Am Tisch des Lebens

Ein Mensch tät sich noch gerne gütlich,
Doch wird's am Tische ungemütlich:
Auf seinen Eßplatz wartet schon
Die nächste Generation,
Mit großem Löffel, spitzer Gabel,
Das Messer wetzend wie den Schnabel.
Der Mensch, der - was noch unvergessen! -
auch zähes Zeug hineingefressen
Und der es oft schon satt gehabt,
Hätt zwar grad jetzt sich gern gelabt,
Wo es vorübergehend besser -
Doch schaut er sich die neuen Esser
Nicht ohne tiefe Rührung an:
Er sieht den holden Jugendwahn,
Der zu verspeisen sich getraut,
Was er, der Greis, nicht mehr verdaut.
Freiwillig rückt er sich ins Eck
Und trinkt sein letztes Schöpplein weg.
"Denn", sagt er sich, bescheiden-klug:
"Viel oder wenig war - genug!
Auch diesen wird nicht ungemischt
Des Lebens Freude aufgetischt.
Geb Gott nicht allzu große Brocken -
Laß munter sie beisammenhocken,
Bis auf den Platz die nächsten kommen,
Den ich auch - zeitweis - eingenommen.
Gespeist - gezahlt: nun bin ich quitt
Und wünsche Guten Appetit!"

Eugen Roth


PS.: Danke, R.!
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3 Kommentare
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 17.05.2018 | 06:26   Melden
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Otto Sauerbier aus Dessau-Roßlau | 18.05.2018 | 06:44   Melden
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 19.05.2018 | 02:43   Melden
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