Die 10-Minuten-Anekdote oder 1 Mio. Dezibel in Aschersleben

Jeden morgen begebe ich mich auf den Weg zur Arbeit. Dafür nutze ich die öffentlichen Verkehrsmittel – hier konkret die Überlandbusse der KVG. Von der Ankunft am Busbahnhof bis zur Abfahrt meiner Linie dauert es genau zehn Minuten. Zehn Minuten, in denen ich Zeit habe die Ruhe vor dem stressigen Arbeitsalltag zu genießen – so denn ich Ruhe hätte, denn just in dem Moment, wo ich darüber nachdenke, welche Aufgaben mich heute auf Arbeit erwarten, rumpeln LKW unaufhaltsam an mir vorbei. Die Bahnhofstraße in Aschersleben zwischen dem Kreisverkehr Heinrichstraße und der Kreuzung Johannesplatz ist eine der Hauptverkehrsadern der Stadt und das wird sie wohl auch solange bleiben müssen, bis endlich einmal grünes Licht für die Ortsumfahrung gegeben wird.
In zehn Minuten – man mag es kaum glauben – kann man ein kleines vielversprechendes Experiment durchführen und sich sehr über das Ergebnis erschrecken. Ich begann also mit der Zählung der LKW, die in den zehn Minuten meiner Wartezeit an mir vorbeirauschen. Auf sage und schreiben 20 an der Zahl kam ich dabei. Das sind zwei LKW pro Minute. Und nun das Experiment: wie viel LKW erträgt eine Kleinstadt im Jahr an Lärm- und CO2-Belastung betrachtet man einen besonders von Schülern hoch frequentierten Punkt der Stadt. Die Rechnung ist sehr simpel. 20 LKW in 10 Minuten, das macht bereits 1.200 LKW in einer Stunde. Angenommen ein normaler Arbeits- oder Schultag hat acht Stunden. Dann sind das bereits 9.600 LKW am Tag. Ein Jahr hat in der Regel 220 Arbeitstage, das macht – und man möge sich jetzt irgendwo festhalten – 2.112.000 LKW im Jahr, die diese eine Stelle in Aschersleben passieren. Der Geräuschpegel der von einem einzigen LKW ausgeht liegt bei etwa 90 Dezibel. Man möge sich einmal vorstellen, dass alle LKW pro Tag zur gleichen Zeit einen Punkt (hier den Busbahnhof) passieren. Das würde einen Geräuschpegel von aufgerundet 1 Mio. Dezibel ergeben. Eine unvorstellbare Zahl – natürlich nur fiktiv. Selbstverständlich werden auch LKW immer leiser. Und auch der übrige Verkehr wie PKW, Busse, Züge, Radfahrer, Schüler mit der vollen Dröhnung auf den Ohren, Vögel, einfach alles tutet, quietscht, rockt und fiept auf mich ein. Jeden Morgen in Aschersleben. In nur zehn Minuten.
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