Auf dem Trockenen

Die Springbrunnen der Praça da Estaçao trocknen aus. Auch Energiesparen schont in Brasilien Wasserreserven, da das Land 75 Prozent seines Stroms mit Wasserkraft gewinnt.
 
Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Belo Horizonte erinnern sich mit Aufklebern neben Wasserhähnen und Spülungen ans Sparen.
Belo Horizonte (Brasilien): Praça da Estaçao |

Der Südosten Brasiliens erlebt eine Trockenperiode. Obwohl Brasilien ein wasserreiches Land ist, wird das Wasser in den Großstädten nun knapp. Die Stadtverwaltung von Belo Horizonte geht in Sachen Sparen mit gutem Beispiel voran.

Ein Platz von der Größe zweier Fußballfelder, an der Stirnseite ein kolonialer Palast, davor unzählige Wasserfontänen – die Praça da Estaçao im Zentrum von Belo Horizonte nennen die Anwohner auch „praia de Minas“, Strand von Minas Gerais. 400 Kilometer von der Küste entfernt machen sie sich einen Spaß daraus, im Bikini durch die Fontänen zu hüpfen.

Jetzt aber ist das Wasserspiel aus, die Brunnen sind ausgetrocknet. Die Stadtverwaltung hat die Anlage abgeschaltet, weil das Wasser in Belo Horizonte knapp wird. „Wir wollen den Menschen vor Augen führen, dass sie Wasser sparen müssen“, erklärt Roger Victor Gebhard von der Stadtverwaltung. „Eine solche Knappheit wie dieses Jahr haben wir hier noch nie erlebt.“

Land ohne Regen


Belo Horizonte steht nicht allein vor dem Problem: der ganze Südosten des Landes ist betroffen. So wenig hat es in diesem Jahr bisher geregnet, dass der Wasserstand in den Sammelbecken immer weiter sinkt. In São Paulo, einer Metropolregion mit fast 21 Millionen Einwohnern, wird die Wasserversorgung schon seit Januar rationiert. Weil es nach wie vor weniger regnet als für die Jahreszeit üblich, rechnet auch der Bürgermeister von Belo Horizonte, der drittgrößten Stadt Brasiliens, mit solchen Maßnahmen.

Um die Wette sparen


Die Stadtverwaltung spart bereits, berichtet Gebhard: „Wir müssen den Wasserverbrauch um ein Drittel reduzieren. Also haben wir einen internen Sparsamkeits-Wettbewerb ausgerufen.“ In Gebhards Büro kleben Aufkleber mit Erinnerungen neben Wasserhahn, Lichtschalter und Toilettenspülung. Im Waschbecken sammelt er Abwasser, die Spülung soll nur noch jeder zweite benutzen. Jedes Büro ist außerdem mit einem Zähler ausgestattet. Der Verbrauch aller Abteilungen wird wöchentlich veröffentlicht. Um 40 Prozent hat die Behörde auf diese Weise ihren Wasserkonsum im letzten Monat reduziert. „Es ist schwer, Gewohnheiten umzustellen“, gibt Gebhard zu. „Aber spätestens wenn wir auf dem Trockenen sitzen, lernen wir, wie unverzichtbar Wasser ist.“

Was erzählt Roger Victor Gebhard? Und wie denken Anwohner über das Thema Wassermangel? Hier geht es zum Audiobeitrag zum Thema

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