.000 Goldfranken verlangte Verdi und bekam sie, eine bis dahin höchste Honorar, das ein Komponist erhielt.

Richard Wagner wurde ebenfalls 1813 geboren

Begegnung zwischen Verdi und Wagner hat nie stattgefunden In ihrem musikalischem Schaffen haben sie sich kaum wahrgenommen, Zwar haben sie Werke des jeweiligen anderen erlebt, aber ohne Begeisterung, Verdi sah Lohengrin und kam zum Urteil „die Musik ist schön, die Handlung fließt träge dahin wie der Text, daher Langeweile.
Wagner hatte 1861 unbeeindruckt den Troubadur gesehen, von Cosima (Wagners Ehefrau) wird notiert „Requiem gehört das beste ist, darüber nicht zu sprechen

Verdi zeigt sich allerdings vom Tod Wagners tief berührt und notiert im Brief an seinen Verleger "Traurig traurig Wagner ist tot als ich gestern die Depesche las, war ich darüber ich möchte fast sagen fast fassungslos, eine große Persönlichkeit ist dahingegangen"

Verdi selbst verstarb im Januar 1901
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