30 Grad im Wintermantel

Er tut mir leid mit seinen warmen Klamotten...
Der Weihnachtsmann tut mir Leid dieses Jahr. Da sitzt er bei über dreißig Grad im Schatten vor einer geschmückten Plastiktanne, mit dickem Mantel, Winterstiefeln und Mütze. Ich halte es im brasilianischen Frühsommer selbst im kurzen Kleid kaum aus.

Wärmste Jahreszeit

Obwohl schon Anfang November, als ich in Belo Horizonte (ca. 400 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro) ankam, Tannenbäume aus Plastik am Flughafen geschmückt waren, spüre ich auch wenige Tage vor Heiligabend keine Weihnachtsstimmung. Dieses Gefühl ist für mich offenbar an Kälte geknüpft. Für Brasilianer dagegen liegt das Fest (mit regionalen Unterschieden) in der wärmsten Zeit des Jahres.

Europäisches Weihnachtsklischee

Umso erstaunlicher finde ich, welche Motive mir hier begegnen: Von dem Werbeplakat an der Hauptstraße lächelt mich eine Familie in langer Kleidung an, und auf dem zentralen Platz in Belo Horizonte sind die Palmen mit Lichterketten umschlungen. Auch zuhause bei der Familie meines brasilianischen Freundes sind wir vorbereitet: Da hängen trompetende Weihnachtselfen in der Zimmerpalme und am Kaktus vor dem Haus, außerdem kleine Kirschen aus Stoff. Auch die gelten hier als Weihnachtssymbol, obwohl sie zu den wenigen Früchten zählen, die in Brasilien nicht wachsen.

Kolonialisierung, Immigration, Globalisierung

Ganz offensichtlich haben die Brasilianer ihr Weihnachtsbild aus Europa importiert, ohne gewisse Details an die klimatischen und geographischen Gegebenheiten anzupassen. Woran das liegt? Mit Sicherheit spielen die Kolonialisierung und die Immigration eine Rolle. Sie brachten religiöse Traditionen und Bräuche aus Europa und Afrika nach Brasilien. So stammt die am weitesten verbreitete Süßigkeit aus Italien: Pannetone. Die größte Rolle dürfte aber wohl die Vernetzung der Welt, vor allem über das Internet spielen. Auf den Werbeklip von Edeka, der einen einsamen alten Mann bei den Festvorbereitungen zeigt, seit wenigen Wochen in Internet kursiert und schon über 43 Millionen mal angeschaut wurde, bin ich schon angesprochen worden - obwohl der Film auf Deutsch ist.

Mein Weihnachten im Sommer

Davon abgesehen habe ich selbst auch ein paar heimische Bräuche mitgebracht: ich habe einen Adventskalender gebastelt und Stollen gebacken. Den esse ich dann mit der Familie am 24. Dezember zusammen mit einer eiskalten Limonade in der Grillecke im Garten. Ich wünsche allen sonnige Weihnachten!
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