Bibelrüstzeit 1956

Lancken-Granitz heute
Nachdem ich am 30.6.1956 meine Fahrkarte gekauft hatte, fuhr ich am Abend des

1.7.56
um halb nein mit dem Zug mit dem Zug nach Magdeburg. (Ich konnte daher nicht an der Abschlußfeier der Eilsleber Oberschule teilnehmen) Mit dem Zug, der um halb zwölf von Magdeburg abfahren sollte, fuhr ich mit etwas Verspätung ab. Einen Platz bekam ich nicht mehr. Der D-Zug fuhr über Bad Kleinen und Rostock direkt bis nach Putbus. Hier kam der Zug vormittags um halb acht an. Wir hatten Anschluß und konnten gleich mit der Kleinbahn weiter fahren. In Binz ost mußte ich aussteigen und auf die nächste Kleinbahn warten, da die erste nicht in Garftitz hielt. Mit der zweiten fuhr ich dann bis Garftitz weiter, wo ich kurz vor zehn ankam. In dem Zug traf ich zwei Jungen, die auch zur Bibelrüste wollten. Gemeinsam gingen wir zum Pfarrhaus in Lancken-Granitz.
Wir wollten das Heim besehen und trafen die beiden Leiter, Herrn Hollmann und Herrn Spengler beim Strohsackstopfen. Wir begrüßten uns mit ihnen und halfen ihnen bei der Arbeit. Es wurde ein fröhliches Strohsackstopfen veranstaltet und das
zukünftige Heim in Ordnung gebracht. Außer uns drei war erst ein Junge da. Nachdem wir uns gewaschen hatten, wurde Mittag gegessen. Nach dem Mittagessen schlief ich mich erst einmal etwas aus. Dann wurden die Lager hergerichtet und bezogen. Später ging ich ins Dorf. Was mir gleich am ersten Tag auffiel, war die Ähnlichkeit Rügens mit Pommern (Landschaft, Menschen, Sprache, strohgedeckte Häuser).
Dann wurden Personalien angegeben, Lebensmittelmarken abgegeben und Teilnehmergebühr bezahlt. Dabei stellte es sich heraus, daß der Pastor auch ein Stolper ist. Nach dem Abendbrot erhielten wir jeder eine Decke. Ich half abtragen und abwaschen.
Dann eröffnete Herr Hollmann die Bibelrüste, und wir stellten uns alle vor. Ich schrieb dann noch nach Hause. Dann ging ich schlafen.

3.7.56
Um 7 Uhr Wecken. Ich hatte heute Stubendienst. Dann wusch ich mich. Nach der Stillen Morgenandacht war Morgenandacht in der Kirche. Dann aßen wir Frühstück. In der Bibelarbeit sprachen wir über den Sündenfall als erstes Beispiel zu "Gott sucht dich".
Nach der Bibelarbeit lag ich etwas in der Sonne. Nach dem Mittagessen gingen wir nach Sellin an die See zum Baden. Uns überraschte ein Gewitter. Mit einem Trecker kamen wir nach Lancken zurück. Nach dem Abendessen zeigte und erklärte uns Pastor Schlobies die Kirche. Zum Schluß erzählte er uns in unserem Schlafraum noch etwas seltsame Bewohner des Hauses.

4.7.56
Nach dem Wecken und Waschen brachte ich meine Schlafstelle in Ordnung und putzte meine Schuhe. Wie am vorigen Tag war Stille und Morgenandacht. Die Morgenandacht hielt werner S. Frühstück.
In der Bibelarbeit sprachen wir über Abrahams Berufung. Unter der Leitung von Herrn Spengler führten wir eine Singstunde durch. Danach verdiente ich mir dadurch 10 Mark, daß ich einen kahlen Ast von einer Pappel herunter holte. nach dem Essen gingen wir nach Sellin zum Baden. Abendbrot gegessen.
Dann sprach Herr Spengler zu dem Thema "Mensch" mit Bibelworten. Danach war Abendausklang in der Kirche. Mit ein paar Mann blieb ich noch zur Gebetsgemeinschaft.

5.7.56
wecken bis Frühstück wie am Vortag. Dann richteten wir unseren Leseraum her. Das dritte Thema der Bibelarbeit zu "Gott sucht dich" war der Auszug Israels aus Ägypten.
Dann schrieb ich nach Hause. Nach dem Mittagessen machten wir eine Wanderung zum Jagdschloß, dann weiter durch den Wald zurück nach Lancken-Granitz. Abendbrot gegessen. Herr Spengler spricht zu dem Thema: das Volk Israel. Abendausklang und Gebetsgemeinschaft in der Kirche. Pastor Schlobies spricht inoffiziell über psychologische Fragen.

