Wieder eine Kindergeschichte für die kalte Jahreszeit.

Geschrieben für die Grundschule in Hoym.
Bobby ist ein Bär und das Maskottchen von dieser Schule.




Wo ist unser Bobby?

Als die Kinder am frühen Morgen auf den Schulhof kamen, blieben sie vor Schreck wie angewurzelt stehen. Erst war es mucksmäuschenstill, dann aber schrien alle laut durcheinander. „Wo ist unser Bobby? Er steht nicht mehr auf seinem Platz. Man hat unseren Bobby gestohlen“, rief der kleine Fred und rückte seine Brille gerade, die ihm viel zu groß war und immer wieder von der Nase rutschte. Alle Kinder der ersten bis zur vierten Klasse standen jetzt auf den Schulhof und starrten auf die leere Stelle, wo einst ihr Maskottchen, ein Bär Namens Bobby, gestanden hatte. Lena aus der zweiten Klasse weinte leise. Wieder wurde es sehr laut. „Ruhe, Ruhe“, rief Frau Stuck, die Direktorin, die sich vor Schreck wieder etwas gefangen hatte. „Ich weiß nicht was dass zu bedeuten hat, aber wir wollen unseren Bobby wieder haben. Er gehört hierher, in unsere Schule und auf seinen Platz!“ „Ja“, riefen die Kinder laut. „Wir werden die ganze Schule durchsuchen, sagte sie weiter. Ihr geht jetzt in eure Klassen. Eure Klassenlehrerin wird euch sagen wo ihr suchen sollt“.
Die Kinder liefen los. “Wer Bobby findet meldet sich sofort bei mir“, rief Frau Stuck noch hinterher. Der Schulhof war plötzlich wie leer gefegt. Nur die kleine Lilli, aus der ersten Klasse stand noch hinter der großen Kastanie. Ihre Hände tief in den Hosentaschen versteckt scharrte sie gedankenverloren mit dem Fuß im Sand. Als würde sie die ganze Sache überhaupt nicht interessieren, blinzelte sie verlegen in die Sonne. „He Lilli“, sagte Frau Stuck erstaunt und fasste ihre Hand. „Geht es dir nicht gut?“ Lilli erschrak und wurde ganz rot. „Doch, doch“, stotterte sie und schüttelte heftig ihr blondes Lockenköpfchen. „Na dann lauf schnell in deine Klasse und vergiss deinen Schulranzen nicht“. Sie lächelte und schüttelte den Kopf als sie sah, dass Lilli ganz verschreckt los rannte. „Irgendetwas stimmt mit dem Kind nicht“, dachte sie, als sie noch einmal die leere Stelle betrachtete wo Bobby gestanden hat.
Zur gleichen Zeit durchsuchten die Kinder und Lehrer das gesamte Schulgebäude. Aber diese Suche blieb leider ergebnislos und alle versammelten sich nach einer Stunde wieder auf den Schulhof. Frau Stuck sprach kurz mit den anderen Lehrern, dann hob sie ihre Hände und bat um Ruhe. „Leider haben wir Bobby nicht gefunden, sagte sie traurig. Es bleib uns nichts anderes übrig, wir müssen die Polizei verständigen.“ Ein Raunen war zu hören. „Ja, das ist richtig“, nickte der lange, schlaksige Lucas, holte einen Zettel aus der Jackentasche und machte sich wichtig tuerisch einige Notizen. Die Direktorin benachrichtigte die Polizei. Die Kinder mussten unter großen Protest den Schulhof wieder verlassen. Es dauerte nicht lange und die Polizei kam mit lautem Tatü Tata angefahren. Alle Kinder drückten ihre Nasen an der Fensterscheibe breit und staunten. „Bor, gleich mit drei Autos kommen die angerauscht“, staunte Fred und putzte seine Brille um nichts zu verpassen. „Ist doch klar, sagte Lucas unser Bobby ist doch was ganz wertvolles“. Wieder machte er sich anscheinend wichtige Notizen und schaut erhaben in die Runde, aber niemand beachtet ihn. Alle starrten auf den Schulhof, denn dort war heute mächtig was los. Es wurde fotografiert, diskutiert, abgemessen und anschließend, mit einem rot ,weißem Band, alles abgesperrt. Ein dicker Polizist, macht sich einige Notizen und wischt immer wieder über seine rote, knollige Nase. Ein kleiner Polizist, läuft aufgeregt