Buchrezension „Bist du noch wach?“ von Elisabeth Rank

Wer kennt das nicht?! Es gibt Menschen, die einfach zu deinem Leben gehören, die so selbstverständlich sind, wie der tägliche Sonnenauf- und -untergang. Sie gehören zu dir, sie sind ein Teil von dir. Freunde! Man kann sich nicht vorstellen, dass sich das je ändern könnte. Aber es kann geschehen. Es muss kein großer Knall sein, kein Drama, kein Tür knallen und Schreien, im Gegenteil, es kann ganz leise ablaufen. Man lebt sich langsam auseinander und obwohl es niemand wirklich möchte oder beabsichtigt, löst sich die einstige Selbstverständlichkeit in Luft auf. Das muss auch Rea, die Protagonistin dieses Buches, erfahren. Sie lebt in einer WG in Berlin mit Konrad, Pelle und einer Katze zusammen. Während Pelle eher selten zu Hause ist, verbindet Rea mit Konrad etwas Besonderes. Er ist der Mensch für Rea, dem sie blind vertraut, der sie versteht, der für sie da ist, bei dem sie sein kann, wie sie ist. Das alles ändert sich, als Konrad eine Freundin hat und Rea´s Vater ins Krankenhaus kommt. Ihre „Wahl-Familie“ - Konrad - steht ihr in dieser Not nicht zur Seite. Sehnsucht macht sich breit. Fehlende Nähe und Wärme können auch die Streicheleinheiten mit der Katze nicht wettmachen. Wie besonders die Beziehung der Beiden ist, wird dem Leser schnell bewusst, denn während sich Rea anfangs eher unaufgeregt von ihrem Freund Albert trennt, stürzt sie das Auseinanderleben von Konrad in eine Krise. Aber ist Konrad wirklich nur ein Freund, ein Mitbewohner oder ist da mehr? Die Situation wird für Rea immer unerträglicher und sie erkennt, dass sich etwas ändern muss. Die Einladung einer Arbeitskollegin mit nach Nizza zu fahren nimmt sie an. Der Trip nach Frankreich ist wegweisend und bringt Licht ins große Dunkel. Zurück in Berlin trifft Rea schweren Herzens die einzig richtige Entscheidung.

Unsicherheit, Planlosigkeit, Abschied, Neuanfang, Erwachsenwerden, Sehnsucht, Freundschaft, Liebe…alles Themen, die schon tausend Mal in Büchern ihren Platz gefunden haben, aber kaum so emotional, authentisch, bildhaft und eindrucksvoll. Bemerkenswert setzt Rank die scheinbar kleinen Dinge des Lebens gekonnt in Szene, wobei gerade diese das Leben ausmachen und das Wichtigste überhaupt sind. Die Autorin beschreibt große Gefühle ohne dabei kitschig zu klingen. Man kann das Buch nicht einfach beiseite legen, man wird regelrecht eingesogen. Man ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch schneller lesen zu können, um endlich das Ende zu erfahren, und dem Wunsch langsamer zu lesen, damit das Ende nicht so schnell naht. Ein Werk, welches unmittelbar Gefühle auslöst und zum Nachdenken anregt. Auch das zweite Buch der talentierten Rank verführt regelmäßig dazu, die besten Passagen zu markieren. Man möchte sie immer und immer wieder lesen. Wo sonst beschreibende Worte auf voller Länge versagen, spielt Rank mit einem schirr ausweglosen Knäul an Gefühlen und bringt diese poetisch zu Papier. Man kann es kaum fassen, wie Rank die Emotionen derart kunstvoll und überhaupt in Worte verpacken kann. Melancholisch getränkt und doch hoffnungsvoll. Wer auf ein Hollywood-typisches Ende hofft, wird enttäuscht. Hier geht es um das wahre Leben!

Auch in diesem Buch ziert ein Zitat einer der besten Bands den Anfang: Sunset von The XX
http://www.youtube.com/watch?v=WGCtyvWAE3g

Leseprobe:
http://www.berlinverlag.de/bucher/bucherdetails.ph...
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3 Kommentare
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Melanie D. aus Salzatal | 29.07.2013 | 11:10   Melden
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Sandy Bieneck aus Bitterfeld-Wolfen | 02.08.2013 | 14:47   Melden
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Bernd Müller aus Halle (Saale) | 07.08.2013 | 19:03   Melden
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