Peru feiert Geburtstag

Im Kindergarten Pequeñas Estrellas zeigen die Fünfjährigen einen traditionellen Tanz aus den Anden Perus.
 
"Alles Gute zum Geburtstag, liebes Peru!"

Von Brasilien nach Peru - Anne-Kirstin Berger aus Bad Lauchstädt ist seit einem halben Jahr zum Studieren in Südamerika und nun im zweiten Land angekommen. In Peru herrschst Feierstimmung - am 28. Juli ist Nationalfeiertag. Und im Unterschied zu Deutschland gilt der in Peru als Grund zum Tanzen - selbst für die Kleinsten.

Der Innenhof der Tagesstätte Pequeñas Estrellas ist geschmückt wie bei einem Kindergeburtstag: Luftballons und Poster kleben an den Wänden, Wimpel an der Decke. Alles in den Farben weiß-rot. „Wollen wir ein Geburtstagslied singen?“, fragt Miss Lucy, Erzieherin, und die Fünfjährigen antworten „ja“ im Chor. Dann schmettern sie los: Perus Nationalhymne. Denn es ist Nationalfeiertag, „Geburtstag“ Perus, wie die Kinder sagen.

Brasilien - Kritik am eigenen Land

Von all den Ländern, in denen ich bisher längere Zeit gelebt habe, ist Peru das patriotischste. In Brasilien habe ich eher Lokal- als Nationalstolz wahrgenommen. Da bezeichnen sich meine Freunde aus dem Bundesstaat Minas Gerais als „Mineiros“, aber „Brasileiros“ würden sie sich nicht mit Stolz nennen – zu riesig und unüberschaubar ist das Land, zu groß der Frust auf Korruption und Misswirtschaft.

"Mein liebes Peru"

Und in Deutschland? Man stelle sich einmal vor, die Stadtverwaltung würde anordnen, dass jeder Anwohner am Nationalfeiertag eine Fahne an seine Fassade zu hängen hat. Genau das passiert hier in Lima in einigen Stadtteilen. Wer sich nicht daran hält, zahlt eine Strafe. Allerdings ist es ohnehin Ehrensache, die „fiestas patrias“, wie die Nationalfeiertage heißen, zu würdigen. Am 28. Juli 1821 erlangte Peru seine Unabhängigkeit von der spanischen Kolonialherrschaft. Sogar meine sechsjährige Gastschwester weiß das schon zu erklären – und kennt die Nationalhymne auswendig. „Y mi querido Perú?“ – „Und mein liebes Peru?“, fragt Sebastián, ihr Bruder, immer wieder. Er ist gerade drei Jahre alt geworden.

Bildung bleibt auf der Strecke

„Schon die Kleinsten lernen bei uns die Nationalsymbole kennen“, erklärt mir Miss Lucy. „Sie fangen an, die Fahne und malen. Wenn sie älter sind, lernen sie dann deren Bedeutung und Geschichte kennen.“ Das sei, sagt Lucy, ganz selbstverständlich: „Schließlich sind wir stolz auf unser Land.“ So kommt es allerdings, dass peruanische Schüler die Hymne ihres Landes aus dem Effeff beherrschen - aber vergleichsweise schlecht sind im Lesen, Schreiben und Rechnen. In der letzten Pisa-Studie belegte Peru von allen 65 evaluierten Ländern den letzten Platz.

Tanzen, Essen, Ferien

Die Fünfjährigen, die hier im Kindergarten singen, haben die Schulkarriere noch vor sich. Für sie ist heute nur eins wichtig: Den Eltern die traditionellen Tänze vorzuführen, die sie einstudiert haben, und sich durch das Buffet typischer Gerichte zu probieren, denn in Peru geht Nationalstolz durch den Magen. Und dann geht es für zwei Wochen in die Ferien – zu Ehren der Nationalfeiertage.

Lesen Sie mit:

Nach ihrem Studium will sich Anne-Kirstin Berger in die politische Richtung oder den Journalismus orientieren. Schon während ihres Aufenthalts in Peru hat sie sich dabei ausprobiert und Beiträge für einen Radiosender produziert und Sendungen moderiert.
Während ihres einjährigen Aufenthalts in Brasilien und Bolivien wird die 21-Jährige nun hier von ihren Erlebnissen zwischen Pazifik und Atlantischem Ozean in loser Reihe berichten.

Karneval
Anne-Kristin Berger kann sich kaum bewegen - so voll sind die Straßen im brasilianischen Karneval. Ich brauche etwas Zeit, mich an die ungezügelte Feier zu gewöhnen. Dann ziehe ich meine Sandalen aus, singe mit und lasse mich barfuß durch die Menge treiben. Teil 1: Mit Flipflops im Karneval

Trockenzeit
Der Südosten Brasiliens erlebt eine Trockenperiode. Obwohl Brasilien ein wasserreiches Land ist, wird das Wasser in den Großstädten nun knapp. Teil 2: Land ohne Regen

Radeln in Rio
Montagnachmittag um sechs ist Rushhour auf dem Radweg an der Copacabana. Anne-Kirstin Berger vermisst die Radewege aus der Heimat. In Brasilien ist der Verkehr viel zu chaotisch. Teil 3: Radfahren in Rio

Land des warmen Bieres
Teil 4: Rammstein, Bier und ein 7:0 - Lesen Sie hier, was Brasilianern zum Thema Deutschland einfällt.

Bildung gegen Geld Teil 5: Während in Deutschland die Schulen für jedermann zugänglich sind, entscheidet in Brasilien schon früh der Inhalt des Geldbeutels über künftige Bildung. Lesen Sie hier alles über Bildung gegen Geld.


Brasiliens Reichtum

Teil 6: Für die einen ist es Gold. In Brasilien aber zählt etwas ganz anderes als Reichtum. Anne-Kirstin Berger hat den wahren Reichtum in Brasilien gefunden. Lesen Sie darüber im sechsten Teil.


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