Das Lustgartentor, ein Verein und die Stadtverwaltung

Zu meinen morgendlichen Gepflogenheiten am Frühstückstisch gehört auch der Blick in die "Mitteldeutsche Zeitung". Während die Seite 1 sich damit zufriedengeben muss, zunächst nur überflogen zu werden, hat der "Anhalt-Kurier" ein Privileg, er wird sofort gelesen. So vollzieht sich auch der Morgen des 24. Januar. Nach dem ersten Blättern fallen mir sofort eine Überschrift und ein Foto auf. "Erbärmlicher Zustand" lese ich da und sehe die Lustgartenmauer im heutigen Zustand und auf einer Ansichtskarte aus der Zeit vor 1945 abgebildet. Sofort erinnere ich mich an meine Dessau-Sammlung, zu der auch Zeitungsartikel aus vergangenen Jahren gehören. Sie sind schnell gefunden und erinnern an einen interessanten Aspekt, der leider im Artikel vom 24. Januar keine Erwähnung gefunden hat. Vielleicht wusste Heidi Thiemann gar nichts davon, immerhin liegt diese Geschichte fast 16 Jahre zurück. Auch damals, am 15. April 1997, hatte die Redaktion einem aktuellen Foto die alte Ansichtskarte gegenübergestellt, nur die Überschrift zum Artikel - die war eine andere: "Spenden für die Lustgartenmauer".

Eine verloren gegangene Idee?

Es war der "Förderverein Schlossbezirk und Großer Markt", der sich vor 16 Jahren der Idee verschrieben hatte, die 1712 erbaute Mauer in alter Pracht wieder erstehen zu lassen. 600 000 D-Mark, so hatte man errechnet, würde dieses Vorhaben kosten. 600 000 D-Mark - eine gewaltige Summe, die auch nur über Spenden zusammengetragen werden sollte. Das Bemerkenswerte daran ist, dass dieses Vorhaben durch die Stadt unterstützt wurde, denn der damalige Baudezernent Gröger versichert im Faltblatt des Vereins, dass die Spenden ausschließlich dem vorgesehenen Zweck vorbehalten bleiben. Am Ende des Artikel folgt dann die Bekanntgabe des Spendenkontos.

Zweifellos, der Verein hatte (oder hat?) große Visionen, wie z.B. den Wiederaufbau der 1945 zerstörten Buden. Ohne Visionen, so schrieb die MZ am 14. Juni 2000 (da waren also schon 5 Jahre vergangen!), gibt es nur Stillstand, keinen Fortschritt. Folglich müssten Visionäre angesehene Leute sein, " .. denn ohne deren Traumbilder und Zukünftsentwürfe würden z.B. weder Schwabehaus noch Pächterhaus neu entstehen", so heißt es am 14. Juni 2000.

13 Jahre später ist Schweigen eingekehrt. Niemand spricht mehr von Visionen, die Visionäre scheinen verschwunden und die Stadt kann sich hinter dem Argument des fehlenden Geldes verschanzen. Die Frage sei erlaubt: Was ist aus den Spendengeldern geworden? Was ist aus dem Verein geworden? Schade, dass die MZ in Dessau dem nicht auf den Grund gegangen ist ....
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1 Kommentar
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Walter Helbling aus Arnstein | 22.02.2013 | 09:45   Melden
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