Herbert und seine besondere Beichte

Wann er auch immer diese folgenden Zeilen niederschrieb, er hat seine Freundinnen nicht vergessen.
Er wählte den Titel:

Meine Liebschaften



Bis April 1944 war da nichts. Also kein Mädchen an Herberts Seite. Und dann kam

Gerda



Eine Bauerntochter aus dem Nachbardorf Michelsdorf bei Haynau. Der Hof umfasste 12 ha und es gab zwei schon ältere Pferde (über 20 Jahre, sonst wären sie zur Wehrmacht gekommen).
Sie war blond, in meiner Größe, ein sehr ruhiger Typ. Wir saßen manchmal eine halbe Stunde auf der Bank, ohne ein Wort zu sprechen. Im Juli hatte sie sich in den Kopf gesetzt, dass sie ein Kind haben wollte. Dafür war ich nicht, denn die unsicheren Kriegsverhältnisse (die Rote Armee an der Weichsel, die erfolgreiche Invasion im Westen, der Rückzug von Afrika und Italien) festigten meine Meinung. Es spitzte sich zu, so kam es noch im Juli zur Trennung. Einige Treffen danach führten auch zu keiner Meinungsänderung. Bis September war ich allein. Dann lernte ich

Christa


kennen, ein draller lustiger Typ, immer zu einem Schabernack bereit und sie stand im 3. Lehrjahr ihrer Apothekerlehre (4 Jahre Gesamtdauer). Sie wohnte in der Siedlung Sonnenland, die nach dem 1. Weltkrieg auf einer Wiese erbaut wurde.
Wir hatten nur wenig Zeit miteinander, da ich die Landwirtschaftsschule in Landshut besuchte. Aufgrund umständlicher Bahnverbindungen, die Zeit von Sonnabend 11 Uhr bis Montag 7 Uhr früh reichte nicht aus, um eine Heimfahrt möglich zu machen. Ich wäre Sonntag um 14 Uhr in Haynau gewesen und hätte aber Sonntag um 11 Uhr bereits die Rückfahrt antreten müssen. Also wurde es eine reine Schreibbeziehung. Ich hatte ihr in einem der letzten Briefe die Adresse von Alfred in Aschersleben mitgeteilt, aber ich weiß nicht, ob die Post noch angekommen ist. Als ich um den vierten Februar zu Hause eintraf, fuhr ich per Rad nach Sonnenland, aber ihre Familie war schon privat aus Schlesien geflüchtet. Nachbarn sagten, die Familie sei im Urlaub im Allgäu. Das war das Ende, bei Alfred hat sie sich nicht gemeldet.
Damit endete im Februar meine Hoffnung.

Im Oktober 1948 traf ich

Rosa



Ein Jahr älter als ich war sie und einen Kopf kleiner. Zu schaffen machte ihr ein großer Busen. Aus einer Flüchtlingsfamilie stammend, im Oktober 1945 waren sie aus dem Südengau ausgesiedelt worden, wohnte sie in Erxleben (preußischer Begriff), Kreis Haldensleben.
In einer Reithalle des ehemaligen Rittergutes waren durch Bretter Zaunfelder u. ä. etwa 100-120 m² große Parzellen eingeteilt, eine neben der anderen, in der Mitte mehrere Herde, vor der Halle einige Donnerbalken als Toiletten. Feuerwehrleute hatten eine provisorische Wasserleitung in die Halle gelegt, alles also behelfsmäßig. Eine Partei konnte der anderen auf den Teller und ins Bett gucken. Dort lebte Rosa mit ihren Eltern und Geschwistern.
Rosa war sehr beeindruckt über den Hinauswurf der Sudetenländer-Bevölkerung nach dem Krieg durch die Tschechen. Trotzdem war sie sehr freundlich zu den Tschechen eingestellt. Sie hatte einen festen Freund, der bei der tschechischen Polizei arbeitete.
Sie hätte dableiben können, wenn sie die tschechische Staatsangehörigkeit annehmen würde, aber dann wäre sie von ihrer Familie getrennt worden.
Als ich sie kennen lernte, ich half einer Lehrer-Kollegin beim Sirup kochen wie sie selbst auch, war sie bei der Grenzpolizei beschäftigt, die eine der beiden Schlösser belegte, über das andere verfügte die Gemeinde und Schule.
Rosa spielte ständig die Verliebte, wir konnten keine 10 Schritte gehen, ohne dass sie mir um den Hals fiel und mich küsste, egal ob Straße oder Gaststätte. Das wurde mir auf die Dauer zu viel, so dass wir uns im März 1949 trennten. Außerdem hatte ich die Einladung zum 2. Lehrgang in Aschersleben bekommen, der am 2.5.1949 begann.

