Lieschen Knatterstein Kinderbiografie von Karin LehmannTeil 2

Omas und Opas Zaubertrank


Eines Tages wollte Lieschen Oma und Opa besuchen. Das waren die Eltern ihrer Mutter und sie wohnten im selben Ort wie Lieschen. Mama schaute Lieschen an und sagte ziehe dir aber einen Rock an und laufe nicht wieder mit der Lederhose los. Du bist doch kein Junge. Lieschen ging maulend in ihr Zimmer. Sie liebte ihre kurze Lederhose so sehr und wollte nicht mit einem albernen Rock herumlaufen. Wütend ließ sie sich auf das Bett fallen und überlegte. Nach einem kurzen Augenblick sprang sie freudestrahlend hoch. Sie hatte eine Idee. Über ihre Lieblingshose zog sie den karierten Rock. Noch schnell die Bluse zurechtgerückt, ja so geht es. Sie zwinkerte sich im Spiegel zu. Mama lächelte, na geht doch sagte sie und rührte weiter im Suppentopf. Lieschen lief die Treppe herunter. Auf den Hof angekommen öffnete sie die Stalltür und schlüpfte hinein. Schnell den Rock ausgezogen und in einen Korb versteckt. Trällernd hüpfte sie über die Straße. Plötzlich hörte sie Lautes Beschimpfe. Als sie sich umdrehte stand Mutti am Fenster und drohte mit dem Finger. Bloß schnell weg, dachte sie. So kam sie mit etwas schlechtem Gewissen bei Oma und Opa an. Kaum hatte sie sich gesetzt, sprang Opa auf. Sie wusste genau was jetzt kommt. Opa lief in den Hühnerstall und holte ein frisches Ei. Manchmal hatte er schon eine Stunde vor dem Nest gehockt und dem Huhn gut zugeredet. Das Ei muss ganz frisch sein, sagte er. Dann schlug er das Ei in eine Tasse und quirlte so lange bis alles schaumig war. Dann kam das Beste. Ein großer Löffel Zucker wurde untergerührt. Nun musste Lieschen alles trinken, bis zum letzten Tropfen. Opa saß daneben und passte auf. Er schaute zur Oma und sagte, wir werden das Kind schon aufpäppeln, sieh dir nur mal die dünnen Ärmchen an. Eines Tages sagte Oma, du mit deinen Eierschaum, das Kind hat keinen Gramm zugenommen. Ich habe hier was ganz tolles, sagte sie und reichte Lieschen einen Becher. Uh, was war denn das? Es roch sauer. Das ist saure Milch mit Zucker, sagte sie und lächelte. Trink nur trink, das wird dir helfen. Opa schüttelte den Kopf, schlurfte aus dem Zimmer und sagte, das arme Kind. Lieschen würgte die saure Milch runter und ekelte sich entsetzlich. Oma strahlte als der Becher leer war. Wird schon werden sagte sie, griff nach ihre Schürze und lief aus dem Zimmer. Lieschen stürzte zum Waschbecken und gurgelte mit Wasser. Pfui, war das ekelig. Sie öffnete die Schranktür um nach etwas appetitlichen zu suchen. Oh, was war das. Da stand eine Flasche Maggie. Sie liebte Maggie. Zu Hause machte sie sich immer ein paar Spritzer auf ihre Wurstschnitte. Mm, das schmeckte lecker. Plötzlich hörte sie die Tür klappen. Schnell öffnete sie die Flasche und trank sie halb leer und stellte sie in den Schrank zurück. Die Tür ging auf und Opa kam in die Küche. Lieschen stand mit weit aufgerissenen Augen im Zimmer und hielt sich den Magen. Opa stürzte auf Lieschen zu. Im gleichen Augenblick musste sich Lieschen übergeben und alles landete auf Opas dicken Bauch. Oma und Opa stritten sich. Er schimpfte, du hast das Kind vergiftet mit deiner sauren Milch, so kann unser Lieschen nicht zunehmen. Sie redeten kein Wort mehr miteinander. Opa brachte Lieschen nach Hause. Mama schimpfte noch ein bisschen wegen der Hose. Papa wedelte mit Lieschens Rock. Er hatte Kartoffeln aus dem Stall geholt und Lieschens Rock zu spät, im Korb, gesehen. Mama nahm den schmutzigen Rock, warf Lieschen einen bösen Blick zu und sagte, darüber reden wir noch. Lieschen lag im Bett und musste sich noch ein paar Mal übergeben. Oma tat ihr leid, sie konnte nichts dafür und hatte es doch nur gut gemeint. Sie musste sich ganz was Schönes für die Oma ausdenken. In 14 Tagen hat sie Geburtstag. Erschöpft schlief sie ein.




