Weißt du eigentlich wie weh das tut

…würde ich gern meinen letzten Arbeitgeber und seine Personalbeauftragten fragen. Diejenigen, die mich zum Juni letzten Jahres in eine andere Kita umsetzen wollten. (siehe mein Artikel vom 17.2.)
Vor einigen Tagen traf ich auf einem Parkplatz ein Elternpaar mit ihrem Sohn Leon (Name geändert), welcher auch in meiner letzten Kita-Gruppe war. Wir begrüßten uns und freuten uns sehr über unser Wiedersehen. Aber ich spürte gleichzeitig auch schon wieder Tränen in mir aufsteigen, denn ich habe die letzten Monate und meinen endgültigen Weggang noch nicht verarbeitet. Ich ging in die Hocke, begrüßte den kleinen Leon und musste ihn einfach vor Freude spontan drücken. Er reagierte kaum. Verständlich, schließlich haben wir uns länger nicht gesehen. Leon hatte eine große Keksrolle im Arm und an seinem Mund war zu erkennen, dass es ihm schon sehr gut geschmeckt hatte. Wir Erwachsenen unterhielten uns angeregt. Dann spürte ich ein leichtes tippen an meinem Bein. Ich schaute hinab und Leon hält mir mit einem Lächeln einen Keks entgegen. Das geht mir gleich durch und durch. Ich hocke mich zu ihm hinunter, bedanke mich und sage: „Das ist aber lieb von dir, da freue ich mich. Den esse ich nachher zum Kaffee.“ Plötzlich schlingt Leon seine kleinen Ärmchen ganz fest um meinen Hals und will gar nicht wieder loslassen. Sofort steigen mir Tränen in die Augen. Mein Gott….wie hab ich das vermisst! Er versucht an mir hochzuklettern – das seine Schuhe schmutzig sind ist mir egal, kann man alles waschen. Die Ermahnung seiner Mama ignoriert er einfach. Und ich, ich genieße es in vollen Zügen. Wir gehen alle gemeinsam in das Geschäft zum einkaufen. Das allerdings erledigen die anderen. Leon und ich genießen „unsere“ Zeit mit verstecken und fangen. Was die anderen Leute denken interessiert mich nicht. Leon ist ausgelassen und ich auch. Er hängt an mir wie eine kleine Klette. Wie sehr habe ich das vermisst. Die Sehnsucht nach „meinen Kindern“, meiner Gruppe ist wieder da. Wie oft haben wir geknuddelt, gekuschelt und Spaß gehabt. Wie schnell kann man bei Kindern mit klitzekleinen Kleinigkeiten, welche für Erwachsene so unscheinbar sind, Aufmerksamkeit, Interesse, Neugier und Begeisterung wecken. Wenn sie dich dann erwartungsvoll ansehen…….das kann man nicht beschreiben. Wir sind als Eisenbahn durch den Raum gefahren, haben uns auf dem Fußboden rumgekullert, sind bemalt und verkleidet laut lärmend durch den ganzen Kindergarten gezogen, haben im Matschraum das Element Wasser ausgiebig erkundet, haben unsere Umgebung barfuß ertastet und und und. Ich hatte noch so viele Ideen, Vorhaben……… . Aber ich war ja nur ihre Erzieherin. Eine, die ihren Job für Ihren Arbeitgeber gemacht hat. Jetzt macht das eben eine andere . Ist doch egal. Wo steht geschrieben, das es immer die gleiche sein muss? Die Kinder gewöhnen sich ganz schnell an jemand anderes. Sicher. Aber Kinder in diesem Alter brauchen auch Zuverlässigkeit, Beständigkeit, vertraute Bezugspersonen. Möchte man als Erwachsener Vorgesetzte oder Kollegen, die häufig wechseln? Kinder sind kleine sensible Menschlein, die durch die Erwachsenen gelenkt, geleitet und geformt werden. Sie lernen durch Vorbildwirkung. Wie oft haben Sie sich in Ihrem Kind schon selbst gesehen und gehört? Sind Sie bei einer nicht so vertrauten Person genau so unbekümmert und ausgelassen? Es gibt Entscheidungen, die sollten nicht vom Schreibtisch aus passieren. Jede Medaille hat zwei Seiten. Und die zweite Seite meiner Medaille wurde nicht angesehen.
Ich habe meine Arbeit geliebt und gelebt. Ich wollte nicht weg. Was ist nur mit unserer Gesellschaft los? Jeder ist sich selbst der nächste. Jeder schaut da weg, wo man hinschauen sollte. Was geht es mich an? Partei wird für einen anderen schon gar nicht mehr ergriffen. Wozu? Ich habe es genau so zu spüren bekommen. Auch ich sehe jetzt einige Dinge mit anderen Augen, meine Ellenbogen sind breiter geworden. Gebranntes Kind……. . Ist es das, was den Menschen ausmacht? Herz, Gefühl, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen ist das was einen Menschen ausmacht! Für viele sind das Fremdwörter. Meine Entscheidung, diesem Arbeitgeber den Rücken zu kehren, habe ich bis heute nicht bereut. Ich habe 8 Monate versucht, diese Schreibtischentscheidung rückgängig zu machen, ich wollte weiterhin „meine“ Gruppe erleben, begleiten, lenken, führen. Aber wenn man dabei keine Unterstützung erfährt und Vorgesetzte nicht von ihrer Entscheidung abweichen, sind dir die Hände gebunden. Ein Hoch auf die Menschlichkeit!

Ines






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