“Bunt statt Braun” aus Sicht der Piraten Dessau – ein Rückblick

  Der Verein “Gelebte Demokratie” hatte am 13.10.2012 unter dem Motto “Bunt statt Braun” zu einem Demokratischen Stadtspaziergang geladen. Der strahlende Sonnenschein passte so gar nicht zu dem eher traurigen Anlass. Es hatten sich ca. 250 Neonazi’s angekündigt, um in Dessau durch die Stadt zu marschieren und ihre braunen Parolen zu skandieren.

Am Bahnhof angekommen mussten die “Rechten” den linken Ausgang nutzen und sich dann auch nach links in ihr Gatter begeben. Ein toll anzuschauendes Szenario. Sie wurden von den Dessauern mit multikultureller Musik sowie Transparenten und Fahnen gegen “Rechts” in Empfang genommen. Wir sahen die JuSo’s, die Grünen, DGB, IG Metall, Die Linke, MLPD und uns 8 Piraten aus Dessau. Fotografiert wurde auf beiden Seiten und von der Polizei, die gefühlt zahlenmäßig allen Demonstranten überlegen war. Uwe Schmitter vom Verein “Gelebte Demokratie” hielt eine Rede vor den mindestens genauso zahlreich versammelten Dessauern.

Der Grund für die Nazi Demo war eine Messerattacke von einem asylsuchenden, psychisch kranken 30 jährigem Mann aus dem Senegal, gegen einen Sportler vom Fußballverein ASG Vorwärts Dessau am 16. Januar 2012 vor der Mc Donalds Filiale in der Kavalierstraße. Schmitter hob in seiner Rede hervor, dass es wesentlich mehr Straftaten mit rechtsradikalem Hintergrund in Sachsen-Anhalt gäbe, als Straftaten die von den nur 2,4% in Sachsen-Anhalt lebenden Ausländern verursacht würden. Die Rechtsextremisten würden diesen Anlass für ihre Ausländerhetze missbrauchen. Das traurige daran ist, dass sich das Opfer der Messerattacke schon damals, noch im Krankenhaus, selbst von einer rechtsextremen Vereinnahmung der Tat distanzierte und es nun trotzdem getan wird. Schmitter bekam großen Applaus für seine Rede.

Gegen 13:00 Uhr schienen die schwarzgekleideten Rassisten komplett zu sein und setzten sich in Bewegung. Sie brüllten die üblichen Parolen und bedienten sich eines recht alten blauen Transporters mit einer Verstärkeranlage. Der Anführer oder auch Einheizer (er muss wichtig sein, da er eine Mütze und eine hellbraune Jacke trug), lief hinter dem Wagen, grölte ins Mikrofon – und alle Nazi`s so: “yeah”.

Die erste Station für eine Kundgebung und Infostände verschiedener Parteien sollte 12:45 Uhr vor Mc Donalds sein. Also begaben wir uns in diese Richtung. Unterwegs bei einer Bratwurst am Imbiss in der Wolfgangstraße, kam uns der Gedanke für ein Transparent bzw. Banner für das nächste Mal. Infostände haben wir gefunden von MLPD, Grünen und der Linken. Allerdings schien die eigentliche Kundgebung auszufallen, da es zeitmäßig nicht mehr passte. Wir warteten dort noch eine Weile und verteilten währenddessen unsere Aufkleber “Nazis wegflauschen”. Lustig waren die Blicke der Menschen beim Lesen des Aufklebers. Den Begriff “flauschen” [1] muss man erst mal verstehen.

Als auf der Museumskreuzung Bewegung zu sehen war, wechselten wir dorthin. Die Polizei sperrte gerade alles ab und parkte die Mannschaftswagen so eng, dass sich wirklich nur eine Gasse bildete, durch die der laut blökende Haufen gelenkt wurde. Ein Passant zeterte gegen die Polizei, weil er unbedingt, sofort und jetzt durch die Absperrung wollte. Von der Menge am Rand und seiner Frau erntete er nur Kopfschütteln. Sie zog ihn schließlich weg. Während die Nazis an der Museumskreuzung marschierten, kamen von vielen Passanten “buh” Rufe und “Nazis raus, wir wollen euch hier nicht”, sowie geballte Fäuste mit ausgestrecktem Mittelfingern.

Nachdem die Nazis Richtung Süden abgebogen waren stellten wir fest, dass sie eigentlich keine große Aufmerksamkeit erregt haben. Es gab bei der ganzen Demo eigentlich nur 2 Lager. Der “braune”[2] Terror und die bunte Masse. Erleichtert können wir somit rückblickend feststellen, dass in Dessau die Nazis mindestens ignoriert und von den meisten nicht toleriert werden.

Die Piratenpartei Deutschland spricht sich in ihrem Programm entschieden gegen jede Form von Rassismus aus.

Quellen und Links:

http://www.gelebtedemokratie.de/wordpress/
http://www.lap-dessau-rosslau.de/index.php?option=...

[1] “flauschen” bezeichnet ein intensives “kuscheln”
[2] Braun war die Kennfarbe der Nationalsozialisten, während der NS- Diktatur.

http://www.piraten-dessau.de/bunt-statt-braun-aus-...
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