Cineasten erobern das alte Kino

Mathias Wrobel (rechts) von der Projektionsfläche begrüßt Mike Brandin zur Eröffnung.
 
Mike Brandin (links) erzählt über das Kurzfilmfestival
Bitterfeld-Wolfen: Filmtheater Wolfen |

Das Beste vom Leipziger Kurzfilmfestival „Kurzsuechtig“ aus dem Jahr 2016 konnten sich die Cineasten am 16. September 2016 im alten Kino Wolfen ansehen. Mike Brandin, Veranstalter und Vorstandsmitglied vom Verein „Kurzsüchtig“ e.V., brachte acht wundervolle, fantastische Kurzfilme mit und begeisterte damit alle Anwesenden.

In den drei mitteldeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen gibt es einen lebendige Kurzfilmszene. Das Festival feiert diese besondere filmische Darstellungsform, die durch die Kürze viel konsequenter sein muss, aber auch Möglichkeiten für künstlerische Grenzgänge und Selbsterkundungen bietet.

Den Anfang machte der mit dem Publikumspreis in der Kategorie Animation ausgezeichnete Kurzfilm „Die Weite suchen“ von Falk Schuster. Eine junge Familie aus dem Bezirk Leipzig fährt im Sommer 1987 mit dem Trabant in den Urlaub, nahe der Grenze zur damaligen DDR. Dieser teils autobiografische Anima-Dok-Film begleitet die Familie während ihrer Reise und gibt dabei Einblick in einen mit allerhand Kuriositäten bestückten DDR-Urlaubsalltag so nah an der Westgrenze. Der Jurypreis Animation von Urte Zintler „Leerstelle“ beeindruckte tief und setzte die Begeisterung des Publikums fort. Der Film spiegelt die innere Gefühlswelt einer Frau rückblickend auf ihre Geschichte.

Im Genre Dokumentation erzeugten die beiden Filme „Wasserläufer“ von Beston Zirian Ismael (Publikumspreis) und „Boy“ von Yalda Afsah und Ginan Seidl (Jurypreis) Gänsehaut und tiefe Emotionen. In „Wasserläufer“ geht es um eine syrische Familie, die ihre Heimat wegen dem Krieg verlassen musste und nun in Istanbul lebt. Dieser beeindruckende Film hat ebenso den "AWARD OF RECOGNITION" bei den Hollywood International Independent Documentary Awards gewonnen. Der Film „Boy“zeigt Ausschnitte aus dem Alltag eines Mädchens, das in Afghanistan als Junge aufwächst, und verwebt diese mit den Erfahrungen einer jungen afghanischen Sängerin in London, die in ihrer Kindheit Jungenkleidung trug, um sich freier in der afghanischen Gesellschaft zu bewegen.

Weiter ging es mit dem Bereich Fiktion. Den Publikumspreis erhielt „Für Dich bei mir“ von Clemens Beier. Die Themen Alter und Abschied wurden hier grandios, lebensnah und einfühlsam umgesetzt. Die Seniorin Margret gerät auf einen von Technomusik und Lichtblitzen durchzogenen Trip, als sie sich auf die verzweifelte Suche nach ihren dementen Mann Helmut macht. Und in „La Cigale et la Fourmi“ von Julia Ritschel (Jurypreis) interessiert sich die 18jährige Schülerin Lena für ihre Lehrerin Katharina. Die zwei unterschiedlichen Frauen verbindet eine heimliche Liebe, die zerbricht, als Katharina sich für ihr altes Leben entscheidet. Schmerzlich muss Lena der Realität ins Auge blicken und sich fragen, welchen Weg sie gehen will und ob es noch einen anderen gibt, als den von `Der Grille und der Ameise`.

Der Film „Postkolonialismus auf 30m2“ von Clara Winter (Publikumspreis Experimental) sorgte für viel Freude und Lachen im alten Kino. Die Protagonisten erträgt nicht länger die Schuld, Europäerin zu sein und beschließt sich einem „dritte Welt Menschen“ zur Verfügung zu stellen und ihm zu dienen. Er hält dies für angebracht und akzeptier dankbar diese Wiedergutmachung. Sie beginnt zu kochen, aufzuräumen und Stück für Stücke ein paar gut gemeinte Regeln zu installieren, um ihm zu zeigen, dass seine ökonomischen, hygienischen und kulturellen Lebenstarndarts verbessert werden können. Sie versucht einen Weg zu finden, der gut für sie beide ist. Er ist jedoch irgendwie unglücklicher als zuvor.

Den krönenden Abschluss bildete der Kurzfilm „Er und Sie“ von Marco Gadge und Mike Brandin, der verdienter Weise bereits zahlreiche internationale Preise abgeräumt hat und im Fernsehen zu sehen war. Thomas ist auf dem Weg in ein Leben, in dem es nur noch ihn und seine Freundin gibt. Doch der Traum zerplatzt, als er auf den Weg in die neue gemeinsame Wohnung ist und sie ihn per Telefon verlässt. Als er unterwegs an einer einsamen Raststätte auf die skurrile Annemarie trifft, wird ihm klar, dass egal was passiert, und sei es noch so dunkel, es immer einen Grund gibt ins Leben zu springen. Mit dieser wundervollen Hommage an das Leben und vielen Lachern wurde der großartige Abend geschlossen. Mike Brandin nahm sich im Anschluss viel Zeit für Gespräche mit dem Publikum.

Das Kurzfilmfestival "Kurzsuechtig" im Internet
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