6.7.56
Bis Frühstück alles wie am 4.7. In der Bibelarbeit zum zweiten Thema "Gott ruft dich" die Berufung Samuels. Nach der Bibelarbeit Holz gehackt. Herr Spengler erzählt und liest lustige Geschichten vor. Nach dem Mittagessen wanderten wir an den Hünengräbern und Heidenopferstätten mit Pastor Schlobies an die Ostsee. An der Küste gingen wir bis Groß Stresow. Dann besichtigten wir ein Denkmal, das zu Ehren des Friedensvertrages im Nordischen Krieg errichtet wurde. Durch den Wald gingen wir nach Hause zurück. Unterwegs unterhielt ich mich mit Herrn Hollmann über mein bisheriges Leben und über meine Berufswahl.
Er sagte mir, ich solle mich ganz von dem führen lassen, der das _Leben aller Menschen, auch sein Leben, leitet. Dadurch wurde dieser Tag der wertvollsten für mich. Nach den Abendessen erzählte Her Hollmann etwas aus seinem Seemannsleben. Abendausklang war in der Diele. Gebetsgemeinschaft. Ich durfte voller Gottesgewißheit beten: "Gott, ich danke Dir für den heutigen Tag und Dein Wort, welches ich hören durfte. Herr, ich finde nicht Worte genug, Dir für die Führung auf dem Wege zu danken, der mich von einem selbstsicheren konfirmierten Jungen über viele Zweifel und Anfechtungen hinweg zu einem Menschen gemacht hat, der weiß, daß er anderen Menschen helfen kann und muß. Gib mir auch weiterhin Kraft zum Glauben und Bekennen".

7.7.56
Bis Frühstück alles wie am 4.7. Nach dem Frühstück hatte ich Tisch- und Küchendienst. In der Bibelarbeit hörten wir über Jesajas Berufung. Heute war ich zum Kartoffelschälen an der Reihe. Nach dem Mittagessen hatte ich Küchendienst. Dann wanderten wir nach Binz zum Baden. Wir ruderten. Abendessen. Küchendienst. Herr Hollmann erzählt wieder aus seinem Seemannsleben und
seinem Weg zum Glauben und Bekennen. Abendausklang, Gebetsgemeinschaft.

8.7.56
Bis Frühstück wie 4.7. Nach dem Frühstück zur Kirche. Pastor Schlobies hält Gottesdienst. Dann schrieb ich Postkarten. Nach dem Mittagessen gingen wir nach Baabe. Gerudert und gebadet. Abendessen. Ich bereitete mich dann auf die Morgenandacht am anderen Morgen vor, Herr Hollmann liest vor. Abendausklang. Gebetsgemeinschaft.

9.7.56
Heute hielt ich die Morgenandacht. Nach dem Frühstück Bibelarbeit über den Fischzug Petri. Mittagessen. Dann gingen wir nach Sellin. Von Sellin fuhren wir mit dem Zug nach Gören. Gebadet. Vom Strand aus wanderten wir über das Nordperd zum gegenüberliegenden Strand. Durch die Stadt kamen wir dann zum Bahnhof. Wir hatten noch Zeit und konnten den Fischern am Strand bei der Arbeit zusehen. Nach Hause. Abendessen. Abendausklang. Gebetsgemeinschaft.

10.7.56
Bibelarbeit zum 3.Thema "Gott gebraucht dich" über Elias gesprochen. Ich half abwaschen. Dann machten wir die Tafel zurecht.. Mittagessen. Von zwei bis sechs hackten wir in der LPG in Lancken-Granitz Mais. Abendbrot. Es wurde ein Frageabend durchgeführt. Abendausklang. Gebetsgemeinschaft.

11.7.56
Karte nach Hause geschrieben. In der Bibelarbeit sprachen wir über Daniel. Mittagessen. Von zwei bis sechs in der LPG gearbeitet. es wurde ein Buntveranstaltet. Später Lichtbilder gezeigt von Pastor Schlobies.

12.7.56
Nach dem Frühstück nach Binz. er Abend Vom Hauptbahnhof fuhren wir mit einem Zug durch die Prora nach Lietzow. Hier unternahm ich einen Spaziergang mit H. Dann fuhren wir weiter nach Saßnitz. Hier sahen wir erst den Hafen von weitem an. Durch die Stadt gingen wir an die Küste. Nach dem 2. Frühstück gingen wir an der Küste entlang bis zum Kleinen und Großen Königsstuhl und der Stubbenkammer. In der HO-Gaststätte machten wir Rast: Wir besahen den Herthasee mit den Opferstätten und dem Wall. Dann gingen wir nach Saßnitz zurück und fuhren nach Hause. Abendessen. Abendausklang. Gebetsgemeinschaft

13.7.56
Nach der Bibelarbeit über Petri Pfingstpredigt packte ich meine Sachen. Mittagessen. Nach Binz zum Baden. Nach dem Abendessen fand die Abschlussstunde statt. Pastor Schlobies hielt ein Abendmahl in der Kirche.

14.7.56
Wecken, aufgestanden, gewaschen, Bett gemacht, Schuhe geputzt, Koffer und Tasche gepackt, Frühstück gegessen. Stubendienst. Nach Garftitz zur Bahn gegangen. Mit D-Zug von Putbus nach Magdeburg. Halb eins zu Hause.

In Lancken-Granitz durfte ich ein paar schöne Tage unter Gottes Wort verbringen. Jeder Tag war ein Geschenk. Die besondere Bedeutung lag darin, daß ich auf manche Frage eine Antwort erhielt. Ich konnte neue Kraft schöpfen auf dem Wege für und mit Gott.
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