Zum Kirchentag 1956

  7.8.56
Mit dem Kirchentags-Sonderzug fuhren wir um halb 10 Uhr mit einer halben Stunde Verspätung los. Nachdem wir in Marienborn eine dreiviertel Stunde zur Kontrolle gestanden hatten, fuhren wir weiter. In Helmstedt wurden wir mit Posaunenchor begrüßt. Eine Ansprache wurde gehalten. Wir erhielten Apfelsinen und Kaffee. Wir sangen "Lobe den Herren". Der Führer des Zuges bedankte sich für die Begrüßung. Über Vienenburg, Goslar, Kreiensen, Bebra, Fulda ging es nach Frankfurt, wo wir auf dem Südbahnhof am Morgen des

8.8.56
um 8 Uhr ankamen. Die Stadt Frankfurt begrüßte uns mit einer Ansprache. Der Bahnhof war geschmückt. Die Glocken läuteten und Posaunen spielten.
Wir gingen zum Empfangsbüro Ost. Schon hier erhielten wir einen guten Eindruck von der vorbildlichen Organisation. Nachdem wir alles erhalten hatten ( 20 DM, Gutscheinheft, Stadtplan, Programm, Bücher usw.) fuhren wir, ein Eilsleber Junge und ich, nach Niederad ins Zeltlager, wo unser Quartier war. Den Eindruck, den ich auf der ersten Fahrt von der Straßenbahnschaffnerin erhielt, habe ich bis heute behalten.
Im Leitungszelt erhielten wir unsere Quartieranweisung. Wir kamen ins Großzelt 8. Wir empfingen dann Frühstück und Kaltverpflegung (Brot, Wurst, Käse, Marmelade und 1 Apfelsine). Dann wuschen wir uns. Nachdem wir gefrühstückt hatten fuhren wir zum Messegelände. In Halle 7 erhielten wir unser Mittagessen. Ich schrieb eine Karte nach Hause. Ich traf H.-J. M., einen Bekannten von der Bibelrüste. Dann gingen wir zum Bahnhof. Unterwegs sahen wir uns die Matthäus-Kirche an. Mit der Straßenbahn fuhren wir bis zur Paulskirche. Von da aus gingen wir zum Römer. Hier gelangten wir schon um halb 4 Uhr an. Langsam begann sich der Platz zu füllen. Man sah die Presseleute und Fernsehaufnahmegeräte.
Um halb 6 Uhr begann der Eröffnungsgottesdienst. Die Predigt hielt der Kirchenpräsident Niemöller; von Thadden-Triglaff hielt die Eröffnungsrede.. Nach dem Eröffnungsgottesdienst ging ich zum Messegelände, wo in der Festhalle der Eröffnungsabend der Jungen Gemeinde stattfand. Beginn 20 Uhr. Zuerst grüßt Essens Jugend mit einem Lied - Grußkanon. Essens Jugend tanzt. Begrüßung
der jungen Christen aus der Ökumene und der DDR. Die Losung: Zu einander, für einander, mit einander" wird bekannt gegeben.
Wegen Überfüllung der alle 1 wird noch Halle 2 angeschlossen. Es wird das Verkündigungsspiel "Die verlorenen Brüder" aufgeführt. Dann singen drei Chöre aus Hamburg, Hannover und Bayern. Es wir ein Fragespiel zwischen Theologen und Laien durchgeführt. Stadt und Land führen ein Spiel" neben einander und mit einander" auf. Auch die Berliner Jugend spielt. Nach dem Austausch der Adressen Schlußgebet und Segen. Schluß um viertel 11 Uhr.

