Wasser Marsch !!!

    Bad Schmiedeberg: Sportplatz |

Wettkampf mit dem Strahlrohr


Alljährlich am Tag der deutschen Einheit richtet die Freiwillige Feuerwehr Pretzsch den "Elbepokal" im schnellen Löschangriff aus, ein inzwischen gleichermaßen beliebtes wie bekanntes Spektakel für Feuerwehrenthusiasten und Profis in Sachen Brandbekämpfung. In diesem Jahr das 20. Jubiläum des Elbepokals begangen. Und wie schon in den letzten Jahren war die Beteiligung erfreulich hoch.
Die ersten Teilnehmer trafen gegen 8.00 Uhr bereits auf dem wiederum als Wettkampfstätte dienenden Sportplatz ein. Bis zum offiziellen Start der Veranstaltung gegen 10.00 Uhr war der Platz über und über mit Feuerwehrmännern und -frauen gefüllt. Ohne genau gezählt zu haben, kann man von geschätzten 400 - 500 Brandschutz-Experten ausgehen, die sich da auf dem Wettkampfgelände tummelten. Nicht alle freilich als Wettkampfteilnehmer, aber doch irgendwie mit der Feuerwehr verbunden. Pretzsch muss an diesem Sonntag einer der sichersten Orte gewesen sein.

Ein erster Rundgang über den Platz bot einem den Anblick in die Organisation des Wettkampfes, wie er mir von vielen Motorsport-Events, die ich schon besucht hatte, sehr vertraut vorkam. Direkt hinter den Wettkampfbahnen entstand ein improvisiertes "Fahrerlager" in denen die Wettkampftechnik vorbereitet wurde. Da ich selbst von 1991 bis 1996 Mitglied der Feuerwehr Bad Schmiedeberg war, sind mir die wesentlichsten Grundbegriffe der Feuerwehrtechnik noch ein wenig geläufig. Auch der "Löschangriff" der als DIE Wettkampfdisziplin der Feuerwehren anzusehen ist, ist mir bekannt. Aber es hat sich seither viel verändert. Damals, als ich noch als Teilnehmer eines Wettkampfteams beim ersten Elbepokal auf dem Sportplatz antrat kam beim Löschangriff bestenfalls etwas ältere gebrauchte Technik zum Einsatz. Auf keinen Fall würde die kurz nach der Wende angeschaffte neue Kraftspritze oder gar die neusten Schläuche für den Wettkampf verwendet werden. Nun viel Zeit ist vergangen seither, und auch wenn ich immer wieder mal in den letzten Jahren als Gast beim Elbepokal vorbei schaute, so wurde doch erst in diesem Jahr bei näherer Betrachtung sehr schnell deutlich, wie professionell doch inzwischen der Wettkampfsport in den Feuerwehren betrieben wird. So kommen, anders als damals, jetzt fast ausschließlich die neusten Modelle der Tragkraftspritzen zum Einsatz.

Hochpolierte und farblich teilweise unkonventionelle Schlauchtypen, wie sie bei realen Einsätzen wohl nicht verwendet würden, werden inzwischen von den verschiedenen Teams im Wettkampf eingesetzt. Das "Fahrerlager" machte mit seiner technischen Ausrüstung tatsächlich schwer Eindruck auf mich. Vor allem auch die akribische Vorbereitung der Teams. Da werden Stiefel noch mal überprüft. Schlauchkupplungen wiederholt geputzt, geschliffen und deren Passgenauigkeit geprüft. Pumpen werden, ähnlich den Reifen im Motorsport, vorgewärmt, in dem sie minutenlang warm laufen. Bei einer Mannschaft wurde sogar noch Öl gewechselt oder nachgefüllt ( genaueres weiss ich jetzt nicht ). Es ist erstaunlich, wie ernst ein für den Außenstehenden wirkender Wettkampf inzwischen genommen wird. Wir sind damals mit alter gebrauchter Technik angetreten, unsicher, wie gut oder schlecht wir sind. Noch unsicherer darüber, wie viel besser unsere Mitbewerber sein könnten. Heute jedenfalls, so scheint es, will man zumindest in der Vorbereitung nichts dem Zufall überlassen.