Im April 1947 begegnete mir

Gisela


Sie hatte ich kennengelernt in Halle, beim 1. Teil des Lehrganges für Berufsschullehrer. Gisela war leicht rot-blond, schulterlange glatte Haare, sehr schlank, 2 Jahre jünger als ich (15.10.1925 / siehe auch „Herbert, der Hellseher“). Es handelte sich um eine rein platonische „Liebe“, von Gegenliebe keine Spur. Kein Treffen, keine Zusammenkunft. Sie bevorzugte mehr die verheirateten Männer des Lehrganges, was mich etwas auf Distanz hielt. Nur einmal, Anfang Mai 1947, hatte ich ihr eine Kinokarte gegeben, kostenlos, mit Platznummer. Als ich vor dem Kino wartete, es war riesiger Betrieb, kam sie nicht. Im Kino auf ihrem Sitzplatz saß eine Dame, so um die 60 -70 Jahre alt. Ich wollte mich nicht daneben setzen, der Platz blieb leer. Ich wählte einen der unnummerierten Plätze, vorne in der ersten Reihe.
Am nächsten Tag, in der Pause, kein Wort einer Entschuldigung oder einer Erklärung. Ich sagte auch nichts.
Nur einmal bei einer Exkursion, lehnte ich mich wie Gisela und noch jemand gegen einen Bretterwand, die umfiel, und wir lagen alle im Stroh.
Als meine erste Tochter geboren wurde, war das für mich Anlass, auf den Namen „Gisela“ zurückzugreifen.
Auch im zweiten Lehrgang in Aschersleben änderte sich nichts. Angeblich galt sie als verlobt, was sie aber nicht hinderte, mit anderen Männern auszugehen.

Gerda


September bis Oktober 1947 - mehr Zeit war uns nicht vergönnt
Sie ich lernte sie durch ihre Schwester kennen. Gerda war Lehrling in der VB Handlung in Haldensleben, 17/18 Jahre alt, blond, sehr gesprächig. Wir gingen ins Kino, machten kleine Radtouren, besonders am Mittellandkanal.
Der 50. Geburtstag ihres Vaters festigte die Beziehung zu ihr und zum Vater (siehe „Rettung eines Pionier-Hauptmannes“).
Aber es geschah ein trauriger Unfall im Oktober 1947. Vater und Tochter Gerda verunglückten tödlich in der Altmark bei einer Besichtigung der Bismarck - Eichen. Das Unterteil eines ehemaligen Panzers kippte auf ihren PKW. Beide müssen sofort tot gewesen sein.
Durch besondere Umstände konnte ich nicht an der Beerdigung teilnehmen.
Ich war todunglücklich danach. Es hätte meine große Liebe werden können.
Die nächsten Monate (1947/1948) waren in vielerlei Hinsicht eine sehr schlechte Zeit für mich.

Rettung eines Pionierhauptmannes

Margot

1953

Sie betätigte sich als Dozentin für Deutsch in Neugattersleben, 30 Stunden Vorlesung je Studiendauer, also 30 Stunden in 2 Jahren. Damit ist keiner ausgelastet. Deshalb arbeite sie noch als Assistentin für Acker- und Pflanzenbau. Ausbildungsmäßig war sie bereits mit 3 Jahren Fachschule „Staatlich geprüfter Landwirt“, und ich nur Student.
Durch die Konstellation Student - Dozent entwickelte sich eine „vorsichtige“ Beziehung, die vor allem ihrerseits nur platonische Züge hatte.
Ich bekam von den anderen Studenten den Spitznamen Goethe (historisch: Goethe und Frau von Stein).
Nur einmal kam es zu einer näheren Begegnung. Anlässlich meines Geburtstages hatte sie mir eine Flasche Wein geschenkt. Aus Mangel an Weingläsern trank sie aus ihrem Zahnputzbecher und ich trank aus ihrer Kaffeetasse. Der Wein hatte es wohl in sich, die Gefühle beiderseits überschlugen sich, ein Tag vor Himmelfahrt in Bernburg.
Als meine 2. Tochter geboren wurde, nannten wir sie „Margot“, Ilonka (meine Frau) war einverstanden, sie wusste alles.
Als wir 1983 einen Ferienplatz im Harz hatten, besuchten wir sie in Wernigerode. Sie war seit dem 1.9.1954 FS-Lehrerin für Biologie und Deutsch an der Landwirtschaftlichen Fachschule in Wernigerode.
Sie ist heute noch ledig.
Seit 1992 telefonieren wir jährlich ein- bis zweimal miteinander, Weihnachten, Geburtstag, Himmelfahrt.

Weiter Damenbekanntschaften hatte ich nicht.

Bis natürlich auf meine liebe Ilonka, aber dazu mehr im nächsten Beitrag.
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1 Kommentar
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Gerd Born aus Dessau-Roßlau | 30.11.2014 | 16:17   Melden
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