Eine Kindergeschichte für die Ferienzeit

Wieder eine Kindergeschichte zum vorlesen für Euch.


Ferien zu verkaufen

Es war an einem ganz normaler Morgen, als Mina sich am Frühstückstisch rekelte und verträumt in die Sonne schaute, die durch das Fenster blinzelte. Sie hatte heute überhaupt keine Lust auf Schule. Lieber würde sie auf den Rummel gehen, der seit gestern in ihrem kleinen Dorf auf dem Anger stand.
Mutti sagt: „Mina, träume nicht, du musst los! Pack dein Frühstück ein und dann ab mit dir, sonst kommst du noch zu spät!"
Mina erhob sich lustlos. Mutti gab ihr noch einen Kuss, dann schlug die Tür hinter ihr zu.
Ihre kleine Schwester Finchen stand am Fenster und winkte ihr hinterher. Aber das sah Mina nicht mehr.

Gelangweilt schlenderte sie die Straße entlang. Nicht mal ihre Freundin Tia war zu sehen.
„Jetzt muss ich auch noch alleine gehen", dachte sie ärgerlich.
Wütend stieß sie mit den Fuß gegen einen Stein. Peng! - machte es. Oje, das war das Fenster vom Bäckermeister Pinke.
Schnell weg und schon war sie um die nächste Ecke verschwunden. Sie hastete über den Rathausplatz und versteckte sich im nächsten Hauseingang.
Hier konnte sie niemand mehr sehen. Ihr kleines Herz raste und schlug, als würde es aus dem Hals springen.
„Puh, ist ja noch einmal gut gegangen!“ Sie spähte über die Straße. Kein Mensch war zu sehen.
„Wow, da ist ja der Rummel" ,kam es freudestrahlend aus Minas Mund, der vor Erstaunen offen stand. Nur einen kurzen Blick, überlegte sie, dann rannte Mina hastig los. Mitten auf dem Rummel blieb sie stehen. Sie drehte sich im Kreis. „Ist das schön hier. Oh, könnte das doch meine Freundin Tia sehen.“
Plötzlich blieb sie abrupt stehen. Alles ist so still, kein Rad drehte sich, kein Kindergeschrei.
„Ach so, es wird ja erst am Nachmittag geöffnet“, sagte sie etwas erleichtert.
„Schade“, kam es aus ihrem Mund. „Ich werde eben heute Nachmittag noch einmal hierherkommen“, dachte sie und wollte schon gehen, als sie plötzlich ein kleines verschnörkeltes Häuschen entdeckte. „Ist das aber schön“, staunte sie. Langsam ging sie näher heran. Was war denn das? Ein großes Schild ragte über dem Häuschen. Mina dachte, das kann doch nicht sein! In großer Schrift stand dort ,,Ferien zu verkaufen." „Das gibt es doch gar nicht“, aber dort stand es, direkt vor ihren Augen und in großen Buchstaben.
„Meine Güte, das ist genau das, was ich jetzt brauche“, murmelte sie erstaunt. „Ich muss unbedingt wieder hierherkommen.“
Schnell rannte sie los, um, noch einigermaßen pünktlich in die Schule zu kommen.

