Lieschen Knatterstein Kinderbiografie von Karin LehmannTeil 7

Zwiebeln für Herrn Topf und eine Auszeichnung



Eines Tages, als Lieschens mit ihrer Klasse, im Schulgarten die Wege säuberte, rief Herr Topp der Klassenlehrer, Kinder kommt mal alle zu mir. Wir benötigen für unseren Schulgarten in diesem Jahr sehr viele Zwiebeln, darum möchte ich dass ihr Zwiebeln sammelt. Ihr könnt auf den Zwiebelacker zum Nachstoppeln gehen. Wer fleißig ist und die meisten Zwiebeln sammelt bekommt eine Auszeichnung. In Lieschens Klasse ging ein Mädchen das Tine hieß. Es war die Tochter eines Bauern. Lieschen ging in der Pause zu Tine und sagte, können wir nicht auf euren Acker Zwiebeln stoppeln. Tine sagte, na klar brauche ich Papa gar nicht fragen, der freut sich wenn ich fleißig bin. Gut, freute sich Lieschen, ich komme dann heute Nachmittag zu dir und hole dich ab. Super, wir nehmen dann gleich einen Sack aus unseren Stall mit, sagte Tine und wischte sich über ihre ständig laufende Nase. Am Nachmittag stand Lieschen pünktlich vor Tines Tür und klingelte. Tine öffnete und sagte komm rein wir müssen noch den Sack aus unseren Stall holen. Sie gingen über den großen Bauernhof. Mitten auf den Hof lag ein riesiger Berg Zwiebeln. Lieschen blieb vor die Zwiebeln stehen. Sie öffnete den Mund und ihre Augen kullerten fast aus den Kopf. Tine, Tine stotterte sie. Was ist denn, fragte Tine? Na kannst du nicht sehen. Ja, unsere Zwiebeln. Na und, äffte Lieschen. Wir werden doch nicht so dumm sein und ein paar Stunden auf euren Acker schuften um ein paar Zwiebeln zu suchen, wenn hier der ganze Hof vollliegt. Tine steckte den Finger in die Nase und schien ganz anstrengend zu überlegen. Außerdem merkt niemand wenn hier ein paar Zwiebeln fehlen, drängelte Lieschen. Eigentlich hast du Recht, meine Eltern sind gerade unterwegs. Ich hole dann mal den Sack. Aber bring gleich einen größeren, dann wird sich Herr Topp freuen. Lieschen und Tine füllten den Sack. Aber als er voll war konnten sie ihn nicht mehr anheben. Und nun fragte Tine und stemmte ihre Hände in die Hüften. Was ist denn mit den Handwagen der da steht, fragte Lieschen und zeigte in Richtung Scheune. Ja den nehmen wir, der steht sowieso schon solange in der Ecke rum. Sie holten die Zwiebeln aus den Sack und legten sie in den Handwagen. Da gehen ja noch viel mehr rein jubelte Lieschen. Schnell verließen sie den Hof und fuhren mit dem Handwagen in den Schulgarten, dort traf man Herr Topp jeden Tag an. Der kriegte vor staunen seinen Mund gar nicht mehr zu. Als er sich etwas gefangen hatte sagte er. Du meine Güte ward ihr aber fleißig, na das gibt eine dicke Auszeichnung. Tine haute vor Stolz noch einen drauf und sagte, Herr Topp der Handwagen gehört noch dazu, für unseren Schulgarten. Lieschen fasste Tine an die Hand, wir müssen jetzt nach Hause rief sie und zog Tine hinter sich her. Als sie um die Ecke waren sagte sie, Tine bist du verrückt wenn deine Eltern den Handwagen suchen. Och, die brauchen den nicht mehr, winkte diese ab, aber Herr Topp hat sich gefreut. Komm wir gehen noch ein bisschen zu uns schaukeln. Oh ja jubelte Lieschen, das haben wir und verdient. Tine hatte in der Scheune die höchste Schaukel die Lieschen je gesehen hat. Sie schaukelten und machten Weitsprung. Wer am weitesten springen konnte. Lieschen musste zugeben das Tine weiter springen konnte als sie. Du kannst ja öfter üben, sagte sie zu Tine. Tine war stolz und wollte heute noch ein Stückchen weiter springen als sonst. Schupse mich noch einmal kräftig an, schrie sie. Und tatsächlich Tine sprang und sauste über einen Strohballen. Sonst waren sie immer vor den Strohballen gelandet. Es machte patsch und Tine schrie ganz verzweifelt. Lieschen erschrak und rannte zu ihr. Dann blieb sie stehen schlug die Hände vor den Mund. Tine saß mit ihrem Hinterteil in der Eierpampe eines Hühnernestes. Zieh mich hoch jammerte sie. Die hat Mutti heute erst gesammelt. Der Bäcker hatte 100 Eier bestellt und will sie morgen abholen, weinte Tine. Schnell wir machen alles sauber. Sie gruben die Eierpampe unter den Mist berg und legten neues Stroh in das Nest. Es sah aus als hätte niemals ein Ei im Hühnernest gelegen. Prima