Bildung gegen Geld

Eingangstor der PUC-Minas, mit über 50.000 Studenten eine der größten Unis Brasiliens.
 
Im Park, der zum Campus gehört, habe ich meinen Lieblingsplatz zum Lernen gefunden.
Belo Horizonte (Brasilien): Pontifícia Universidade Católica de Minas Gerais |

Wenn Anne-Kirstin Berger aus Bad Lauchstädt ihre brasilianische Uni betritt, fühlt sie sich jedes Mal ein bisschen privelegiert. Tatsächlich stimmt: Wer in Brasilien eine gute Ausbildung bekommen möchte, muss dafür viel zahlen.

Der Eingang der Pontifícia Universiade Católica in Belo Horizonte ist das, was man sich unter dem Namen „Portal“ vorstellt. Eine weiße Mauer mit den Lettern der Universität teilt das Stadtviertel Coração Eucarístico von dem Park mit den Gebäuden im portugiesischen Kolonialstil, wo die Vorlesungen stattfinden. Als ich das erste Mal durch dieses Portal gegangen bin, war ich überzeugt: Ich habe noch nie in meinen Leben eine so schöne Uni gesehen. Trotzdem hätten viele meiner Kommilitonen lieber woanders studiert: An der öffentlichen Universität, die am anderen Ende der Stadt liegt. Dort ist das Studium mindestens genauso gut - aber kostenlos.

430 Euro für einen Lehrer

Unter denen, die mit mir Internationale Beziehungen studieren, habe ich noch keinen getroffen, der seinen Sekundarabschluss an einer öffentlichen Schule gemacht hat. Deren Qualität ist schwach, vor allem wegen der schlechten Bezahlung der Lehrer. Sie verdienen für 40 Stunden Wochenarbeitszeit ab 430 Euro im Monat – bei Lebenshaltungskosten, die sich kaum mehr von denen in Deutschland unterscheiden.

Gute Unis, schlechte Schulen

Wer seinen Kindern die Chance auf einen Studienplatz geben möchte, muss also schon früh in eine private Sekundarschulausbildung investieren. Bei den Unis wiederum ist es umgekehrt: Hier bieten die öffentlichen die beste Ausbildung, während viele Privatunis den Ruf haben, dass man sich dort den Abschluss gegen hohe Studiengebühren quasi erkauft.

Weltmeister in sozialer Ungleichheit

Die Konsequenzen sind absurd: Gerade an die kostenlosen öffentlichen Unis schaffen es vor allem diejenigen, die viel Geld in die Bildung gesteckt haben – also kaum die sozial Schwächeren, für die das öffentliche System eigentlich gedacht ist. Kein Wunder, das Brasilien als Weltmeister der sozialen Ungleichheit bezeichnet wird.

Studieren morgens, Arbeiten am Nachmittag

Die PUC, meine Uni in Belo Horizonte, ist laut Vergleichen eine der besten Privatunis Brasiliens. Tatsächlich ist nicht nur die Architektur beeindruckend, auch mit meinen Kursen bin ich sehr zufrieden. Die Ausbildung hat aber ihren Preis: etwa 1.700 Euro würden mich die fünf Fächer kosten, die ich während dieses Semesters belegt habe. Aber ich habe Glück: Als Austauschstudentin bekomme ich ein Stipendium. Diejenigen meiner Kommilitonen, die kein Förderprogramm haben, sind entweder auf ihre Eltern angewiesen – oder sie arbeiten. Dass Bildung in Deutschland kostenlos ist – für meine Kommilitonen hier ist das ein Traum.

Lesen Sie mit:

Nach ihrem Studium will sich Anne-Kirstin Berger in die politische Richtung oder den Journalismus orientieren. Schon während ihres Aufenthalts in Peru hat sie sich dabei ausprobiert und Beiträge für einen Radiosender produziert und Sendungen moderiert.
Während ihres einjährigen Aufenthalts in Brasilien und Bolivien wird die 21-Jährige nun hier von ihren Erlebnissen zwischen Pazifik und Atlantischem Ozean in loser Reihe berichten.

Karneval
Anne-Kristin Berger kann sich kaum bewegen - so voll sind die Straßen im brasilianischen Karneval. Ich brauche etwas Zeit, mich an die ungezügelte Feier zu gewöhnen. Dann ziehe ich meine Sandalen aus, singe mit und lasse mich barfuß durch die Menge treiben. Teil 1: Mit Flipflops im Karneval

Trockenzeit
Der Südosten Brasiliens erlebt eine Trockenperiode. Obwohl Brasilien ein wasserreiches Land ist, wird das Wasser in den Großstädten nun knapp. Teil 2: Land ohne Regen

Radeln in Rio
Montagnachmittag um sechs ist Rushhour auf dem Radweg an der Copacabana. Anne-Kirstin Berger vermisst die Radewege aus der Heimat. In Brasilien ist der Verkehr viel zu chaotisch. Teil 3: Radfahren in Rio

Land des warmen Bieres
Teil 4: Rammstein, Bier und ein 7:0 - Lesen Sie hier, was Brasilianern zum Thema Deutschland einfällt.


Brasiliens Reichtum

Teil 6: Für die einen ist es Gold. In Brasilien aber zählt etwas ganz anderes als Reichtum. Anne-Kirstin Berger hat den wahren Reichtum in Brasilien gefunden. Lesen Sie darüber im sechsten Teil.

Peru feiert
Teil 7: Am 28. Juli ist Nationalfeiertag. Und im Unterschied zu Deutschland gilt der in Peru als Grund zum Tanzen - selbst für die Kleinsten. Lesen Sie mit, wie Peru Geburtstag feiert.


Zurück zur Hauptseite
1
Einem Mitglied gefällt das:

Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Mitteldeutsche Zeitung | Erschienen am 10.06.2015
 auf anderen WebseitenSendenMelden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.