Per Rad durch Rio

Die Fahrräder leiht man ganz einfach per Smartphone aus.
 
Am Strand Copacabana ist nachmittags Rush Hour auf dem Radweg. Anne-Kirstin Berger (2. v. r.) hat sich ins Gedränge gestürzt.
Rio de Janeiro (Brasilien): Copacabana |

Starke Nerven braucht die Bad Lauchstädterin Anne-Kirstin Berger, als sie in Rio de Janeiro Fahrrad fährt. Der Verkehr macht das Radeln zu einem Abenteuer.


Das wird eng: Vor mir ist ein Eisverkäufer auf seinem Dreirad unterwegs, auf der Gegenspur kommen drei Läufer. Eigentlich ist an Überholen nicht zu denken, aber ein Verrückter hinter mir versucht es trotzdem, rast ohne zu klingeln an mir vorbei und schlägt Haken auf dem Bürgersteig, um den Zusammenstoß zu verhindern. Ich muss stark sein: Montagnachmittag um sechs ist Rushhour auf dem Radweg an der Copacabana.

Wenn es etwas gibt, das ich in Brasilien bisher vermisse, dann ist es das Radfahren. Zuhause in Bad Lauchstädt und Regensburg habe ich alle Wege mit dem Fahrrad erledigt. Das ist hier unmöglich, zu chaotisch ist der Verkehr.

Per Smartphone zum Fahrrad

Dass ich ausgerechnet in Rio, einer Stadt mit sechs Millionen Einwohnern und entsprechend vielen Autos, auf dem Rad unterwegs sein könnte, hatte ich nicht erwartet. Möglich macht es „BikeRio“, ein Projekt der Stadtverwaltung: in der Zona Sul, dem reichen Süden Rios, verteilen sich 600 knallorangefarbene Räder auf 60 Ausleihstationen. Sie sind voll automatisiert: Mit einer Smartphone-App wählt man eine Station, schon kann man ein Rad aus dem Ständer nehmen und es an einer beliebigen anderen Station wieder abgeben. 1,50 Euro kostet die Leihe für einen Tag. Wer das Doppelte zahlt, kann die Fahrräder einen ganzen Monat lang nutzen. Zum Vergleich: Eine einfache Busfahrt kostet einen Euro.

Radeln an der Copacabana

Die Radler sparen also Geld, tun der Gesundheit und der Umwelt etwas Gutes und sind in der Regel sogar schneller unterwegs als mit dem Auto oder Bus. Nur für mich ist der brasilianische Radverkehr eine Herausforderung: Handzeichen und Schulterblick gelten nicht, und die Klingel dient höchstens zum Krachmachen. Also halte ich mich lieber hinter dem Eisverkäufer auf seinem Dreirad und lasse den Blick schweifen: auf den Zuckerhut vor mir und den Strand von Copacabana.

Auf meinem Blog können Sie mir beim Radeln zuhören.

Lesen Sie mit:

Nach ihrem Studium will sich Anne-Kirstin Berger in die politische Richtung oder den Journalismus orientieren. Schon während ihres Aufenthalts in Peru hat sie sich dabei ausprobiert und Beiträge für einen Radiosender produziert und Sendungen moderiert.
Während ihres einjährigen Aufenthalts in Brasilien und Bolivien wird die 21-Jährige nun hier von ihren Erlebnissen zwischen Pazifik und Atlantischem Ozean in loser Reihe berichten.

Karneval
Anne-Kristin Berger kann sich kaum bewegen - so voll sind die Straßen im brasilianischen Karneval. Ich brauche etwas Zeit, mich an die ungezügelte Feier zu gewöhnen. Dann ziehe ich meine Sandalen aus, singe mit und lasse mich barfuß durch die Menge treiben. Teil 1: Mit Flipflops im Karneval

Trockenzeit
Der Südosten Brasiliens erlebt eine Trockenperiode. Obwohl Brasilien ein wasserreiches Land ist, wird das Wasser in den Großstädten nun knapp. Teil 2: Land ohne Regen
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