Buchrezension "Die Milliarden-Verschwender" von Karl Heinz Däke

Die Verschuldung von Bund, Länder und Gemeinden wächst unaufhörlich. Mehr als paradox erscheint es daher, wenn den Bürgern Sparsamkeit abverlangt wird und im Gegenzug Millionen für Fehlplanungen und sinnfreie Projekte regelrecht aus dem Fenster geworfen werden. Eine Brücke, die rekordverdächtige 25 Jahre lang ins Nichts führt, weil Anbindungen ausbleiben. Eine Vertretung für Berlin in Berlin. Ein Krankenhaus, das erst für 40 Millionen ausgebaut wird, um es dann stillzulegen. Die Kanzler-U-Bahn, die Elbphilharmonie in Hamburg, der Flughafen Berlin-Brandenburg…dass das alles keine Einzelfälle sind, weiß niemand besser als Karl Heinz Däke. Von 1994 bis 2012 war er Präsident des Bundes der Steuerzahler und kann insgesamt auf über 40 Jahre Erfahrung verweisen, die dieses Buch so aussagekräftig und umfangreich werden lassen. Dabei prangert der Autor nicht nur Verschwendung, Missbrauch und Veruntreuung an, er nennt vor allem die Ursachen, Motive und Wege aus dem Dilemma. Sachlich, fundiert und an passenden Stellen mit einer gewissen Portion Sarkasmus ausgestattet, erhält der Leser Eintritt in eine Welt von haarsträubenden Fällen, abenteuerlichen Geschichten und eklatanten Missständen.

Beim Lesen übermannt einem immer wieder ein Kopf schütteln, so dass man meinen mag, dass die tägliche Konfrontation über kurz oder lang zur Resignation führt. Wie hält es ergo ein Mensch aus, der sich mehr als 40 Jahre ausschließlich damit beschäftigt? Däke motiviert vor allem die präventive Wirkung des „Schwarzbuch“. Er gibt an, dass aus Sorge vor einem Eintrag in das besagte Buch, zahlreiche Projekte gestoppt bzw. gestrichen wurden. Angesichts dessen, wie hoch die Verschwendung ist, scheint das eher ein Tropfen auf den heißen Stein, zumal kaum nachvollziehbar ist, welche Projekte gerade aus diesem Grund gestrichen wurden. Beim Lesen kommt man zudem nicht umher zu fragen, was denn nun mit denjenigen passiert, die Steuergelder verschwendet haben. Die Verurteilung in Bad Oeyenhausen, bei dem der Verantwortliche neben einer Geld- auch eine Bewährungsstrafe erhalten hat, weil er einen Whirlpool in eine Dienstvilla auf Staatskosten einbauen ließ, ist die Ausnahme. Eine Verbesserung der bestehenden Rechtslage als Einhalt der systematischen Verschwendung scheint für jeden plausibel und dringender denn je, aber ich halte es fast für ausgeschlossen, dass dies in dem erforderlichen Ausmaß je erfolgen wird. Wer also eine schnelle und geeignete Lösung der Problematik erwartet, wird verständlicherweise enttäuscht. Für solche Entscheidungen bedarf es nicht nur einer Person und ich glaube kaum, dass dies der Anspruch dieses Werkes ist. Abstreiten möchte ich dennoch nicht, dass „Die Milliarden-Verschwender“ und die jährlichen „Schwarzbücher“ als finanzpolitisches Gewissen unerlässlich und unabdingbar sind.

Der Gebrauch der Sprache in Büchern ist ein Indiz dafür, welcher Personenkreis als Zielgruppe deklariert wird. Ob es sich nun um Sozialklausel, Finanzmärkte, systembedingte Ineffizienz handelt, Däke erläutert Zusammenhänge, Wechselbeziehungen und Entstehung knapp und nachvollziehbar, so dass es auch für Laien leicht verständlich ist. Dabei arbeitet Däke immer mit real existierenden Beispielen, so dass scheinbar abstrakte Verknüpfungen greifbar werden und das Buch „Die Milliarden-Verschwender“ somit nicht nur für Fachkreise bestimmt ist.

Aufklärend, informativ, kritisch, sachlich, mit viel Hintergrund- und Fachwissen versehen, besticht dieses Buch von Karl Heinz Däke.

Leseprobe unter:
Heyne Verlag - Karl Heinz Däke "Die Milliarden-Verschwender"
0
 auf anderen WebseitenSendenMelden
3 Kommentare
563
Luftfahrt- und Technik- Museumspark aus Merseburg | 31.01.2013 | 11:21   Melden
345
Sandy Bieneck aus Bitterfeld-Wolfen | 31.01.2013 | 16:02   Melden
14.699
Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 12.02.2013 | 18:48   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.