Schon bald nach der appellartig durchgeführten Begrüßung, begannen die ersten Wettkampfläufe. So nach und nach trafen dann auch einige schaulustige Pretzscher auf dem Pretzscher Sportplatz ein, der sich in herbstlich-sonniger Atmosphäre bei - für die Jahreszeit - angenehmen Temperaturen präsentierte. So gab es hier und da immer wieder ein lautes Hallo und Schulterklopfen sich begegnender Zaungäste. Der Eintritt war erfreulicher weise frei und für ein vergleichsweise abwechslungsreiches Speisen- und Getränkeangebot war gesorgt. Neben Spezialitäten vom Grill wurden auch Blechkuchen und belegte Brötchen geboten. Das Eiscafé Hardies nutze die Gelegenheit für einen der wohl letzten Außeneinsätze in dieser Saison. Ähnlich abwechslungsreich sah das Getränkeangebot aus. Bei der gastronomischen Versorgung der Teilnehmer und Gäste vertraute der ausrichtende Feuerwehrverein Pretzsch wieder auf die gleichermaßen bekannten wie zuverlässigen Sponsoren und Unterstützer, so das dieser Part in gewohnt professioneller Weise als gesichert betrachtet werden darf.

Eine weitere Überraschung war für mich der technisch hochwertige Ablauf der Organisation. Die Zeiten der Wettkampfläufe werden nicht mehr, wie noch 1993, manuell per Stoppuhr erfasst, sondern per Computer der aufwendig mit den Messinstrumenten verkabelt ist. Einzig die Startkommandos und Anfeuerungsrufe der mitfiebernden Feuerwehrkameraden am Streckenrand kommen mir noch seltsam vertraut vor. Aber ansonsten ist der Elbepokal gegenüber meiner eigenen Wettkampferfahrung 20 Jahre zuvor eine ganz andere Liga. Zeitnahme per Computer und zahlreiche Schiedsrichter überwachten in außerordentlicher Präzision das Wettkampfgeschehen.

Zwischen den Wettkampfläufen nutze ich die Zeit für eine kleine Technikschau. Vom neusten Löschfahrzeug bis zur alten DDR-Technik war alles vertreten. Hin und wieder ergab sich auch die Gelegenheit für technische Zwischenfragen. Etwas ärgerlich war einzig die Tatsache, das alle Feuerwehrmänner, die ihrer Berufung doch wohl auch mit gewissem Stolz nachgehen, bei eingeschalteter Kamera sofort meinen, aus dem Bild rennen oder sich umdrehen zu müssen. Eine weitere Überraschung für mich angesichts der durch Hightech gestützten Zeitnahme war die im krassen Gegensatz dazu stehende analoge Ergebnis-Anzeige, die manuell mit Kreide und Tafel erzeugt wurde. Zumindest das ist also noch gleich geblieben....

Der Tag verging wie im Fluge. Einige lustige Szenen boten sich hin und wieder, wenn übereifrige Wettkampfteilnehmer über die eigenen Beine stolpern, den Dreierverteiler falsch aufdrehen oder ein voll aufgedrehtes aber zu locker gehaltenes Strahlrohr zum Wassertanz auffordert. Teilweise krass sind auch die Zeitunterschiede der antretenden Teams. Rückschlüsse lassen sich jedoch aus den Wettkampfzeiten auf die Einsatztätigkeit der jeweiligen Feuerwehr nicht ziehen. Auffällig ist hier das die kleinen Dorf-Feuerwehren deutlich bessere Zeiten hinlegen, als gestandene Stützpunktwehren. Hierin wird offenbar deutlich, das man aufgrund der höheren Einsatzbeanspruchung in den größeren Wehren nicht den gleichen Zeitaufwand für das Wettkampftraining erübrigen kann, wie eine kleine Dorfwehr. Und so ist der Elbepokal auch 2013 einmal mehr jener Tag, an dem die kleinen zeigen können, was sie drauf haben.
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