Wie der Gin Tonic zum internationalen Trendgetränk wurde

Gin Tasting. Eigenes Bild

Wer vor einigen Jahren noch an Gin dachte, der dachte meist an Queen Mum. Die Wacholderspirituose galt als altmodisch und stand höchstens in verstaubten Wohnzimmerbars traditioneller Senioren - oder aber im britischen Königshaus. Doch dann wurde der Longdrink-Klassiker Gin Tonic mit aromatisierenden Ingredienzien wie Gurke oder Zitrone kombiniert. Seitdem ist ein regelrechter Hype um das eigentlich sehr simple Getränk entstanden.

Vor fünf bis acht Jahren noch, da war es ein leichtes einen Gin Tonic in einer Bar zu bestellen. Zwei Wörter genügten und man bekam einen Longdrink, der so alt ist wie seine Zutaten. Vier bis sechs Zentiliter Gin, auffüllen mit Tonic Water, fertig war der Klassiker. Wenn überhaupt jemand einen Gin Tonic bestellte; denn ehrlich gesagt war der Drink nicht gerade angesagt. Er galt er als verstaubt und langweilig. Was sicherlich mit dem lieblosen und gedankenlosen Zusammenschütten zweier Flüssigkeiten zu tun hatte.

Vor einigen Jahren dann erlebte die Spirituose, mit der die meisten eher Queen Mum als Genuss verbanden, eine Renaissance, die bis heute anhält. In einer Bar ist es nahezu unmöglich geworden einfach einen Gin Tonic zu bestellen. Der versierte Genießer nennt gleich die gewünschte Ginmarke und natürlich auch das dazu passende Tonic Water. Zu jedem Gin passen andere Aromaträger. Ihre Vielfalt ist unersättlich, so dass der Gin Tonic zu einem mannigfaltigen Getränk geworden ist.

Als Hendricks die Gurke hinzugab


Begonnen hat die Anreicherung des Drinks mit der Marke Hendricks. Die Ginmacher experimentierten bei der Herstellung ihrer Spirituose unter anderem mit Gurkenschalen. Weil es dem Geschmack tatsächlich zuträglich war, empfahlen sie Bartendern und Kunden, einem Gin Tonic mit Hendricks ein Stück Gurke hinzuzugeben. Was zunächst ungläubige Blicke hervorbrachte, war die Geburtsstunde eines globalen Trends.

Die wichtigste Zutat des Gins ist Wacholder. Ebenfalls dominant ist häufig der Koriander. Zum Aroma tragen aber auch Gewürze bei. Jeder Hersteller hat seine aromabestimmenden Geheimzutaten. Manchen Gins sind eher zitruslastig, andere schmecken mehr nach Kräutern. Beliebt sind beispielsweise Ingwer, Muskat, Orangenschalen und Kerne vom Paradiesapfel. Der Agraralkohol für die farblose Spirituose wird aus stärkehaltigen Rohstoffen wie Getreide oder Melasse gewonnen. Der Alkoholgehalt des Endprodukts muss mindestens 37,5 Prozent betragen, meist liegt er aber zwischen 40 und 47 Prozent.

Man sieht, die Aromavielfalt unter den Gins ist groß und sie ist in den letzten Jahren noch größer geworden. Wer das ganze Potential der Spirituose erfahren will, der sollte deshalb unbedingt an einem Gin-Tasting teilnehmen, wie es beispielsweise bei www.ginie.de angeboten wird. Dort kann man diverse Sorten kennenlernen und erfährt auch Wissenswertes zum richtigen Mixen des Gin Tonic.

Der Hype, der den Gin wiederbelebt hat, hat natürlich auch zu neuen Ginmarken geführt. Und sogar dazu, dass selbst in Deutschland Gin destilliert wird. Der blumige, mit Zitrusnoten versetzte, lieblich sowie leicht pfeffrige Monkey 47 stammt aus dem Schwarzwald und wird deshalb auch als Schwarzwald-Gin bezeichnet. Er ist erstmal 2010 in den Handel gekommen und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit.

