Zum Theater ums Theater

Anhaltisches Landestheater Dessau
LEO * 10.2014
lässt André Bücker zu Wort kommen.

Die Neuausschreibung der Stelle des Generalintendanten sorgte in den letzten Wochen für große Empörung.
Wollen Sie sich erneut bewerben?


André Bücker:
Auf keinen Fall. Ich bewerbe mich nicht um meinen eigenen Job, den ich sechs Jahre lang erfolgreich gemacht habe. Und in einer Stadt, in der es den Fall Philipp Oswald gab, kann das ja auch niemand ernsthaft erwarten.
Man hat meinen Vertrag im November 2013, also fast vor einem Jahr, nicht verlängert. Wenn man mich gewollt hätte, hätte man in den letzten zehn Monaten längst mit mir irgendwelche Gespräche führen, Absprachen treffen oder Dinge festlegen können. Das ist bicht passiert. Stattdessen hat man meinen Posten ausgeschrieben, ohne vorher mit mir darüber geredet zu haben, man hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass man das tun würde. Es ist also absurd zu glauben, ich würde mich unter diesen Voraussetzungen darauf bewerben.
Zumal man ja auch ganz klar sagen muss, dass sich jetzt, mit diesem zeitlichen Horizont, eigentlich niemand seriös darauf bewerben kann. Man kann ein Vier-Sparten-Theater mit über 300 Mitarbeitern, das normalerweise im Musiktheater zeitliche Vorläufe von mindestens zwei Jahren hat, nicht innerhalb von zwei Monaten komplett neu aufstellen - personell, inhaltlich, spielplanmäßig und auch strukturell. Wie gesagt, ein neues Finanzierungskonzept muss umgesetzt werden. Und wenn die Ausschreibung so läuft, wie sie laufen soll, gibt es Ende Januar oder Anfang Februar einen neuen Intendanten. Im Juni geht dieses Haus in die Sommerpause.
Nur zum Vergleich: Ich hatte vor meinem Antritt eine Vorbereitungszeit von 19 Monaten. Die Situation ist also interessant, um es einmal so zu formulieren. Man muss es einfach so sagen: Der Oberbürgermeister will mich nicht und das Land will mich nicht. Ich bin mit einigen Inszenierungen zu vielen Leuten auf die Füße getreten und man will auch die Kompetenzen des Intendanten in Zukunft si beschneiden, dass so was nicht mehr vorkommt. Das ist auch so gesagt worden, das ist keine Interpretation, sondern die nackten Fakten.
Also ja, wenn nicht ein Wunder passiert, ist dies meine letzte Spielzeit. Ich habe twar immer betont, dass ich an das neue Konzept, an dem ich für dieses Haus mit Leidenschaft und Intensität gearbeitet habe, glaube - aber ich bewerbe mich nicht auf einen Job, den ich seit Jahren erfolgreich mache, in einem Verfahren, in dem ich sowieso keine Chance habe.

(Eine Spielzeit der Veränderungen)



* Anhalt Magazin, das als Kompass durch Klub, Kultur und Kneipe seit 2003 monatlich mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren als Veranstaltungs- und Kulturmagazin in der Region Dessau, Roßlau, Coswig, Köthen, Wittenberg, Bitterfeld-Wolfen, Bernburg, Zerbst sowie im Wörlitzer Winkel erscheint und an zirka 500 Verteilstellen kostenfrei ausliegt.
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6 Kommentare
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Gisela Ewe aus Aschersleben | 18.10.2014 | 10:18   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 18.10.2014 | 11:03   Melden
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 18.10.2014 | 13:59   Melden
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Ulrich Kruggel aus Dessau-Roßlau | 18.10.2014 | 21:05   Melden
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Martina I. Müller aus Halle (Saale) | 18.10.2014 | 21:19   Melden
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Annette Funke aus Halle (Saale) | 19.10.2014 | 10:52   Melden
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