auf den Schulhof hin und her. Er schüttelt immer wieder seinen Kopf und kann sich gar nicht beruhigen, dabei rauft er sich ständig sein Haar. Jetzt setzt er sich mit Frau Stuck auf eine Bank und diskutiert wild mit den Armen. Ich würde meine Schlappschleuder dagegen eintauschen, wenn ich wüsste was die da unten zu reden haben, sagte der dicke Bennie und bis genussvoll in eine Leberwurstschnitte. Plötzlich starrte Bennie zur Tafel. Dort standen Karlchen und Lieschen. Die zwei tuschelten schon eine ganze Weile miteinander. Aber wie sahen die beiden denn aus? Überall hatten sie weiße Flecken. Bennie ging zur Tafel. He Dicker, was starrste uns denn so an, fragte Karlchen? Bennie zeigte auf die Flecken und nuschelte mit vollem Mund, seid ihr etwa in ein Kalk Fass gefallen? Lieschen bekam einen roten Kopf und stotterte, iss schön dein Brot und schieb ab Dicker. Wir haben schließlich wichtige Sachen zu erledigen, als uns mit dir zu unterhalten. Komm, sagte sie zu Karlchen, fasste seine Hand und zog ihn zur Toilette. Bennie starrte den beiden nach, schüttelte den Kopf und sagte, Fräulein Wichtig die dumme Ziege. Er ging wieder zum Fenster. Die kleine Lilli saß auf der Schulbank, wackelte mit den Beinen und lächelte. He Lilli, dich scheint das wohl überhaupt nicht zu interessieren zwitscherte Pia und wischte über ihren neuen Rock. Ausgerechnet du, hast doch am meisten bei Bobby gesessen. Na und, der wird schon wieder kommen, sagte Lilli ziemlich uninteressiert und drehte an ihren Haaren. Es klingelte zur Pause, aber niemand schien es zu hören. Frau Weiß betrat den Klassenraum. Sie sagte, ihr packt jetzt eure Ranzen und geht nach Hause. Bitte bleibt aber nicht auf dem Schulhof stehen. Ich möchte nicht, dass ihr die Polizei bei ihren Ermittlungen stört. Ein Murren ging durch den Raum. Oh Manometer, immer wenn es interessant wird, müssen wir gehen, maulte Jonas. Plötzlich, rief jemand laut um Hilfe. Was ist denn jetzt schon wieder passiert, rief Frau Weiß. Alle Kinder stürmten die Treppe hinunter und schon standen sie wieder auf dem Schulhof. Frau Weiß schlug ihre Hände vor das Gesicht und rief, du meine Güte auch das noch. Der dicke Polizist stand mit seinem Fuß in einem Loch, aus der eine weiße Masse heraus quoll. Er schrie immer noch, ruderte mit seinen Händen und pardauts saß er auf seinen breiten Hintern. Er strampelte mit den Beinen, so dass die weiße Masse in sein Hosenbein lief. Jetzt kam auch Herr Wuschel, der Hausmeister, angelaufen. Prustend und mit hochrotem Kopf, versuchte er den Polizisten hoch zu ziehen. Endlich hatte er es geschafft. Der Hausmeister bückte sich und untersuchte die weiße Masse. Das ist Gips, sagte er laut. Wer war das, rief Frau Stuck? Karlchen meldete sich zögernd. Karlchen du, was soll das denn? Ich, ich auch rief Lieschen und stellte sich neben Karlchen. Der fing an zu schluchzen. Wir wollten doch nur ermitteln und dann hätten wir ihnen gesagt wer unseren Bobby gestohlen hat. Da war doch ein riesiger Fußabdruck, sagte Lieschen. Sie schaute grimmig zum dicken Polizisten und sagte verärgert jetzt aber nicht mehr, der hat ja alles kaputt gemacht. Ihr entschuldigt euch sofort bei der Polizei, sagte Frau Stuck und wir reden morgen darüber. Naja, ist doch noch einmal glimpflich verlaufen, sagte der dicke Polizist etwas versöhnlicher, nachdem sich die beiden entschuldigt hatten und versprechen mussten so etwas nie wieder zu machen. Wenn ihr alt genug seid, könnt ihr ja bei uns anfangen, zwinkerte ein anderer Polizist. Oh wirklich, fragte Lieschen erstaunt. So und jetzt verlassen alle den Schulhof und gehen nach Hause, rief Frau Weiß.
