Forschung in Quedlinburg

Eingangsbereich mit Büste des Namensgebers Julius-Kühn
 
Frau Hahn erläuterte uns die Aufgaben und das Wirken von Julius Kühn

„Wer bewirkt, dass dort, wo bisher ein Halm wuchs, nunmehr zwei Halme wachsen, der hat mehr für ein Volk geleistet als ein Feldherr, der eine Schlacht gewann.“

Unter diesem Motto Friedrich des Großen besuchten am 15.09.2015 die Mitglieder des Rotary Club Aschersleben das Julius Kühn-Institut Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Quedlinburg (Link). Für den Club Aschersleben war dies besonders interessant, da viele Jahre eine Vorgängerinstitution in Ascherleben ihren Sitz hatte und Mitglieder des Clubs dort beruflich tätig werden.
Bereits beim Eintreffen auf dem Gelände ist man von der Größe und Komplexität, aber auch Moderne des Standortes beeindruckt. Hier ist besonders hervorzuheben, dass Quedlinburg der Sitz der Leitung und der zentralen Verwaltung der 16 Institute ist, welche an 10 Standorten in der Bundesrepublik verteilt sind. Das reicht von der Kartoffelforschung in Groß Lüsewitz im Norden bis in Süden, Siebeldingen, wo rund um die Weinrebe geforscht wird. In einem interessanten Vortrag der Pressesprecherin Frau Hahn erfuhren wir viel über die Ziele, aber auch Probleme der Forschung, sei es die Finanzierung von Projekten oder die Akzeptanz der Forschungsergebnisse, die trotz positiver Wirkungen dann nicht umgesetzt werden können. Um die Vielfältigkeit und Leistungsfähigkeit der Kulturpflanzen zu erhalten, werden u.a. Pflanzen gezielt mit Schädlingen besetzt oder „unter Stress“ gesetzt (Trockenheit, Feuchte), um die Reaktionen der einzelnen Pflanzen zu erkennen und solche heraus zu finden, die auf derartige Einflüsse gut reagieren oder gegen bestimmte Schädlinge resistent sind. Dann versucht man, die Ursache für diese Resistenz herauszufinden, um diese dann nach Möglichkeit von vornherein in die Pflanzen mit ein zu züchten, um eine widerstandsfähige Sorte zu erhalten.
Viele kennen das Problem, gut aussehender, aber nicht schmeckender Erdbeeren. Hier erhielten wir von Herrn Dr. Ulrich in engagierte Art und Weise Informationen über die Aromenforschung am Standort. Leider verlieren besonders alte Sorte durch Kreuzungen und andere Ursachen schlichtweg die Geschmackstoffe. Diese müssen zuerst identifiziert und dann durch gezieltes Kreuzen und Züchten wieder in die Erdbeerpflanze eingebracht werden, damit diese auch wieder wie eine Erdbeere schmeckt. Dieses ist mit sehr hohem, filigranem Aufwand verbunden, denn einzelne Blüten müssen per Hand bearbeitet werden. Das braucht Zeit. Nicht nur dort. Die “Geburt“ der gegen Pilzkrankheiten relativ resistenten Weinrebe „Regent“ am Institut in Geilweilerhof/ Siebeldingen dauerte fast 30 Jahre. Daran erkennt man, dass derartige Forschung in privater Hand unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum möglich und hier der Staat für Züchter, Landwirte und zuletzt auch für Imker (es gibt hier die einzige offizielle Bienenuntersuchungsstelle) in Vorleistung gehen muss.
Unser fast dreistündiger Besuch endete mit einer Begehung der fast 9.000 m² großen Gewächshausanlagen, die an ca. 35 ha Versuchsfeldackerfläche angrenzen. Der Versuchsfeldleiter Steffen Schwarz erläuterte uns die Funktionsweisen der Klimakammern, wo unterschiedlichste Witterungs- und Klimaverhältnisses simuliert werden, erklärte uns die Regeltechnik (über 61.000 Datenpunkte können ausgelesen werden) und zeigt uns laufende Versuche. Die Größe und technische Raffinesse ist beeindruckend.
Hier sind jeden Tag „große Feldherren“ im Einsatz, um im Motto zu bleiben. Wir können nur empfehlen, die Tage der offenen Tür dort zu nutzen, um mehr über diese Interessante Arbeit zu erfahren und sagen herzlich Danke für die Führung!
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