Am Nachmittag hatte sie es sehr eilig. Den Ranzen in die Ecke geschleudert, die Jacke hinterher und schon fiel die Haustür hinter ihr ins Schloss. Sie hatte nur eins im Sinn und das war der Rummel. Hier war auch schon der Teufel los, aber das interessiert Mina nicht. Sie dachte nur an das kleine Häuschen und an die Ferien, die sie sich kaufen wollte. „Da ist es! Uh, endlich.“ Sie atmete erleichtet auf. Prustend stand sie vor der kleinen Holztür. Erst einmal kurz Luft holen und dann drückte sie die verschnörkelte Klinke herunter.
Knarrend öffnete sich die Tür. Es war sehr dunkel. Sie blinzelte mit den Augen.
,,Nur herein in mein kleines Reich“, hörte sie eine Stimme, die ihr etwas Schauer über den Rücken laufen ließ. Da sah sie eine Gestalt. Eine alte Frau, saß gebeugt, an einem kleinen wackeligen Tisch. „Komm tritt näher“, zwitscherte sie süßlich. „Aber ich wollte doch nur“, stotterte Mina ängstlich. „Ich weiß was du willst, was alle hier wollen, die zu mir kommen“, lachte sie schallend. Mina trat einen Schritt zurück. „Hab keine Angst“, flüsterte sie süßlich. „Komm, komm näher. Setz dich!“ Mina setzte sich und starrte die Frau an. Sie war Uralt, mindestens 1000 Jahre, dachte sie. Dick und unförmig, saß sie ihr gegenüber. Ihre lange Nase ragte über den verzerrt, lächelnden Mund. Eine dicke Warze, mit einem langen Haar, zierte ihre linke Wange. Aus ihren Augen schienen Funken zu sprühen. Mina schüttelte sich angewidert. Ein Kopftuch verdeckte ihr dünnes, zotteliges Haar. Ihre fleischig, dicken Finger, waren mit glitzernden Ringen übersät. Immer wieder strich sie über ihren schmuddeligen Rock und dabei fixierte sie Mina mit ihren stechenden Blick.
„Du willst von mir Ferien kaufen? , fragte sie etwas streng." „Naja, ja“, stotterte Mina. „HA, ha, ha, ha“, mein Geschäft blüht, lachte sie laut auf. Mina erschrak und sprang vom Stuhl. „He, warte, warte nur“, wollte dich nicht verschrecken mein schönes Kind. Mina zitterte. „Ich will nach Hause“, dachte sie. „Na gut, abgemacht, wie viele Ferientage willst du?, fragte die Alte süßlich." „Ich dachte, einige Monate könnte ich schon gebrauchen“, sagte Mina tapfer. „Oh, das ist ja ein schwaches Geschäft. Na gut und was kannst du zahlen?“ Mina will in ihre Jackentasche greifen, wo sie die Geldbörse vermutete. Aber, oh weh, die Jacke lag zu Hause. „Ich kann nicht“, sagte sie. „Was heißt du kannst nicht“, wetterte die Alte.
„Ich habe kein Geld“.“ Das wird ja immer schöner. Umsonst gibt es hier nichts“, merke dir das. „Aber ich will ja, ich hab es nur vergessen“, jammerte Mina.
„Ja, da kann man nichts machen und heute ist der letzte Tag, tut mir leid, da musst du wohl wieder gehen“, sagte die Alte ärgerlich.
Mina stand mit hängenden Schultern in dem schauerlichen Raum und eine Träne tropfte genau auf ihre Uhr. Die fing plötzlich an zu leuchten.
,,Oh, was hast du denn für eine wundersame Uhr? Dafür würde ich dir ein paar Wochen verkaufen“.
„Nein, stammelte Mina, die ist doch noch von meiner Oma und Mama hat sie mir erst geschenkt“.
„Macht doch nichts“, sagte die Alte und starrte gierig auf die Uhr.
„Na gut“, sagte Mina zögernd und streifte die Uhr von ihrem dünnen Handgelenk. „Oh, wenn das Mutti wüsste“, dachte sie.
„Die ist wirklich sehr schön, gut abgemacht, aber nur vier Wochen“, sagte die Alte und ließ die Uhr, schnell in ihre schmuddelige Tasche verschwinden.
Sie hob ihre knochigen Hände und rief: „Sarie, Marie, Farie, Ferien eiltet schnell herbei“!
Es knallte und blitzte fürchterlich und schon stand Mina wieder auf dem Rummelplatz. Es war muxmäuschenstill. Mina schaute nach allen Seiten. Es hat sich nichts verändert, nur das kleine Häuschen war wie vom Erdboden verschwunden.
,,Geschafft, endlich Ferien. Hurra“, rief sie laut und klatschte in die Hände. Sie hüpfte über den Rummelplatz, aber alles war menschenleer. Komisch, ich habe doch eben noch Kinder gesehen“, ach egal. Die Musik spielte und das Karussell drehte sich einladend. Sie verbrachte den ganzen Tag auf den Rummel. Hunderte Male war sie mit alle Karussells gefahren, geschaukelt, gerutscht und sehr viel Eis gegessen. Es kostete ja nichts, weil niemand hier war.
Sie hatte keine Lust mehr. „Allein macht es auch keinen Spaß“. Der Bauch tat ihr entsetzlich weh, vom vielen Eis und schlecht war ihr auch, vom Karussell fahren.
„Ich gehe nach Hause, Mutti macht mir sicher einen warmen Tee“, jammerte Mina und hielt sich den schmerzenden Bauch.
Langsam schlich sie heimwärts. Als sie vor der Tür stand, klingelte und niemand öffnete, stellte sie mit entsetzen fest, dass sie auch keinen Wohnungsschlüssel hatte.
„Mama, Mama“, rief sie und hämmerte an die Tür. Vergeblich. Sie setzte sich auf die Treppe und weinte. Mit ihren kleinen Händen hielt sie sich ihren schmerzenden Bauch. „Oma, jammerte sie, Mama ist bestimmt bei Oma“. Sie lief los.
Endlich stand sie vor Omas Haus. Aber irgendwie ist es heute anders. Die Fensterläden waren auch geschlossen. Sie klingelte und klingelte so lange bis ihr der Finger schmerzte. Niemand öffnete ihr die Tür. „Ich habe Bauchschmerzen, jammerte sie und mir ist ja so schlecht. "
,,Ich muss nach Tia, vielleicht kann sie mir helfen“. Aber auch dort öffnete ihr niemand die Tür.
Voller Entsetzen rannte sie zur Schule. „Dort treffe ich bestimmt noch jemand an. Der Hausmeister oder die Putzfrauen sind sicher noch dort und können mir helfen“. Prustend erreichte sie die Schule und öffnete die schwere Eingangstür. „Wenigstens war die nicht verschlossen“, dachte Mina erleichtert. Sie lief durch die langen Gänge und öffnete sämtliche Türen. Nichts, niemand war hier. „Naja, kann ja sein, dass die auch alle Ferien gekauft haben. Aber das macht überhaupt keinen Spaß, wenn man so allein ist. Außerdem habe ich Bauchschmerzen und mir ist schlecht. Ich will keine Ferien mehr“, rief sie wütend und stampfte mit ihren Beinen auf, dass es laut schallte.
Es hat sich gerade so angehört, als würde jemand lachen. War da nicht gerade ein Schatten um die Ecke gehuscht? Sie hatte große Angst.
,,Ich muss die Ferien wieder zurückgeben. Ich will auch meine Uhr zurück. Ich weiß nicht einmal wie spät es ist“. Wieder zwickte ihr Bauch entsetzlich. „Ich muss zurück zum Rummel“.
Sie machte sich auf den Weg. „Nie werde ich mir wieder Ferien kaufen“, jammerte sie vor sich her.
Nach einiger Zeit stand sie wieder auf dem Rummel. „Aber wo war das Häuschen?" Sie drehte sich im Kreis. „Ach, da ist es ja!" Komisch, stand es nicht auf einer anderen Stelle und das Schild war auch weg? „Na, ist jetzt auch egal“.
Sie klopfte zaghaft an die Tür. Eine freundliche Stimme rief: „Nur herein in meine gute Stube“. Sie öffnete die Tür und betrat einen hellen freundlichen Raum. „Oh“, sagte sie und ihr Mund blieb vor Entsetzen weit auf stehen. Eine Frau kahm ihr lächeln entgegen. Es war eine Fee und sie sah ihrer Mutter etwas ähnlich.
„Komm setz dich und erzähl mir was dich in mein Reich führt“, sagte sie mit sanfter Stimme. Sie fasste Minas Hand und geleitete sie zu einem Stuhl. Mina wusste überhaupt nicht was sie sagen sollte und ließ sich auf den Stuhl plumpsen. Ja, jetzt hatte sie sich etwas gefangen. Sie wollte keine Ferien mehr und ihre Uhr zurück. Ein paar Tränen kullerten über ihr Gesicht. „Oh, weine nicht“, sagte die Fee und strich ihr übers Haar. „Erzähl mir Alles, vielleicht kann ich dir helfen“.
„Wo ist denn die alte Frau? , stotterte sie" „Hier ist keine alte Frau“, sagte die Fee und zwinkerte ihr aufmunternd zu.
Mina begann zu erzählen. „Nun bin ich hier, will meine Uhr zurück und niemals wieder Ferien kaufen“. Voller Erwartung schaute sie der Fee in die Augen. Diese runzelte ihre Stirn.
„Ich möchte dir ja so gern helfen, aber ich kenne die alte Frau nicht. Wie soll ich dir nur helfen?, fragte die Fee und schaute Mina mittleidig an."
,,Diese Augen, dachte Mina, genau solche Augen hat Mama“. Jetzt brach alles aus ihr heraus und sie fing entsetzlich an zu weinen. „Ich will keine Ferien und meine Uhr, wo ist meine Uhr?"

