Bitterfeld-Wolfen beteiligt sich an globaler Aktion ONE BILLION RISING

    Bitterfeld-Wolfen: Heinrich-Heine-Gymnasium | Henriette Liebezeit nahm an unseren Poetry Slam Workshops teil und verfasste eigens für ‪#‎OneBillionRising‬ einen Text...

"Langsam stieg ich aus dem Bus, meine Gedanken waren weit weg und ich eigentlich nur körperlich anwesend. Ich ging die Straße weiter entlang, zu dem Platz an dem es heute stattfinden sollte. Vor ein paar Tagen hatte ich davon im Internet gelesen und beschlossen herzufahren und mitzumachen. Die letzten Regentropfen vielen auf den Asphalt bevor die Wolken sich langsam verzogen und die Sonne sich doch noch blicken ließ. Ich packte meinen Schirm wieder in die Tasche, als ich auch schon auf dem Marktplatz stand. Hier sollte es bald beginnen. Der Platz war von einigen Häusern umgeben und viele Menschen liefen hier entlang. Manche standen in Gruppen und manche alleine so wie ich. Nach zwei Minuten war es dann soweit. Eine Frau stellte sich ans Pult und hielt eine Rede warum wir hier waren und was wir mit dieser Veranstaltung bezwecken wollten. Es waren fast dieselben Worte die auf der Website standen. Wir wollen heute bei One Billion Rising tanzen. Tanzen um auf die Gewalt aufmerksam zu machen und den Opfern zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Kaum war sie fertig, fing die Musik langsam an. Wir stellten uns auf wie wir es geübt hatten und begannen mit den ersten Schritten. Viele standen nur daneben und sahen uns dabei zu. Aber es war mir egal. Im Hintergrund hörte ich leise die Musik, aber vordergründig dachte ich nur an sie. Wegen ihr war ich hier. Nur wegen ihr tanzte ich am Valentinstag auf dem Marktplatz einer mir fremden Stadt. Ich dachte ein paar Jahre zurück und erinnerte mich wie alles angefangen hatte. Als sie sich immer weiter zurück zog und mir nicht sagte warum, als sie immer leiser wurde und begann mich zu meiden und mir nur noch Lügen zu erzählen. Sie wurde immer komischer und sagte nicht weshalb, weshalb sie nicht mehr wie früher war. Vor ein paar Monaten sah ich sie dann mit einem blauen Auge und sprach sie darauf an aber sie log und wollte mir nicht die Wahrheit erzählen. Sie war nicht mehr sie selbst. Sie war nicht mehr die, die ich seit vielen Jahren kannte und das machte mir Angst. Ich wollte sie zurück. Ich wollte das Mädchen von damals zurück, dass mutig war und stets mit mir über alles sprach, doch diese Person gab es nicht mehr. Zumindest nicht mehr für mich. Aber dann kam ihr Geheimnis doch ans Licht, eines Nachts um 1 Uhr früh rief sie mich weinend und hilflos an. Ich fuhr los und traf mich mit ihr, an unserem geheimen Lieblingsort. Dort wo wir schon als Kinder spielten und wo wir immer glücklich waren. Doch das geriet schnell in Vergessenheit als sie mir erzählte was sie so verändert hatte. Unter Tränen gestand sie mir, dass sie geschlagen wurde und nicht mehr wusste was sie nun tun sollte. Sie zeigte mir etliche Blutergüsse und konnte nicht aufhören zu weinen. Ihr Freund hatte sie schon seit einer ganzen Weile misshandelt. Doch sie hatte mir nichts davon erzählt aber nun tat sie es und ließ mich helfen. Ich nahm sie mit in meine Wohnung, dort blieb sie ein paar Wochen lang und begann sich langsam wieder etwas zu öffnen. Doch dann aus heiterem Himmel war sie plötzlich weg, nur ein Zettel fand ich noch von ihr. „Vielen Dank aber ich geh zurück, er hat versprochen sich zu ändern und schließlich liebe ich ihn doch“. Ich rief sie an und fuhr zu ihr hin, denn an sein Versprechen glauben konnte ich nicht. Doch niemand war da oder öffnete mir. Sie war verschollen und keiner wusste wo sie war. Nach einiger Zeit gab ich es schließlich auf und noch eine Weile später erhielt ich eine Nachricht. Ihre Eltern hatten sie besuchen wollen und fanden sie in keinem guten Zustand vor, wie vermutet hatte er sein Versprechen nicht gehalten. Sie brachten sie ins Krankenhaus, doch jede Hilfe kam zu spät, sie starb an inneren Verletzungen und er war schuld, er hatte sie zu Tode geprügelt und würde bald seine Strafe bekommen. Doch ihr nützte es nichts mehr. Sie hatte früher so viele Träume gehabt, doch jetzt ist sie nicht mehr da und von ihren Wünschen nichts mehr übrig. Und heute stehe ich nun hier und tanze auch für sie. Für sie und all die anderen Opfer. Damit sich etwas ändert. Weil ich etwas bewegen will.
Die letzten Takte der Musik erklangen und dann war es vorbei. Wir nahmen uns alle einen Luftballon und ließen sie gemeinsam zum Himmel aufsteigen. In der Hoffnung, dass dieses Zeichen anderen hilft und Gutes bewirkt. Ich stand noch eine Weile da und sah dem Luftballon hinterher. Sie hatte gelbe Luftballons geliebt, dachte ich während ich mich auf den Weg nach Hause machte."

Am 15. Februar 2016 beteiligte sich der Verein "Frauen helfen Frauen" e.V. in Kooperation mit dem Heinrich-Heine-Gymnasium Bitterfeld-Wolfen an der globalen Aktion ONE BILLION RISING und sendete damit ein wichtiges Signal zu der Thematik "Schluss mit der alltäglichen Gewalt gegen Frauen und Mädchen"! Über 700 Schülerinnen und Schüler tanzten zu "Break the Chain", der Hymne von One Billion Rising.

Der Valentinstag am 14. Februar gilt als der „Tag der Liebenden“. – Eigentlich ein schöner Gedanke. Man schenkt sich zum Beispiel gegenseitig Blumen als Versicherung der Liebe und der gegenseitigen Zuneigung und erlebt vielleicht einen besonders harmonischen Tag miteinander. Keine Frage, nicht jeder Tag innerhalb einer Beziehung kann gleich harmonisch verlaufen, nicht immer können Verliebtheit und Liebe vorrangig unser Leben dominieren. Häusliche Gewalt ist kein Einzelfall, so trifft es statistischen Angaben zufolge jede vierte Frau in Deutschland, weltweit wird sogar jeder dritten Frau in ihrem Leben sexualisierte oder andere Gewalt angetan.

Mit der weltweiten Kampagne One Billion Rising (englisch für „Eine Milliarde erhebt sich) erheben sich am Valentinstag rund um den Globus Milliarden von Frauen und Männern, um auf die alltäglich stattfindende Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen und auf ein Ende der Gewalt hinzuwirken. Die „Milliarde“ steht für die statistische Aussage der UN, dass ein Drittel aller Frauen und Mädchen in ihrem Leben Opfer von Gewalt geworden sind. Initiiert wurde die Kampagne von der New Yorker Künstlerin Eve Ensler.
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