interkulturelles, pädagogisches Projekt "WIR" eröffnet Ausstellung

Ein Teil des Teams "WIR"
 
Anja Sachenbacher hält als Schirmherrin ein Grußwort. Sie ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Anhalt-Bitterfeld.
Bitterfeld-Wolfen: Frauenzentrum Wolfen |

Jeder Mensch ist ein Künstler“ – das sind die Worte des Künstlers Joseph Beuys. Beuys war es auch, der den Begriff der „Sozialen Plastik“ prägte. Damit sprach er jedem Menschen das Potential zu, über das kreative Schaffen Gesellschaft abzubilden und zu verändern. In einer Zeit wie dieser, in welcher wir über Terroranschläge erschrecken, uns die Bilder aus Syrien verstören und man sich oft sehr machtlos fühlt, steht die Frage „Was wird noch kommen und was kann ich tun?“ im Raum. An Kunst wird dabei wohl kaum einer denken.

Doch genau dieser Gedanke war es, der Lehrerinnen, Schülerinnen und Schüler der Euro Akademie, Seniorinnen und Senioren sowie geflüchtete Menschen im „Frauenzentrum Wolfen“ in Wolfen-Nord zusammenbrachte. Unter dem Motto „WIR – Dir Vielfalt des Lebens“ standen gesellschaftliche Entwicklungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf dem Stundenplan der „Altenpflegeklasse 14“. Der Projektunterricht hatte das Ziel, über das Lernen miteinander und im Quartier eine Fotoausstellung zu entwickeln: Kunst von Bürgern für Bürger, um ein Zeichen für Vielfalt zu setzen – trotz Demokratiekrise, Extremismus und sozialer Ungleichheit oder gerade deswegen!

In Anlehnung an Joseph Beuys Idee der „Sozialen Plastik“ wurde nun am 19. Dezember die Fotoausstellung in „Frauenzentrum“ eröffnet und ist dort die nächsten Wochen für Besucherinnen und Besucher kostenlos zu sehen. Hinter der Ausstellung steht der Glaube an Meinungsvielfalt als demokratisches Grundprinzip, die Chance aus Krisen persönlich und gesellschaftlich neue Wege zu gehen, die Notwendigkeit Widersprüche auszuhalten und dennoch Verantwortung für den jeweils anderen mitzutragen.

Julia Katharina Weiser, Absolventin der „Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig“, hat das Projekt als externe Lehrkraft begleitet: „Für uns alle war der Projektunterricht eine neue Herausforderung. Erfahrung in dieser Form des Lernens und der Wissensvermittlung hatte niemand von uns. Doch genau darin lag ja das Spannende – zu sagen, wir verlassen eingetretene Pfade und begeben uns auf unbekanntes Terrain, wie wir es nun auch gesellschaftlich erleben. Absolute Sicherheit gibt es nicht, nicht einmal im Privaten. Die Kunst lebt von dieser Spannung. Aber auch wir als Menschen können aus dem Unbekannten Kraft und Selbstwirksamkeit schöpfen.“ Die Grundlage für diese Form des Lernens ist erforscht und durch die konstruktivistische Didaktik erprobt. Schon John Dewey, amerikanischer Pädagoge und Philosoph, setzte sich bereits vor 100 Jahren für diese Form des Lernens ein: Lernen über die herausfordernde Erfahrung und das praktische Tun. Wissenschaftlich wurde dieser Projektunterricht durch ein laufendes Promotionsvorhaben der „Leibniz Universität Hannover“ evaluiert.

Sandy Bieneck, Leiterin des „Frauenzentrums“, hat den Projektunterricht ebenfalls fachlich begleitet und ergänzt: „Die Ergebnisse haben unsere Erwartungen übertroffen. Wir haben Lernmomente erlebt, in denen plötzlich für jeden deutlich wurde, dass die Geschichte Wolfen-Nords immer Veränderung gezeigt hat. Und diese waren – wie auch unsere gesellschaftlichen Veränderungen – nie nur negativ. Dank der Schilderungen der Senioren aus dem Quartier wurde das Wissen darum, anschaulich, erfahrbar und irgendwo auch spürbar. Denn das waren Gänsehautmomente, ebenso wie der Augenblick als alle Fotografien an der Wand hingen und die ersten Ausstellungsbesucher in den Raum kamen. Denn die entstandenen Fotografien der Schüler, Senioren und Geflüchteten sprechen für sich.“

Das Projektteam bedankt sich bei der „Robert Bosch Stiftung“ und dem Promotionskolleg „Didaktische Forschung. Citizenship und Inklusion“ der Uni Hannover für die Unterstützung des Projektes. Unser besonderer Dank gilt zudem den Lehrerinnen Anke Reichel, Katrin Klaus, Birgit Leffers, Karin Theune sowie den Lernenden & Künstler*innen: Carina, Christian, Djamila, Fabian, Jochen, Linda, Lisa, Monique, Nico, Nicole, Patrick, Reza, Sabine, Sadeq, Thekla, Zahra & Zahra. Vergesst nicht: WIR können immer etwas anders, neu und besser machen – und dabei aushalten, dass WIR einzeln jeweils anders und verschieden sind.
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