„Mina, Mina“, jemand schüttelte sie sanft. „Hier ist doch deine Uhr“. Mina erschrak und schaute ihrer Mama ins Gesicht. Mama schimpfte etwas: „Du sitzt hier, starrst durch die Gegend und vertrödelst deine Zeit. Jetzt musst du dich aber wirklich beeilen, die Schule fängt gleich an. Heute gibt es Zeugnisse und dann hast du Sommerferien. So gut möchte ich es auch noch einmal haben“, lächelte Mutti. „Hier hast du etwas Geld und kauf dir was Schönes“, sagte sie. Mina starrte ihre Mutti an, dann lächelte sie und sagte: „Ich brauche kein Geld Mama und die Ferien gibt es heute umsonst“. Mina holte tief Luft und lächelte erleichtert. Sie gab ihrer Mama einen dicken Kuss und hüpfte zur Tür.
Mama blickte, voller Sorgen, ihrer Tochter hinterher. „Das Kind wird doch kein Fieber haben, murmelte sie und schüttelte den Kopf. Wird Zeit, dass es Ferien gibt, ich denke Mina ist etwas überfordert. Komm Finchen, ich bringe dich in den Kindergarten“, sagte sie zu Minas kleiner Schwester, nahm sie auf den Arm und dann verließen beide das Haus.


Zu finden im Buch "Die verhexte Märchenwelt"
Fantasie und Kindergeschichten
Engelsdorfer Verlag
ISBN 978-3-86268-140-2

Karin Lehmann
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12 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 16.10.2014 | 11:26   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 16.10.2014 | 12:26   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 16.10.2014 | 13:00   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 16.10.2014 | 13:21   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 16.10.2014 | 13:55   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 16.10.2014 | 14:04   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 16.10.2014 | 14:05   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 16.10.2014 | 14:24   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 16.10.2014 | 15:42   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 16.10.2014 | 16:04   Melden
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Brunhild Schmalfuß aus Halle (Saale) | 20.10.2014 | 17:25   Melden
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Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 22.10.2014 | 13:25   Melden
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