Fachveranstaltung: "Frauen mit Behinderung"

Joachim Heinrich, Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderungen (Mitte), eröffnet die Veranstaltung. (Foto: Henriette Liebezeit)
 
Zum Präsidium gehören (von links nach rechts): Ralph-Dieter Unbehau, Edda Schliepack, Joachim Heinrich und Kerstin Börner. (Foto: Henriette Liebezeit)
Bitterfeld-Wolfen: Frauenzentrum Wolfen |

Anlässlich des alljährlich am 5. Mai stattfindenden Europäischen Protesttages für Menschen mit Behinderungen hat der vom Kreistag des Landkreises Anhalt Bitterfeld berufene und sich im Zuge der Gebietsreform gegründete Beirat für Menschen mit Behinderungen in Kooperation mit dem Kreisverband des SoVD Anhalt Bitterfeld und dem Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“ eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung unter dem Thema „Entstehung, Bedeutung und Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention unter besonderer Würdigung der Rechte von Frauen mit einer Behinderung“ am 04. Mai 2016 im Frauenzentrum durchgeführt.

Die UN-Behindertenrechtskonvention, die im Jahre 2008 in Kraft getreten ist und 2009 auch durch die Bundesrepublik Deutschland ratifiziert und damit geltendes Recht wurde, enthält mit dem Artikel 16 eine spezifische Regelung zu Frauen mit Behinderungen sowie einen Artikel zur Freiheit von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch. Auch der vom Beirat erarbeitete und vom Kreistag im Juli 2014 beschlossene Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention berücksichtigt die Problemlage und würdigt die spezifische Lage der Frauen im entsprechenden Umfang.

Frauen mit einer Behinderung erleben besonders häufig Gewalt und sexualisierte Gewalt in ihrem Leben. Das EU-Parlament geht inzwischen davon aus, dass achtzig Prozent der Frauen mit einer Behinderung bereits Gewalt erlebt haben. Sie sind damit doppelt so häufig betroffen wie nichtbehinderte Frauen. Dieses wird auch in einer repräsentativen Studie zur „Lebenssituation und Belastung von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“ aus dem Jahre 2012 bestätigt. Frauen haben zudem oft mit Diskriminierungen vielfältigster Art und Weise zu tun.

„Ziel des Aktionstages ist es, auf die Situation von Menschen mit Behinderungen im Landkreis Anhalt Bitterfeld aufmerksam zu machen und sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können“, erklärte Joachim Heinrich, Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderungen und 1. Kreisvorsitzender des SoVD-Kreisverbandes Anhalt Bitterfeld zu Beginn der Veranstaltung. Es gehe darum, die Kluft zwischen dem im Grundgesetz verankerten Anspruch der Gleichberechtigung für alle Menschen und der Lebenswirklichkeit Stück für Stück zu überwinden.

Mit besonderer Herzlichkeit wurden zur Veranstaltung das Mitglied des Präsidiums des SoVD-Bundesvorstandes und Bundesfrauensprecherin, Edda Schliepack, die Mitglieder des neugewählten Landtages von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen und Dagmar Zoschke, Landrat Uwe Schulze, Joachim Teichmann, stellv. Oberbürgermeister der Stadt Bitterfeld-Wolfen und der Behindertenbeauftragte des Landkreises, Ralph-Dieter Unbehau, willkommen geheißen.

Die Moderation der Veranstaltung übernahm die Diplom-Journalistin Kerstin Börner.
Frau Edda Schliepack, die bereits in den Vormittagsstunden Gelegenheit hatte, in Begleitung des 1. Kreisvorsitzenden, Joachim Heinrich und des Behindertenbeauftragten des Landkreises, Ralph-Dieter Unbehau, die Wasserwelt, das Goitzsche-Areal mit Pegelturm und den Stadthafen sowie behindertengerechte Markierungen im öffentlichen Straßenbereich in Augenschein zu nehmen und hier sehr anerkennende Worte gefunden hat, beschäftigte sich in Ihrem Referat sehr anschaulich und für jeden verständlich mit den frauenspezifischen Problemen, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ergeben. Sie zeigte auf, dass in den vergangenen Jahren eine Vielzahl gleichstellungspolitischer Maßnahmen umgesetzt werden konnten. Dennoch können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, was an Beispielen der unzureichenden Barrierefreiheit, deutlicher Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern von 21 Prozent und der Nichtvereinbarkeit von beruflicher Verwirklichung und Familienleben für Frauen mit und ohne Behinderungen seinen Ausdruck findet. Auch Armut nimmt zu und betrifft vor allem Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Erwerbslose. Frauen mit und ohne Behinderungen sind unter diesen Gruppen überproportional anzutreffen, weil diese eben meist mit wenig Geld auskommen müssen.

Anschaulich informierte Frau Schliepack über die im „Frauenpolitischen Programm“ enthaltenen Aufgaben und Ziele, die sich die 20. Bundesverbandstagung Anfang November 2015 gestellt hat. Dieses Programm enthält Kernforderungen und politische Vorschläge, die dem Grundsatz „Inklusion wagen – Solidarität gewinnen“ folgen und die frauen- und behindertenpolitische Arbeit der nächsten Jahre bestimmen und gestalten werden.

Die Teilnehmer*innen verabschiedeten am Schluss der Veranstaltung eine Resolution, in der auch erste Gedanken und Schlussfolgerungen enthalten sind, die sich aus dem Ende April 2016 veröffentlichten Referentenentwurf eines Bundesteilhabegesetzes ergeben, welches bereits zum Anfang des Jahres 2017 wirksam werden soll.

Frau Gabriele Brechlin, Mitglied des Sprecherrates im Beirat, überreichte der Referentin und der Moderatorin als DANK je einen Blumenstrauß und Frau Schliepack zur Erinnerung an den Tag in Bitterfeld-Wolfen einen Bildband.

Danke auch an Henriette Liebezeit für die tollen Bilder.
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