Die kleine Lili schnappte ihren Ranzen und lief so schnell sie konnte nach Hause. Ihre Eltern waren noch auf der Arbeit. In ihrem Zimmer stellte sie den Schulranzen in die Ecke und ließ sich auf einen Stuhl plumpsen. Bor, war das heute aufregend. Dann schaute sie sich um. Bobby, Bobby wo bist du rief sie immer wieder. Niemand antwortete. Sie warf sich auf ihr Bett und weinte bitterlich.
Jeden Abend wenn Lilli im Bett lag, kam Bobby, aus der Schule zu Besuch. Er verwandelte sich in einen kleinen Plüschbären, setzte sich an Lillis Bett und erzählte ihr eine Geschichte. Wenn Lilli eingeschlafen war verschwand er jedes mal wieder. Nur heute Morgen, als Lilli aufwachte, saß er noch in ihr Sessel. Bobby, rief Lilli erschrocken. Bobby erwachte und rieb sich verschlafen seine Knopfaugen. Was machst du denn noch hier? Du musst doch längst in der Schule sein. Geh schon mal vor sagte Bobby, ich komme nach, hab nur noch einen wichtigen Weg. Und das war es, Bobby kam aber nicht zur Schule.
Lilli weinte immer noch, als sie plötzlich bemerkte, dass ihr jemand übers Haar strich. Es war Mina, ihre Lieblingspuppe. Weine nicht, Bobby hat gesagt er kommt gleich wieder. Eigentlich müsste er schon hier sein, aber ich glaube du solltest mal nachschauen, wo er bleibt. Wie Nachschauen? Wo denn? Wo ist Bobby, jammerte Lilli ganz verzweifelt. Gestern als du schon geschlafen hast, erzählte er mir, dass er einen großen Wunsch hat. Jeden Tag wenn er auf dem Schulhof steht, hörte er wie sich die Kinder über ihren neuen Schulgarten unterhalten, wie schön es dort wäre und das neue Gerätehaus, ist so toll geworden. Naja und das wollte er unbedingt auch sehen. Er wollte gestern Abend noch hin, aber weil wir uns noch so lange unterhalten haben, ist er wohl vor Müdigkeit eingeschlafen. Er war auch sehr erschrocken heute Morgen, aber er muss unbedingt noch einen kurzen Blick in den Garten werfen, sagte er und dann würde er sofort zur Schule gehen. Ja, aber da ist er nicht, rief Lilli verzweifelt. Die Polizei ist sogar schon dort. Oh, was wollen wir denn jetzt machen, fragte Mina ängstlich. Die werden uns doch nicht verhaften? Ich gehe natürlich sofort zum Schulgarten und schaue nach. Ich will mit, rief Mina. Du wartest hier und passt auf, falls Bobby noch kommt. Ich bin gleich zurück. Schon sauste sie aus der Haustür, die krachend ins Schloss fiel. Sie rannte wie ein Wiesel und erreichte japsend den Schulgarten. Aber die Tür war verschlossen. Kurz schaute sie sich um und schwupp kletterte sie auf die Mauer. Oh, ist das aber hoch, dachte Lilli, aber sie wollte ja Bobby suchen und sprang tapfer hinunter. Doch in diesem Augenblick, fiel ein morscher Stein aus der Mauer und sie rutschte ab. Sie landete direkt auf ihrem Kopf, aber zum Glück auf dem weichen Rasen. Der Kopf schmerzte als sie mir ihrer Hand über eine dicke Beule strich. Au, jammerte sie. Etwas taumelig erhob sie sich. Ich muss Bobby finden, dachte