Nicht nur Zugvögeln und Bibern auf der Spur

Startpunkt Drömlingsklause, 4.10.2015, 9:30 Uhr
 
Wir starteten am Punkt 3/4
Calvörde: Flachwasserzone |

Rund um die Flachwasserzone im Drömling/Altmark


Wanderung vom Juni mit viel mehr Glück wiederholt, siehe auch:
http://www.mz-buergerreporter.de/calvoerde/reise/i...
Startpunkt unserer frühherbstlichen Vogel-Beobachtungstour Anfang Oktober war die Drömlingsklause an der Brücke über den Mittellandkanal bei Pieplockenburg Der Name deutet der Sage nach auf frühere Zeiten hin, als das Pfeifen der schlauen Burgherren die Feinde anlocken sollte, um sie dann im Moor zu versenken.

Die beste Zeit zur Zugvogelbeobachtung ist eigentlich erst Mitte Oktober/Anfang November (doch wir wollten noch zur BUGA) oder im März/April. Dann kann man auf den Wiesen und Gewässern zehntausende Vögel dicht gedrängt beobachten. Der Ranger im Informationshaus erklärte uns sogar, man sollte sich schon eine Stunde vor Sonnenaufgang in das Beobachtungshäuschen an der Flachwasserzone unweit der Drömlingsklause schleichen, um die tausenden scheuen Wildgänse und andere Wasservögel nicht zu vertreiben.

Wir gingen die Sache etwas gelassener an und umrundeten die Region erst nach 9 Uhr. Trotzdem war es für uns ein neues tolles Erlebnis.
Hunderte Vögel, besonders Wildgänse, machten scheinbar fast nur für uns ununterbrochen einen Riesenlärm. Vom Kanal aus führt ein Weg den Damm hinauf zur Beobachtungshütte an der Flachwasserzone.
Die wurde Anfang der 90-er Jahre bei der Erweiterung des Mittelland-Kanals angelegt. Ein langer Weidenzaun mit vielen Beobachtungsscharten machte uns gewissermaßen zu Zaungästen. Und jetzt das Fernglas gezückt! Damit kann man die Kuhreiher besser von den Schwänen unterscheiden. In der Hütte mit den großen Beobachtungsluken und Sitzbänken hängen große Plakate mit vielen Vogelzeichnungen und Erläuterungen für weniger kundige Beobachter, für die wir uns zweifellos halten.

Auf unserer gesamten Ringwanderung hörten wir fortwährend Vogellärm, denn Scharen von nordischen Wildgänsen und Co. pendelten ständig zwischen der Flachwasserzone und den unmittelbar angrenzenden Feuchtwiesen, ihren Ruhe- und Nahrungsplätzen, hin und her. Oft flogen sie unmittelbar über unsere Köpfe hinweg. Leider haben wir keine teure Profikamera, um das zeitgleich einzufangen. Zu oft waren die Vögel weg, bevor unsere Kamera überhaupt daran dachte auszulösen. Da hätten wir gern solche Technik besessen wie die MZ-Fotografen zum MZ-Besuchertag in Halle vorstellten!

Weitgehend ohne Vögel ging es dann am Mittellandkanal entlang weiter ostwärts. Es ist erstaunlich, wie viel Brücken den Mittellandkanal überspannen. Da kann die Elbe richtig neidisch werden. In kurzen Abständen begegneten uns Frachtkähne. Das war sicher dem niedrigen Wasserstand der Elbe geschuldet, der zurzeit nur 60 cm betrug, wie uns ein Fährmann auf einer Elb-Fähre erklärte. Wenig später bogen wir auf einen Feldweg (natürlich auch mit Kanälchen) ein. Das war überhaupt nicht langweilig. Auch jetzt blühte oder grünte erneut manches – zur „falschen“ Jahreszeit! Wir haben erstaunliche Entdeckungen gemacht, wie einige Fotos zeigen. Ein Weißdorn, der an einem Zweig gleichzeitig rote Früchte trug und wieder blühte, erstaunte uns zum Beispiel sehr. Oder junge Triebe neben dem alten Laub.

Der vierte Abschnitt zurück zum Ausgangspunkt führte zwischen dem Allerkanal und einem schmalen Bächlein entlang, für uns der idyllischste Abschnitt der Tour.

Er sollte Biberweg heißen.

Biberburgen, Ein- und Ausstiege am Kanal, Dämme, Fraßspuren sahen wir in kurzen Abständen, nur die Biber selbst bekamen wir nicht zu Gesicht.

Je mehr wir uns der Flachwasserzone (jetzt von der anderen Seite) näherten, desto mehr Vögel bekamen wir wieder ins Blickfeld.
Ein Blick auf die Teiche blieb durch Bäume und Strauchwerk leider nahezu versperrt (schade, dass es auf dieser Seite keinen Beobachtungsturm gibt). Nicht verborgen aber waren die Vogelscharen, die lauthals über uns zu den sattgrünen Futterplätzen flogen. Dort gesellten sich auch wieder einige streng geschützte schneeweiße Kuhreiher dazu. Wurden 2007 gerade mal zwei Exemplare als Ausnahmegäste in Sachsen-Anhalt gezählt, sahen wir mindestens sechs, erst auf den Teichen und jetzt auf den Wiesen.
Es wäre jedoch aussichtslos gewesen, sich für eine Nahaufnahme den scheuen Vögeln über die Wiesen zu nähern. So ließen wir die Vielzahl der Vögel, ihre Flugbewegungen und Landeanflüge auf uns wirken.

Als wir uns nach über vier Stunden (!) wieder dem Ausgangspunkt der gerade mal 7 km langen Rundtour näherten, kam uns ein Kremser entgegen. Die lärmenden Ausflügler werden aus ihrer überdachten Kutsche heraus garantiert nicht viele Vögel, Biberspuren oder andere Besonderheiten zu Gesicht bekommen haben. Dafür saßen sie gut windgeschützt und waren bestimmt nicht am Verdursten.

Zum Abschluss unserer Tour nahmen wir uns an der Ohre noch etwas Zeit für das Außengelände rund um das Drömlingsinformationshaus Kämkerhorst. So schön mit blühenden Seerosen zeigte sie sich nicht. Zur Regulierung des Sauerstoffgehaltes waren die Blumen kurz nach unserem Aufenthalt im Juni alle gemäht worden (Glück gehabt).
Besonders aufregend - nicht nur für Kinder - ist ein nachempfundener Moorpfad. Der erste Schritt auf diesem weichen, schwankenden Untergrund ist nichts für Ängstliche.

Vor der Fahrt zum Hotel machten wir noch einen kurzen Abstecher zur Ohrebrücke bei Taterberg.
„Im Jahr 1841 besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Altmark und dabei auch den Drömling. Er war von der Landschaft so beeindruckt, dass er kurze Zeit später das historische Brückengeländer, das seit dieser Zeit die Brücke ziert, aus dem Schloss Sanssouci herbringen ließ…“
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Wolfgang Erler aus Sandersdorf-Brehna | 15.10.2015 | 23:34   Melden
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Lothar Wobst aus Bitterfeld-Wolfen | 16.10.2015 | 09:36   Melden
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Hildegard Stelzig aus Sangerhausen | 18.10.2015 | 11:21   Melden
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