sagte Lieschen und rieb sich die Hände. Komm wir machen deine Sachen sauber. Sie liefen in die Waschküche. Lieschen nahm einen Wasserschlauch und spritzte Tines Sachen ab. Tine war klatschnass, aber die Eierpampe war ab und durch den Abfluss verschwunden. Na ist ja alles bestens, prahlte Lieschen, brauchst jetzt bloß noch trockne Sachen. Ich gehe dann mal nach Hause. Wir sehen uns dann morgen in der Schule. Machst gut und lass deine nassen Sachen noch verschwinden. Tine nickte und wischte sich über die tropfende Nase. Am anderen Morgen fragte Lieschen, na Tine alles klar. Tine winkte ab. Als ich im Bett lag haben sich meine Eltern laut gestritten. Papa schimpfte das jemand unseren Handwagen geklaut hat und auch gleich die bestellten 100 Eier mitgehen lassen hat und nur weil Mutti immer so tüddelich ist und die Tür nicht abschließt. Mutti meinte dass ja nur Papa den Schlüssel hatte und er Schuld war an der ganzen Sache. Also sieh zu was du morgen den Bäcker sagen willst, fluchte sie. Vielleicht setzt du dich hin und legst selber noch hundert Eier, schimpfte sie weiter und knallte wütend die Tür zu. Lieschen schaute Tine an und gluckste, dann fingen beide an zu lachen. In diesen Moment hörten sie Herrn Topp sagen, na ihr habt wirklich einen Grund zum Lachen, kommt mal mit zum Direktor. Was sollen wir denn dort, stotterte Tine und faste nach Lieschens Hand. Ihr werdet schon wissen was ihr ausgefressen habt, drohte er. Jetzt kommt alles raus, flüsterte Lieschen. Herr Topp begleitete uns ins Direktorenzimmer. Hier sind die Zwei, sagte Herr Topp, zwinkerte und verließ das Zimmer. Na dann setzt euch mal, donnerte der Direktor. Verschüchtert sanken sie auf die Stühle und warteten auf das Donnerwetter. Aber nein, es kam eine Lobesrede nach der anderen. Er entließ die beiden mit den Worten, morgen ist Versammlung mit dem Schulrat, ich hoffe euch dort zu sehen um eure Auszeichnung entgegen zu nehmen. Tine weinte plötzlich. Wieso heulst du, ist doch Kuhl, mein Papa wird stolz auf mich sein. Mein Papa sitzt im Schulrat, jammerte Tine. Oh man, das riecht mächtig nach Ärger. Am nächsten Tag vor dem Schulrat und den gesamten Schulklassen wurden die beiden sehr gelobt und bekamen jeder eine Urkunde. So richtig freuen konnten sich die beiden nicht. Immer wieder schauten sie heimlich zu Tines Papa. Der sah aus als knirschte er ständig mit den Zähnen und seine Augen sprachen Bände. Der Direktor sagte noch, sie können stolz auf ihre Tochter sein. Tines Papa nickte stumm. Bleib tapfer sagte Lieschen zu Tine als sie sich verabschiedeten. Am anderen Tag in der Schule flüsterte Tine. Ich habe drei Wochen Stubenarrest bekommen, muss jeden Tag Eier absuchen und Mutti bei der Wäsche helfen. Ich lasse dich nicht im Stich, sagte Lieschen. Am Nachmittag ging Lieschen in den Blumenladen. Sie hatte ihr Sparschwein geplündert und sich noch etwas Geld von Rieke geborgt. In dem Blumenladen kaufte sie zehn Beutel Zwiebelsamen. Von ihrer Oma hatte sie sich eine Packung Eier besorgt. Mama will Rührei machen hatte sie geflunkert. Oma hat nichts gemerkt und sich gefreut dass sie helfen konnte. So machte sie sich auf den Weg nach Tine. Tines Papa schaute sie mit starren Augen an und nickte nur stumm als sie ihre Entschuldigung vortrug. Lieschen half Tine bei der Wäsche und Eier absuchen. Tine bekam zwei Wochen Hausarrest erlassen. Ihr Papa sagte das dass mit den Zwiebeln unser Geheimnis bleibt und im nächsten Jahr könnt ihr der Schule noch einen Sack Zwiebeln bringen. Lieschen hat ja soviel Zwiebelsamen mitgebracht. Nur den Handwagen müsst ihr euch dazu noch einmal von der Schule leihen, meinte er. Geht klar jubelte Lieschen und Tine flüsterte, das gibt wieder eine dicke Auszeichnung.
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4 Kommentare
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Helmut Wagner aus Kaiserpfalz | 12.05.2015 | 22:21   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 13.05.2015 | 17:15   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 27.05.2015 | 11:19   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 27.05.2015 | 12:42   Melden
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