Absatz der führenden Ginmarken weltweit im Jahr 2015


Marke / Absatz in 9-Liter-Einheiten
Ginebra San Miguel (San Miguel) / 20,4 Millionen
Gordon's (Diageo) / 4,4 Millionen
Bombay (Bacardi) / 3,3 Millionen
Beefeater (Pernod Ricard) / 2,7 Millionen
Seagram's (Perond Ricard) / 2,5 Millionen
Tanquery (Diagel) / 2,4 Millionen
Quelle: Statista

Weil es gerade bei Kreationen, die im Wesentlichen aus nur zwei Zutaten bestehen, besonders auf deren Qualität ankommt, hat es nicht lange gedauert, bis sich findige Unternehmer auch an die Herstellung neuer Tonic Waters gemacht haben. Bis dahin war Erfinder Schweppes beinahe die einzige Marke und beherrschte den Markt. Mittlerweile gibt es mit Fentimans, Fever-Tree, Thomas Henry und Co. hervorragende Tonic-Alternativen. Und zu jedem Gin das passende Tonic Water.

Wie der Vodka den Gin verdrängte


Wenn schon die Gurke passt, wieso nicht auch andere Aromaträger? Getreu diesem Motto bietet jede Bar die etwas von sich hält ihren Signature-Gin-Tonic. Und weil es unendlich viele Gewürze, Kräuter, Früchte und Gemüsesorten gibt, gibt es auch unendlich viele Gin-Tonic-Kombinationen. Wichtig ist der Einklang mit der Spirituose und dem Filler, also dem Tonic Water. Die neusten Trends sind sicherlich Quitten, Lavendel und Rosenwasser.

Das der Gin heute so populär ist, auch als pures Getränk, ist schon bemerkenswert. In der Bar spielte er schon immer eine herausragende Rolle, was man zum Beispiel an alten Barbüchern sehen kann. Der geschmacksneutrale Vodka hingegen hatte in der American Bar nichts verloren. Doch dann kam Smirnoff und brachte ihn ganz groß raus.

Um den Vodka populär zu machen, investierte Smirnoff Millionen ins Marketing. Der Coup: Man machte sich Hollywood zu Nutze und lies Stars wie Woody Allen und Zsa Zsa Gabor die osteuropäische Spirituose trinken. Smirnoff erfand den Moscow Mule, einen Cocktail aus Vodka, Limettensaft und Ginger Beer. Und spätestens als James Bond im ersten Film ("Dr. No" von 1962) seinen Martini geschüttelt und nicht gerührt, wichtiger aber noch mit Vodka statt Gin trank, war der Durchbruch geglückt. Die Smirnoff-Flasche stand stets im Bild.

In den 70er-, 80er- und 90er-Jahren waren Säfte und Sirups angesagt, statt klarliniger Longdrinks wurden vor allem bunte Cocktails mit möglichst vielen Zutaten getrunken. Der klare und neutrale Vodka war dafür wie geschaffen, kann er doch mit allem gemixt werden. Zuletzt waren es die Alcopops, die die Umsätze der Vodka-Hersteller nochmal in die Höhe sprießen ließen. Doch seit Beginn des 21. Jahrhunderts besinnt man sich zunehmend mehr auf Natürlichkeit und Klarheit. Der Gin konnte sich zurückkämpfen und hat immer noch Potential.

Der Siegeszug des Gin Tonic im Überblick:


- Um 1840 begannen die Briten in den indischen Kolonien Chininpulver einzunehmen um sich vor allem gegen Malaria, aber auch gegen andere Krankheiten zu schützen.
- Chininpulver ist sehr bitter, so dass die Briten es zur besseren Verträglichkeit mit Soda und Zucker mischten. Das Tonic Water war unfreiwillig erfunden worden.
- Schweppes verkaufte Tonic Water ab 1870 unter dem Namen "Indian Chinin Tonic".
- Kurze Zeit später begannen die erste Lokalpatrioten Tonic Water mit ihrer Nationalspirituose zu mischen.
- In der American Bar avanciert der Gin Tonic zum Klassiker.
1
Einem Mitglied gefällt das:
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.