9.8.56
Um 6 Uhr ist Wecken. waschen. Bett gemacht. Essen geholt. Im Zelt wurde Käse verteilt. Zu trinken konnte man sich Brühe holen. Dann ging ich zur Messehalle 1. Ankunft dreiviertel 9. Morgenandacht. Die Bibelarbeit leitete Pastor Lüthi, Bern. Singestunde.
Ich traf Pastor Hübchen (meinen Konfirmator), Bergers und Schmidt.
Arbeitsgruppe III. Begrüßung, Referat Jacob und Eschenburg. Nach dem Essen besuchte ich die Buch und Kunstausstellung. Ins Zeltlager. Gegessen und Kartengeschrieben. Zum Amerika-Haus, wo wir uns den Film "Miguel" ansahen. Spaziergang über Eschenheimer Turm, Hauptwache mit Katharinenkirche, Römer, Nikolaikirche, am Main entlang. Hauptbahnhof. Nach Hause gefahren.Viertel 10 Uhr Abendandacht .Schlafen gegangen.

10.8.56
Halb 6 Uhr Wecken, Waschen. dreiviertel 6 Morgenandacht, gefrühstückt. Zur Messehalle 1 gefahren. Ankunft 8 Uhr. Morgenandacht. Bibelarbeit, Referate in den Arbeitsgruppen von Neill und Pfleiderer. Essen. Zurück zum Zeltplatz. Zoo angesehen. Viele Tiere. Das einzige Okapi Deutschlands. Besuch der Ausstellung im Saalhof: Kunst und Kultur von der Reformation bis zur Aufklärung. Goethes Geburtshaus und Museum. zurück zum Zeltplatz. gegessen. Zur Festhalle. "Weltweites Christentum" Vorträge von visser´t Hooft, Niles und Dibelius. Nach Hause gefahren.

11.8.56
6 Uhr aufgestanden. Essen geholt. gegessen, gewaschen. Zur Festhalle gefahren- Halb 9 angekommen. Morgensegen, Bibelarbeit, Singestunde, Aussprache in der Arbeitsgruppe. Mittagessen. Zum Grünbergpark zum Nachmittag der Begegnungen. Eilsleber und Pastor Schlobies getroffen. Mit ihm fuhr ich zum Stolper-Treffen nach Berkersheim. Abends waren wir im Zeitkino, wo wir uns ein paar Kurzfilme ansahen.

12.8.56
6 Uhr aufgestanden. Gewaschen und rasiert, gefrühstückt und Essen geholt. Zur Messehalle 1 gefahren. Angekommen um viertel 9 Uhr. Nur noch einen Platz im 2.Rang bekommen. Festgottesdienst Bischof Dibelius. Die Ausstellung Zeugen und Zeichen des Evangeliums in Schlesien angesehen. Zum Hilfswerk gefahren. Nach dem Mittagessen fuhren wir zum Rebstock und nahmen am Hauptgottesdienst teil. Zum weltplatz gefahren.

13.8.56
7 Uhr aufgestanden, gefrühstückt, gewaschen, Sachen gepackt Zum Rhein-Main-Flughafen gefahren. Dort machten wir eine Rundfahrt mit, besichtigten die Modellhalle und sahen uns den Kurzfilm "Wie fliegt ein Flugzeug" an. Zum Essen auf das Messegelände. Zum Dom, den besichtigt und den Turm bestiegen, 92 m hoch, 325 Stufen. Nach Hause, Sachen geholt und zum Bahnhof Frankfurt Süd
gefahren. Verabschiedung durch Glocken und Ansprache. Tee, Milch und Saftwasser gab es zu trinken. Über Göttingen, Kreiensen, Seesen, Braunschweig (Apfelsinen!) nach Helmstedt, wo wir verabschiedet wurden, Ansprache und Posaunen. 7 Uhr zu Hause.

Sechs herrliche Tage durfte ich mit vielen guten Menschen unter dem Wort Gottes mit Beten, Loben, Danken und Singen verbringen. Ich erkannte, daß der Glaube an Gott nicht etwas für ein paar altmodische Leutchen, sondern für alle Menschen, die nicht verloren gehen wollen, ist. Ich erkannte aber auch, daß mir nur einer meine Sünden vergeben kann und will.
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1 Kommentar
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 24.08.2014 | 06:39   Melden
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