Omas Geburtstagsgeschenk


Morgen hat Oma Else Geburtstag, sagte Mutti. Wir fahren jetzt mit Oma und Opa einkaufen. Seid schön lieb und macht kein Unsinn, sagte sie im Gehen und warf Lieschen einen merkwürdigen Blick zu. Die Tür fiel ins Schloss und Lieschen atmete befreit auf. Schnell Rieke zieh dich an, wir wollen Oma ein tolles Geburtstagsgeschenk machen. Sie holte aus ihr Zimmer eine Büchse Lack und einen Pinsel. Das hatte sie sich schon einen Tag vorher aus Papas Stall geholt. Dann schnappte sie sich den Ersatzschlüssel von Omas Wohnung. Der hing für Notfälle am Schlüsselbrett, das wusste Lieschen. Sie setzte Rieke in den Handwagen und auf ging es zu Omas Wohnung. Im Wohnzimmer stand eine alte Nähmaschine. Oma ihr Lieblingsstück. Oma zeigte jeden der zu ihr kam diese Maschine. Sie geriet jedes Mal ins schwärmen. Ein Erbstück von ihrer Mutter und noch so gut in Schuss, sagte sie jedes Mal. Lieschen fand das aber nicht und wollte die Nähmaschine etwas überlackieren. Dann wird sich Oma freuen, wenn die Maschine wie neu glänzt. Das wird Omas bestes Geburtstagsgeschenk, dachte sie. Lieschen öffnete die Büchse und fing an die Nähmaschine zu lackieren. Es war aber nicht so einfach, der Lack zog so schwer hinter den Pinsel her. Sicher ist der Lack schon etwas älter, dachte sie. Sie war schon fast fertig als plötzlich Rieke wie wild schrie. Es kam aus dem Stallgebäude. Schnell wollte sie loslaufen, da stieß sie mit dem Fuß die Büchse um. Auf dem Stuhl lag ein weißes Tuch. Das nahm sie und wischte den Lack auf. Zum Glück war es nicht mehr so viel. Auf diese Stelle stellte sie Omas Gummibaum. Sieht sogar recht toll aus neben der frisch lackierten Nähmaschine. Jetzt schnell nach Rieke, sie schrie wie am Spieß. Die Nachbarin rief schon, Else was ist denn bei euch los. Rieke war im Stall auf das Plumpsklo geklettert, weil sie mal musste. Dann ist sie etwas reingerutscht und in der Brille stecken geblieben. Lieschen befreite Rieke aus ihrer misslichen Lage. Die Nachbarin rief immer noch. Lieschen antwortete, Frau Preis, es ist alles in bester Ordnung, Rieke hat sich gestoßen. Lieschen und Rieke liefe in das Wohnzimmer um noch etwas aufzuräumen. Schnell schrieb sie noch einen Geburtstagsgruß für die Oma und klebte den Zettel an die noch feuchte Nähmaschine. Sie öffnete das Fenster damit der Lack schneller trocknet und drückte Rieke den Lappen in die Hand, womit sie den Lack aufgewischt hatte. Den wollte sie zu Hause entsorgen. Dann schloss sie die Wohnung vorschriftsmäßig zu, setzte Rieke in den Handwagen und trottete zufrieden, mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht nach Hause. Sie merkte gar nicht dass es anfing zu regnen. Sie schob den Handwagen in den Stall als ein mächtiger Platzregen herunterrasselte. Ganz verträumt schaute sie in den Regen und freute sich wenn Oma nachher nach Hause kommt und die Überraschung sieht. Riekes Weinen schreckte sie aus ihren Gedanken. Sie wollte Rieke aus den Handwagen nehmen, aber es ging nicht. Sie saß wie festgenagelt im Wagen, auch Riekes Hände waren zusammengeklebt. Rieke schrie das ganze Haus zusammen. Alle Nachbarn waren schon versammelt und versuchten Rieke aus den Handwagen zu befreien. Als Mama und Papa nach zwei Stunden kamen, wusste Lieschen nicht was geschehen war. Alle schimpften und sie bekam eine Woche Stubenarrest. Oma hatte sich nicht gefreut. Sie war fast in Ohnmacht gefallen. Ihre Stube war nach den Platzregen fast überschwemmt. Die Blumentöpfe waren durch den Wind und das offen stehende Fenster heruntergefallen, genau auf ihren neuen Teppich. Den hatte sie von Opa zum Geburtstag bekommen. Der Geburtstag wurde in der Gaststätte gefeiert, ohne Lieschen. Papa hatte eine Woche zu tun den Klebstoff von der Nähmaschine zu ziehen und den angeklebten Gummibaum vom Fußboden zu bekommen. Lieschen hatte die Büchse Lack mit Kleber verwechselt. Rieke wurde auch aus den Handwagen gerettet. Sie saß auf den Lappen mit Kleber, den sie vorher in der Hand hatte. Ihr geht es wieder gut. Lieschen geht es nicht so gut. Alle sind böse mit ihr. Das hat man nun davon wenn man jemanden eine Freude machen will. Oma sucht immer noch ihre neue Damasttischdecke, die sie von Tante Annemie zum Geburtstag bekommen hat. Lieschen vermutet das es das weiße Tuch war, was bei Oma im Wohnzimmer lag und womit sie den Kleber aufgewischt hat. Sie überlegt schon mal wie sie das Tuch wieder sauber bekommt und es der Oma frisch gewaschen und gebügelt überreichen kann. Es hat noch niemand gemerkt dass das Tuch immer noch im Handwagen klebt.
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11 Kommentare
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 18.11.2014 | 08:16   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 18.11.2014 | 08:21   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 18.11.2014 | 08:33   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 18.11.2014 | 08:46   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 18.11.2014 | 10:44   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 18.11.2014 | 12:03   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 18.11.2014 | 14:16   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 18.11.2014 | 14:50   Melden
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 18.11.2014 | 19:49   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 19.11.2014 | 12:26   Melden
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Hildegard Stelzig aus Sangerhausen | 23.11.2014 | 11:21   Melden
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