Macht hoch die Tür!

A. Köhn und die grüßenden Musiker
 
Begrüßung
"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat."

Mit diesem Adventslied von Georg Weissel begann gestern Abend in der Dessauer Marienkirche das diesjährige Adventsblasen der Posaunenchöre aus Anhalt, eine sehr beliebte und mehr als gut besuchte Veranstaltung unter der Leitung von Andreas Köhn, der auch die Teilnehmer begrüßte.

Das Programm * wurde auch von Pfarrer T. Ernst und Inspektor T. Käßner mitgestaltet.

So erfuhren wir u.a. die Geschichte, die sich zugetragen haben soll, als das Lied in Königsberg zum ersten Mal gesungen worden ist:

" Erstmals gesungen wurde es am vierten Adventssonntag des Jahres, in dem es Georg Weissel schrieb, und zwar vor dem Gartentor des Geschäftsmannes Sturgis. Das geschah deshalb, weil dieser ein an sein neu erbautes Schlösschen angrenzendes Wiesengrundstück erworben, mit einem Zaun versehen
und die Tore fest verschlossen hatte.
Damit war den Leuten aus dem Armen- und Siechenheim nicht nur der nahe Weg in die Stadt versperrt, sondern auch der zur Kirche. Sie mussten jetzt eine weite, mühevolle Strecke zurücklegen, für deren Bewältigung die Kräfte vieler Heimbewohner nicht mehr ausreichten. Die
Forderungen der Stadtväter und zahlreicher Bürger, die Gartentore zu öffnen, stießen bei Herrn Sturgis auf taube Ohren.
So schritt denn an jenem vierten Adventssonntag nicht nur der Kurrendechor zu Sturgis' Haus, sondern es schlossen sich auf Vorschlag des Pfarrers zahlreiche arme und gebrechliche Leute aus
dem Heim den Sängern an. Mit ihnen selbstverständlich auch der Dichter.
Nachdem der Chor vor dem Gartentor des Geschäftsmannes Aufstellung genommen hatte, hielt Weissel eine kurze Predigt. Mit großem Ernst sprach er von der hochmütigen Verblendung, mit der viele Menschen dem König aller Könige, der ja auch das Kind in der Krippe sei, die Tore ihres Herzens versperrten, so dass er bei ihnen nicht einziehen könne.
Mit erhobener Stimme fuhr er fort:
Und heute, lieber Herr Sturgis, steht er vor eurem verriegelten Tor. Ich rate euch, ich flehe euch an bei eurer Seele Seligkeit, Öffnet ihm nicht nur dieses sichtbare Tor, sondern auch das Tor eures Herzens und lasst ihn demütig mit Freuden ein, ehe es zu spät ist.
Er hatte das letzte Wort noch nicht ausgesprochen, als der Chor zu singen begann: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt ...
Sturgis stand wie angewurzelt. Kurz vor Beendigung des Liedes aber - die Sänger sahen es mit Erstaunen - griff er in seine Tasche und brachte einen Schlüssel zum Vorschein, mit dem er die Gartentore aufsperrte. Und von diesem Zeitpunkt an wurden sie nie mehr verschlossen. Die Heimbewohner hatten ihren kurzen Weg zur Kirche wieder, der noch lange Zeit Adventsweg genannt wurde."

Mit Gesang und Beifall beteiligte sich das Publikum am Programm, das mit dem Weihnachtslied "O du fröhliche .." und einer Zugabe des Orchesters endete.

Von Bachs "Herrscher des Himmels" habe ich ein Video ** zu machen versucht, das ich ggf, noch ergänze, um etwas von der wieder beeindruckenden Musik hörbar zu machen.


* Bilder 6 - 9

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2 Kommentare
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Christine Schwarzer aus Dessau-Roßlau | 20.12.2015 | 11:51   Melden
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 20.12.2015 | 12:08   Melden
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