Nur eine kleine Mücke

Mit einem Eimer Wasser beginnt die Zika-Gefahr. Die Stadtverwalung versucht, die Bürger mit Flyern aufmerksam zu machen.

Die Verbreitung des Virus Zika durch die Denguemücke hat Brasilien weltweit in die Schlagzeilen gebracht. Anne-Kirstin Berger erlebt vor Ort, dass der Kampf gegen den Moskito eine Frage der Achtsamkeit der Bevölkerung ist.


Die Gefahr ist gerade einmal einen halben Zentimenter klein - und doch so groβ, dass sie nun ein ganzes Land in Atem hält. Die Mücke aedes aegypti hat die Weltgesundheitsorganisation zu einer Gesundheitswarnung veranlasst. Sie ist der Grund, warum in Brasiliens Groβstädten Salvador, Rio de Janeiro und São Paulo hunderte Soldaten mit Infozetteln von Haus zu Haus gehen und sie lässt den brasilianischen Gesundheitsminister von einem “verlorenen Kampf” sprechen.

90% der Mückenlarven innerhalb der Haushalte

Der Moskito, bekannt als Denguemücke, galt in Brasilien in den Fünfzigerjahren bereits als ausgerottet. Dann kam er aber wieder, eingeschleppt aus den Nachbarländern. Das Dengue-Risiko ist nichts Neues, die aktuelle Zika-Epedemie, gleichzeitig mit einem Anstieg von Fehlbildungen bei Säuglingen, hingegen schon. 90 Prozent der Mückenbrutstätten liegen innerhalb der Haushalte und Gärten – die Verantwortung, der Mücke die Lebensgrundlage zu nehmen und damit das Virus auszurotten, liegt also bei den Bürgern. Vielen fehlt allerdings dieses Bewusstsein: Wasserknappheit und steigende Trinkwasserpreise haben dafür gesorgt, dass viele Menschen in den Städten Kanister aufgestellt haben, um das Regenwasser zu sammeln und zum Putzen zu verwenden. Schon ein zurückgelassener Autoreifen genügt den Larven als Brutstätte. Die Bedrohung ist daher dort besonders groβ, wo Menschen in einfachen Verhältnissen leben und die Müllabfuhr nicht oder nicht gut funktioniert: in den Vorstädten und Favelas sowie im strukturschwachen Nordosten Brasiliens.

Brutstätte im Hundenapf

Auch Minas Gerais, wo ich wohne, ist betroffen. Seit Jahresanfang sind 303 Fälle von Zika gemeldet. Gefährlich ist das Virus vor allem für schwangere Frauen, weshalb für sie eine besondere Beobachtung gilt. Ansonsten ist auβer groβer Plakakwände und Infozettel der Stadtverwaltung nicht viel von der Bedrohung zu spüren. Ich schütze mich, wenn ich kann, mit Mückenspray. Trotzdem sticht mich die schwarz-weiβ getigerte Mücke, vor allem nachmittags im Büro. Auf unserem Grundstück lebt die Population mit Sicherheit nicht, denn sogar den Toilettendeckel halten wir geschlossen und tauschen das Wasser im Hundenapf regelmäβig aus. Es genügt ein Nachbar, der unachtsam ist, um der Mücke eine Vermehrungsstätte zu bieten – genau das, Unachtsamkeit, ist wohl der Grund, warum Brasilien nun im Kampf gegen eine Mücke versagt.
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