sie und stolperte durch den Garten. Aber weit und breit war niemand zu sehen. Bobby, Bobby rief sie immer wieder verzweifelt. Nichts! Doch, was war das? Da rief jemand ihren Namen. Bobby, wo bist du? Wieder hörte sie ganz leise ihren Namen. Es kam aus dem Gerätehaus. Sie schlich sich näher. Jetzt hörte sie es deutlicher. Bobby bist du es? Ja, ich bin es dein Bobby. Die Tür, jemand hat die Tür zugeschlossen. Tatsächlich, da steckte sogar noch der Schlüssel. Warte ich bin gleich bei dir. Lillis Hände zitterten vor Erschöpfung, als sie die Tür auf schloss und öffnete. Es war sehr dunkel und sie konnte nur Umrisse erkennen. Bobby, flüsterte sie. Ja hier, sagte Bobby erleichtert, hier bin ich. Sie machte vorsichtig ein paar Schritte ins Gerätehaus. Bobby, komm her, sagte sie noch, da knallte plötzlich die Tür zu. Dann wurde es dunkel und Lilli schlug wie wild um sich. Bobby, Bobby schrie sie immerzu. Lilli, Lilli, hallo Lilli, jemand schüttelte sie sanft hin und her. Lilli öffnete die Augen. Wo bin ich? Mama, was machst du denn hier? Mama strich ihr sanft übers Gesicht. Du hast geträumt, sagte sie und drückte Lilli an sich. Oh, mein Kopf tut weh, jammerte Lilli. Du bist gestern auf dem Schulhof gestolpert und mit dem Kopf direkt gegen Bobby gefallen. Waaaas, das kann doch nicht sein, ich muss sofort zur Schule, sagte Lilli aufgeregt. Du musst noch etwas liegen bleiben, erwiderte Mama. Nein Mama, dass geht nicht. Schnell schlüpfte sie in ihre Sachen und rannte zur Schule. Alles war wie immer. Bobby stand an seinem Platz und die Kinder liefen lärmend über den Schulhof. Langsam ging Lilli nach Bobby. Sie hatte das Gefühl, als lächelte er ihr zu. Na Lilli, geht es dir besser, fragte Frau Weiß. Geht so antwortete Lilli. Dann rief Frau Weiß, hört mal alle her. Heute Nacht muss sich ein Tier in unserem Schulgarten verirrt haben und hat dabei einige Beete verwühlt. Wer kommt am Nachmittag und hilft aufräumen? Fast alle meldeten sich, auch Lilli hob zaghaft die Hand. Du gehst schön nach Hause und ruhst dich noch etwas aus, sagte Frau Weiß, blinzelte ihr seltsam zu und ging. Ja, antwortete sie und schaute fragend auf Bobby. Na dann bis heute Abend Bobby, flüsterte sie und ging nach Hause.

Karin Lehmann


Erschienen im Kinderbuch "Lalunafee" Pst, hört mal zu
Engelsdorfer Verlag
ISBN 3-86901-481-4

Gewidmet wurde das Buch, von den Autoren, dem Kinderhospiz in Syke.
Vom Erlös des Buches geht ein großer Teil an das Kinderhospiz
Löwenherz.
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4 Kommentare
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 22.10.2014 | 22:28   Melden
6.392
Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 22.10.2014 | 22:35   Melden
11.453
Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 23.10.2014 | 07:56   Melden
6.392
Karin Wagner-Lehmann aus Aschersleben | 23.10.2014 | 08:29   Melden
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