"Wohl dem, der Heimat hat"

Friedrich Schorlemmer, 2010 in Halle (Saale)
 
Bonn (Rhein), 03.2014
Die Entwurzelung ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft.
Wer entwurzelt ist, entwurzelt. Wer verwurzelt ist, entwurzelt nicht.
Die Verwurzelung ist vielleicht das wichtigste und meistverkannte Bedürfnis der menschlichen Seele.
Simone Weil

Im Rahmen ihres Forums Kultur und Politik lud die Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen-Anhalt zu einem Gespräch mit dem Theologen und Publizisten Friedrich Schorlemmer am 28.9.10 nach Halle (Saale) ein, der 1944 als Pfarrerssohn geboren wurde, in Halle Theologie studiert hat, dort Studieninspektor, in Merseburg Studentenpfarrer, von 1978 - 1992 Prediger an der Schlosskirche in Lutherstadt Wittenberg und von 1992- 2007 Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt war, ausgezeichnet mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1993.

Wohl dem, der Heimat hat, war Thema des Abends, wozu es in der Einladung hieß:
"Schorlemmer erzählt von sich und einem Land, das es ihm nicht leicht gemacht hat, darin heimisch zu werden. Er portraitiert Menschen, die ihm viel bedeuten und reflektiert Hoffnungen und Schmerzen der Jahre 1968 und 1989. Vehement wendet er sich gegen interessengeleitete Vergangenheitspolitik, die Gegenwartskritik unterlässt, wie gegen verlogene Verklärung, die alles Gegenwärtige bemäkelt.
Sein (gleichnamiges) Buch ist ein starkes Plädoyer für das Besinnen auf tragfähige Werte und innere Gewissheiten. Zugleich warnt er aber vor einer Heimatliebe, die einengt und ausgrenzt."

Am Ende der gut besuchten und für mich mehr als interessanten Veranstaltung signierte Schorlemmer einige seiner zahlreichen Bücher, u. a. "Wohl dem, der Heimat hat", das ich gekauft und inzwischen gelesen habe.

Wo ist meine Heimat, wo ist mein Zuhause? Wo ich verstanden werde und wo ich verstehe. Wo ich verwurzelt und verpflichtet bin. Wo ich hinein- und hinausgewachsen bin. Heimat in einer Landschaft und einer Gemeinschaft, in einer Kirche und einem Garten, an einem Fluss und in einer Straße, in einem Buch und einer Melodie. In einem Traum.

Friedrich Schorlemmer, engagierter Bürgerrechtler und streitbarer Publizist, beschreibt seine Heimat - in der DDR und im vereinigten Deutschland. Er ermutigt zur Suche nach einem Ort, an dem wir anerkannt und gebraucht werden, zum Bruch mit starren Denkmustern und zu menschlichem Respekt.

Wer nicht zur Versöhnung bereit ist, beschädigt sich selbst. Negative Gefühle, sogar den Hass, zuzulassen, aber nicht beherrschen zu lassen, befreit. Sich der Wirklichkeit mutig zu stellen, bei sich selbst anzukommen und über sich hinauszuwachsen, sieht er als Aufgabe an - als ein beglückendes Zusammenspiel.

Als vergängliche Wesen sind wir hier nie ganz zuhause; doch Menschenrecht und Menschenpflicht ist die unverwüstliche Hoffnung, die >die Welt als Garten< liebt, die Sorge für eine gesunde Umwelt, ein friedliches Zusammenleben in mehr Gerechtigkeit, die Abkehr von jeder Gier, Mühe um Gemeinschaft, in der der Einzelne gilt.

Ich bin begeistert von Schorlemmers Buch "Wohl dem, der Heimat hat".
(Aufbau Verlag Berlin 2009, ISBN 978-3-351-02679-0)

(2010 bereits veröffentlicht)
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2 Kommentare
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 05.10.2014 | 19:56   Melden
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 05.10.2014 | 21:00   Melden
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