Schulplanungsdesaster am Beispiel Stolberg

Stolberg (Harz): Grundschule |

Ein krasses Beispiel für aus dem Ruder gelaufene Schulplanung erleben wir derzeit in der GemeindeSüdharz, wo Ende Oktober auf mirakulöse Weise beschloßen wurde, die Grundschule Stolberg zu schließen und deren Kinder bis 2017/18 nach Hayn zuschicken, worauf dann auch diese Schule geschlossen werden soll. Einer der großen Tourismusmagnete aus dem Harz wird also seiner Grundschule mit derzeit 46 Kindern beraubt. Wie wenig das alles mit wirklicher Schulplanung zu tun hat, sei im Folgenden erläutert...

Die Gemeinde Südharz existiert seit 2010, gegründet mit 13 ehemaligen Gemeinden und 9 Monate später durch Zwangseingemeindung der Orte Stolberg und Wickerode komplettiert. Entstanden ist eine Gemeinde mit einer Fläche von rund 240 km2, der Großteil im hügeligen Harz gelegen.

Die besondere Lage Stolbergs, aber auch die Geschichte der Stadt haben diesen Ort immer geprägt, möglicherweise in früherer Zeit auch das Verhältnis zu den Nachbarorten der Region. Hängt es mit alten, unbeglichenen Rechnungen, Neid, später Rache zusammen, dass im vierten Anlauf der Stadtratssitzung der doch überraschende Beschluss zur Schließung der Grundschule Stolbergs und Aufrechterhaltung des Standortes Hayn gefallen ist? (mz vom 1.11.2013) Somit hätten die Kinder aus Stolberg künftig einen Schulweg von über 15 Kilometer (direkte Fahrt!!!) zurückzulegen, Sommer wie Winter.. Anwesend waren bei dieser wichtigen Abstimmung übrigens 14 von 24 Gemeinderäten, was sicherlich auch etwas über den Zustand dieser Gemeinde aussagt...


Grundschule in Stolberg ist einer der wichtigsten Zukunftsbausteine

Bereits im Juli 2013 hat sich einer der großen Arbeitgeber der Region ebenfalls in der MZ zu Worte gemeldet und auf die Notwendigkeit des Vorhandeseins einer Grundschule hingewiesen, so man weiterhin junge Familien im Dorfe halten wolle. Die vorgebrachten Argumente decken sich mit allen wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien zu diesem Thema. Ortsnahe Grundschulbildung IST ein zentraler Standortfaktor.

Bildungsfreie Zone = Familienfreie Zone

Es ist klar: Eine Familie überlegt es sich sehr gut, ob sie ihrem Kinde ab 6 Jahren eine ortsfremde Beschulung antun will, ob sie es verantworten kann, das Kind bereits morgens um 06:30 oder noch früher in einen Bus zu setzen und auf eine 15 Kilometer lange Reise zu schicken. Wer kann, versucht dies zu vermeiden.. Mit der Schließung der Schule entsteht also ein massiver Eingriff in die Sozio-Struktur des Ortes. Es besteht die Gefahr der Ausblutung... Möchte das jemand anzweifeln?

Tourismusmagnet ohne gesunden Bevölkerungsmix?

Während der obige Abschnitt für jeden Schulstandort gilt, kommt im Falle von Stolberg dazu, dass die starke Ausrichtung auf den Tourismus natürlich eine stabile Bevölkerungsstruktur erfordert. Ist diese nicht mehr gegeben, erleidet auch der Ort grössten Schaden. Hier geht es für einmal NICHT um fehlende Arbeitsplätze. Deren saisonaler Bedarf ist bereits heute nicht aus dem Orte zu decken. Hier muss den Menschen, welche da arbeiten und leben möchten und somit überhaupt erst Leben in die Kulisse bringen, eine entsprechende Infrastruktur geboten werden. Nicht mehr und nicht weniger. Der Schulschließungsentscheid der Gemeinde Südharz bewirkt genau das Gegenteil.

Millioneninvestitionen für die Katze?

In den vergangenen 20 Jahren wurden vom Lande und Denkmalschutz Millionen in den Ort investiert, touristische Infrastrukturen verbessert, erweitert und gepflegt. Private Investoren haben ihre Betriebe auf- und ausgebaut. Alleine in Schloss Stolberg haben Land und Stiftungen bis 2008 12 Mio € investiert. Heute kann man sagen, dass Stolberg eine gesuchte Tourismusdestination mit einem sehr breit gefächerten Angebot ist. Dass dieses auch ankommt, belegen die rund 90 000 Übernachtung jährlich, Tendenz zunehmend.
Was also hier mit der Schließung der Grundschule vermeintlich gespart werden soll, potentiert sich als Wertverlust, Abschreibung im Wert des Tourismusplatzes Stolberg in Millionenhöhe.. Betroffen sind ganz besonders Immobilien und der Wohnungsmarkt. Das alles kann sich das Land Sachsen-Anhalt leisten???

Landkreis und Oberste Schulbehörde sind gefragt!!

Ich habe mich schon mehrmals kritisch zur Schulplanungsverordnung geäußert und verzichte an dieser Stelle auf Wiederholung. In diesem Falle hat jedoch die Gemeinde Südharz ein unglaubliches Eigentor geschossen. Es kann dem Lande nicht gleichgültig sein, ob ein Ort, der touristisch und kulturell mit enormen Geldmitteln gefördert wird, wegen eines derartigen Entscheides in seiner weiteren Entwicklung gefährdet wird. Im Weiteren ist es so, dass die gesamte Region dank der Besonderheiten Stolbergs enorm profitiert, das gilt auch für das Land Sachsen-Anhalt. Das alles wird mittelfristig mit diesem Schulschließungsentscheid in Frage gestellt. Somit sind Landkreis und Oberste Schulbehörde gefordert. Sie sind verpflichtet, offensichtlichen Schaden vom Lande abzuwenden. Genau dies geschieht jedoch mit diesem Aus-Dem-Bauch-Schließungsentscheid.

Ach wie toll wären doch ein Schulgesetz und eine Schulverordnung, welche Schulen wie diese hier ermöglichen.. Alle wären zufrieden, kein Ort muss um "seine" Schule fürchten und Geld gespart wird auch noch...
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