Sozialverband Deutschland feiert 100jähriges Jubiläum

Seit 100 Jahren setzt sich der Sozialverband Deutschland (SoVD) für soziale Sicherheit und Gerechtigkeit ein. Während dieser Zeit hat der Verband auch im Landkreis Anhalt Bitterfeld viele Menschen durch manche Tiefen begleitet: Der SoVD bietet für seine Mitglieder kostenlose Beratung zu Themen rund um Rente, Gesundheit, Behinderung und Berufsunfähigkeit an, hilft bei Anträgen und geht im Zweifelsfall bis vor das Sozialgericht.

Unsere Mission hat sich seit 1917 nicht geändert. Damals ging es um die schwierige Versorgungssituation der Schwerverletzten und Hinterbliebenen des Weltkrieges. Auch heute helfen wir denen, die sozial verwundbar sind. Schicksalsschläge wie Pflegebedürftigkeit, Krankheit, Armut und Arbeitslosigkeit können jeden treffen. Dann kommt es darauf an, Ansprüche gegenüber den zuständigen Sozialbehörden durchzusetzen. Und das wird immer schwieriger. Auch im letzten Jahr hatte der SoVD alle Hände voll zu tun“, stellt der 1. Kreisvorsitzende Joachim Heinrich fest. Heinrich und sein Team haben für die ratsuchenden Mitglieder weit über Anträge gestellt und Widersprüche erhoben. Dabei ging es besonders oft um die Themen Rente, Schwerbehinderung und Krankenversicherung.

Neben der individuellen Beratung macht der SoVD auf soziale Missstände aufmerksam und gestaltet die Sozial- und Gesellschaftspolitik aktiv mit. Dabei steht die Erhaltung des Sozialstaates im Mittelpunkt“, sagt Joachim Heinrich. „Besonderen Wert legen wir auf Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen, etwa im Bereich der Bildung und Ausbildung.“

Seit 2009 ist der Sozialverband bundesweit von rund 510 000 auf über 560 000 Mitglieder angewachsen. Das ist aus der Sicht von Joachim Heinrich, der zugleich Mitglied des Geschäftsführenden Landesvorstandes Mitteldeutschland ist, bemerkenswert in einer Zeit, in der die Mitgliedszahlen in Vereinen und Parteien sinken. Es ist aber auch eine dringliche Warnung, wenn so viele Menschen um ihr Recht kämpfen müssen.

Der Beirat für Menschen mit Behinderungen des Landkreis Anhalt-Bitterfeld gratuliert dem SoVD zu dem Jubiläum und bedankt sich im Namen aller Betroffenen und Hilfesuchenden für die ausgezeichnete Arbeit.


Jahrhundertverband SoVD - zeitliche Abfolge

1917 - In nie dagewesenem Ausmaß beherrschen Verwundung und Tod den Kriegsalltag und soziale Ungleichheit den Lebensalltag der Menschen. Auf Initiative des Juristen und Journalisten Erich Kuttner gründet sich der SoVD am 23. Mai inmitten des Ersten Weltkrieges als „Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten“. Bald nimmt der Verband direkt Einfluss auf die Sozialgesetzgebung.

1919 - Der Verband wirkt maßgeblich mit an den gesetzlichen Grundlagen für das Schwerbehindertengesetz, die Sozialhilfe und die Sozialgerichtsbarkeit.

1925 - Für seine Mitglieder richtet der Verband eine Sterbekasse ein und gründet eine Wohnungsbaugesellschaft für bezahlbaren Wohnraum.

1929 - Ab der Weltwirtschaftskrise tritt der Verband, der sich dem Frieden und der Völkerverständigung verschrieben hat, auch offensiv dem Nationalsozialismus entgegen.

1933 - Durch Selbstauflösung entzieht sich der Verband der Gleichschaltung.

1945 - Nur wenige Monate nach Kriegsende nehmen die ersten Ortsverbände ihre Arbeit wieder auf.

1946 - Der Verband fordert ein neues Versorgungsgesetz für die Opfer beider Weltkriege. Sein Entwurf hat maßgeblichen Anteil an dem 1950 in Kraft tretenden Bundesversorgungsgesetz.

1953 - Das unter Mitwirkung des Verbandes entstandene „Gesetz über die Beschäftigung Schwerbehinderter“ tritt in Kraft.

1957 - Der vom Verband vorgelegte Entwurf für ein Körperbehindertenfürsorgegesetz wird als „Körperbehindertengesetz“ umgesetzt.

1961 - Der Verband fordert erfolgreich die Anwendung des Bundesversorgungsgesetzes auf die Maueropfer.

1970 - Der Verband vermag eine dynamische Anpassung der Leistungen der Kriegsopferversorgung an die Entwicklung der Löhne und Gehälter durchzusetzen.

1974 - Anhebung der Kriegsopferrenten um 11,1 Prozent. Das neue Behindertengesetz mit Rechtsanspruch auf umfassende medizinische und berufliche Eingliederungshilfe tritt in Kraft.

1978 - Durch die Übernahme eines Berufsbildungswerkes für behinderte Jugendliche in Bremen intensiviert der Verband seine Arbeit für Menschen mit Behinderungen.

1980 - Eine zentrale Forderung des Verbandes wird erfüllt: die Einführung des flexiblen Renteneintritts für Schwerbehinderte ab dem 60. Lebensjahr.

1985 - Der Verband bezieht Position gegen die von der Bundesregierung angestrebte kostenneutrale Sozialpolitik mit Leistungseinbußen.

1990 - Der neugegründete Frauenarbeitskreis vertieft die traditionell wichtige Arbeit der Frauen im Verband.

1994 - Nach jahrelanger politischer Auseinandersetzung wird mit der gesetzlichen Pflegeversicherung eine Grundforderung des Verbandes umgesetzt.

1999 - Der bisher als Reichsbund bekannte Verband benennt sich um in Sozialverband Deutschland (SoVD).

2014 - Nach intensivem Wirken des SoVD und einer breiten gesamtgesellschaftlichen Debatte wird mit dem im Juli 2014 verabschiedeten Tarifautonomiestärkungsgesetz ein Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt.

2017 - Der SoVD steht seit 100 Jahren an der Seite seiner Mitglieder für soziale Sicherheit.

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